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Aus der Praxis: Tipps für die erfolgreiche Einführung eines LMS

Wir haben unsere Experten gefragt, worauf es ankommt

LMS, LXP, LCMS, RM… Die eLearning Branche hält viele Kürzel bereit, die auf den ersten Blick ganz schön verwirren können. Dabei dreht sich im Grunde genommen alles nur um das eine: Eine effektive Software die allen Anforderungen an eine moderne, zukunftsorientierte  Aus- und Weiterbildung entspricht.

Learning Management Systeme (kurz LMS) dienen der Planung, Durchführung und Kontrolle von Lernprozessen. Sie sind eine Software-basierte Unterstützung für die Aus- und Weiterbildung in einer Zeit, die von Digitalisierung, zunehmendem Wettbewerbsdruck und erläuterungsbedürftigen Produkten geprägt ist. LMS bilden heutzutage die Grundlage digitaler Bildungsprozesse.

Bei der Einführung eines LMS gibt es einiges zu beachten. Ein paar grundlegende Tipps haben wir bereits im Blogeintrag ‚10 Tipps für die erfolgreiche Einführung von E-Learning‘ zusammengefasst. Jetzt haben wir mit unseren Mitarbeitern aus dem Vertrieb gesprochen, um Impressionen aus ihrem Alltag und dem Kontakt zu Kunden zu sammeln, die sich entschlossen haben ein LMS zu nutzen. Was wird vor und während der Einführung meistens vergessen? Welche Stolpersteine können Sie ausbremsen? Welche essenziellen Punkte werden oft als irrelevant angesehen? Und wie packt man das alles richtig an?

1) Schaffen Sie sich nicht nur ein LMS, sondern eine Lernkultur

Aufbau einer Lernkultur

Übersicht der Einflussfaktoren einer Lernkultur im Unternehmen

Vor der Einführung eines LMS empfiehlt es sich, eine Bedarfsanalyse durchzuführen. Dabei werden zum Beispiel die technischen und personellen Anforderungen an das Unternehmen sowie die gewünschten Ziele überprüft. Wichtig ist es, darüber hinaus das Lernen in der Unternehmensstrategie zu verankern und eine richtige Lernkultur zu entwickeln.

Die Lernkultur besteht aus vier Kernelementen: Dem Unternehmen, den Trainern, den angewandten Technologien und den Lernenden.

Das Unternehmen entscheidet nicht nur über die Ziele, Zielgruppen und Rahmenbedingungen der digitalen Aus- und Weiterbildungsprozesse, sondern entwickelt im besten Fall eine Bildungsstrategie, die flexibel ist und sich nach Bedarf anpassen lässt. Teil der Bildungsstrategie ist es zum Beispiel, Lernzeiten und Lernplätze einzurichten.

Lernzeiten können während oder nach der Arbeitszeit stattfinden. Während der Arbeitszeit ist es wichtig, das Ansehen eines Lernvideos oder Durchführen einer Lernübung nicht als außerbetriebliche Beschäftigung abzustempeln. Das Unternehmen muss seinen Mitarbeitern vermitteln, dass Lernen ein Bestandteil ihrer Arbeit ist und ihnen den nötigen Raum dafür geben. Nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch die innere Einstellung muss stimmen.

Lernzeiten nach der Arbeitszeit können zum Beispiel dadurch zu Stande kommen, wenn ein Lernen am Arbeitsplatz nicht möglich ist. Beispiele dafür sind eine sehr laute Arbeitsumgebung, zum Beispiel in einer Fabrikhalle, oder das Fehlen von ausreichend PCs am Arbeitsplatz.

Jeder Mensch lernt anders

Wenn Sie sich jetzt denken – wer lernt denn freiwillig nach Feierabend? Manche Menschen können sich abends zu Hause besser konzentrieren als tagsüber am Arbeitsplatz. Wenn den Mitarbeitern das Lernen leichter fällt, machen sie es lieber und es ist effizienter. Vielleicht haben Sie schon einmal von unterschiedlichen Lerntypen gehört: Manchen Menschen fällt es leichter Gehörtes zu lernen, andere merken sich Dinge besser, die sie lesen. Genauso gibt es Unterschiede für die ideale Lernumgebung. Manche Menschen lernen besser mit Musik, andere brauchen absolute Stille. Wieder andere brauchen eine aufgeräumte Lernumgebung, während es einigen egal ist, wo sie lernen (Quelle: IFLW).

Unser Tipp

Als Gegenleistung für nach Feierabend verrichtete Lernzeiten kann ein Stundenausgleich oder ähnliches vereinbart werden. In solchen Fällen ist es sinnvoll Rücksprache mit dem Betriebsrat des Unternehmens zu halten.

Aus der Praxis wissen wir, dass es sinnvoll ist, die Vorlieben ihrer Mitarbeiter im Vorhinein abzufragen, um dadurch langfristig den Lernerfolg zu verbessern. Sicherlich ist es schwierig, auf jede Person individuell einzugehen, aber es ist nützlich, Tendenzen festzustellen oder gegebenenfalls je nach Abteilung zu entscheiden.

2) Technologie und Content

Sie kennen das von sich selbst: Was Sie gerne machen, machen Sie mit mehr Motivation.

Daher ist es wichtig den Lernenden einen Anreiz zu geben. Ein weiterer Stolperstein hat mit dem Lerninhalt und der angewandten Technologie zu tun. Es ist wichtig, sich zu überlegen, welche Lerninhalte vermittelt werden sollen, woher das Unternehmen den Content bezieht und wie diese Inhalte umgesetzt werden.

Standard Compliance-Schulungen 1 zu 1 in ein LMS zu übertragen, bei dem sich der Anwender stumpf von Info zu Info klickt und schlussendlich eine Prüfung ablegt, wirken auf die Mitarbeiter abschreckend und langweilig. Dies führt leicht zu fehlender Motivation, Missgunst gegenüber dem Lernen und ausbleibendem Lernerfolg. Als Einstieg und um den Mitarbeitern das Thema ‚Lernen mit LMS‘ näher zu bringen, bietet es sich an, mit Hilfe der Technologie spielerisch zu erklären, wie sie funktioniert.

Darüber hinaus haben wir weitere Praxis-Tipps für den Lernerfolg Ihrer Inhalte:

  • Geben Sie den Lerninhalten Persönlichkeit: Verbinden Sie den Content zusätzlich mit Ihrem Unternehmen, indem Sie die Farben oder die Schrift Ihres CI, oder Ihr Logo verwenden. Erstellen Sie unter Umständen ganze Lernwelten, die den Arbeitsplatz, Gebäude oder Pausenräume darstellen. Durch das Kreieren von Bildern und Welten wecken Sie das Interesse der Lernenden.
  • Nutzen Sie Storytelling und Gamification-Ansätze: Entwickeln Sie Geschichten rund um den Lerninhalt und belohnen Sie die Lernenden nach abgeschlossen Lektionen oder Wissensüberprüfungen. Lassen Sie die Lernenden Beispielsweise den virtuellen Arbeitsplatz erkunden und durch die Lernwelt ‚wandern‘. Das macht Lust auf Mehr.
  • Bleiben Sie aktuell und abwechslungsreich: Passen Sie die Lernwelt aktuellen Ereignissen an, beispielsweise durch weihnachtliche oder sommerliche Motive. Nutzen Sie verschiedene Lehrmittel und Aufgabentypen und sorgen Sie regelmäßig für neuen Content, um die Lernenden nicht zu langweilen.
Bilden Sie eTrainer aus um eine effektive Nutzung des LMS zu gewährleisten

Bilden Sie eTrainer aus um eine effektive Nutzung des LMS zu gewährleisten

3) Auch Ausbilder müssen ausgebildet werden

Das beste LMS ist wirkungslos, wenn es nicht richtig bedient wird. Daher ist es wichtig, bestimmte Bereiche des Unternehmens zu digitalisieren und die Autoren, die das LMS betreuen, als qualifizierte E-Trainer auszubilden. Dadurch sichern Sie einerseits, dass alle Möglichkeiten des LMS optimal genutzt werden, und andererseits, dass die Lernenden bestmöglich unterstützt werden.

 

Zugegeben – die Möglichkeiten der Gestaltung hängen natürlich vom jeweiligen LMS ab. Um effektives Lernen zu ermöglichen sollten Sie jedoch nicht an den falschen Stellen sparen. Je mehr Mühe Sie sich bei der Gestaltung und Implementierung des LMS geben, desto größer ist der Lernerfolg und desto weniger Komplikationen gibt . Unser Praxis-Tipp ist die Implementierung einer Lernkultur in Ihrem Unternehmen, um ein ganzheitliches Konzept aufzustellen und einen effektiven Einsatz Ihrer eLearning Software zu gewährleisten.

Daher empfehlen wir Ihnen: Schaffen und pflegen Sie eine eigene Lernkultur in Ihrem Unternehmen und verfolgen Sie diese als ganzheitliches Konzept. Machen Sie Lernen zum Erlebnis.

Ein Blog-Beitrag von Laura Jung

 


Siehe dazu auch:

IFLW (Institut für integrative Lerntherapie und Weiterbildung): Wie lernt jeder Lerntyp am effektivsten?

https://www.iflw.de/blog/lernen/wie-lernt-jeder-lerntyp-am-effektivsten/

 

Bildquellen:

pexels.com CC0 License:

https://www.pexels.com/photo/action-adventure-climbing-daylight-303040/

https://www.pexels.com/photo/man-pointing-laptop-computer-2182981/

 

Mobile Learning vs. Work-Life-Balance

So passt immer verfügbare digitale Weiterbildung in unseren Alltag

Dank E-Learning und Co. haben wir quasi immer und überall Zugriff auf Lerninhalte und sind immer erreichbar. Aber wie beeinflusst dieser Umstand unsere Balance von Arbeit und Privatleben? In unserem neuesten Artikel wollen wir Ihnen einen Überblick und wertvolle Tipps zur Erhaltung dieses Gleichgewichts geben. Vorher wollen wir aber klären, was die beiden Begriffe “Mobile Learning” und “Work-Life-Balance” überhaupt bedeuten.

Work-Life-Balance: Das gesunde Gleichgewicht von Arbeit und Privatleben

Work Life Balance

“Work-Life-Balance” beschreibt das Gleichgewicht von Arbeits- und Privatleben

In Zeiten, in denen 50-Stunden-Wochen und Burn Out allgegenwärtig sind, hat das Thema „Work – Life – Balance“ höchste Relevanz. Der Begriff beschreibt das gesunde Gleichgewicht von Beruf und Privatleben. Er behandelt zum Beispiel die Frage, ob mir neben der Arbeit genug Zeit für Hobbies, Freunde und Familie bleibt. Dabei muss mit besagter Balance sicherlich keine 50:50-Aufteilung gemeint sein. Diese lässt sich zum einen ohnehin in den meisten Fällen nicht umsetzen. Und zum anderen hängt die Balance auch stark von der subjektiven Wahrnehmung des Einzelnen ab. Wichtig ist ein empfundenes Gleichgewicht, bei dem keiner der beiden Teilbereiche zu stark vernachlässigt wird. Neben Arbeit und Beruf sollte also noch genügend Zeit für andere Dinge bleiben. Umgekehrt sollen natürlich auch Beruf und Bildung nicht unter den eigenen Freizeitaktivitäten leiden.

Mobile Learning: Lernen wann und wo ich will

Auch das Thema Mobile Learning ist in aller Munde. Quasi jeder von uns nutzt regelmäßig ein Smartphone und auch vom Arbeitgeber gestellte Geräte sind längst keine Seltenheit mehr. Das heißt auch: Für die berufliche Weiterbildung gibt es kaum noch Grenzen. Häufig wird vom Arbeitnehmer sogar erwartet, Lerninhalte und Weiterbildungsmaßnahmen außerhalb der regulären Arbeitszeit oder nach Feierabend zu behandeln. Darüber hinaus sind zeitgemäße Lerninhalte optimal an die Mobilgeräte angepasst, sodass es immer selbstverständlicher wird, diese nicht mehr nur am Arbeitsplatz zu konsumieren. Das kann zu mehreren Problemen führen: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, zwischen “Work” und “Life” können leichter verschwimmen und auch auf das eigene Umfeld kann dies Einfluss nehmen.

Gönnen Sie sich Ruhe. Mit festen Zeiten für’s Lernen klappt es auch mit der Balance.

So fällt es nicht schwer, schnell ein Konfliktpotenzial zwischen den beiden Begriffen „Mobile Learning“ und „Work-Life-Balance“ zu erkennen. Wie soll man noch genügend Zeit zur Erholung finden, wenn nach Feierabend die nächste Lerneinheit schon auf dem Smartphone wartet? Dass sich diese beiden Themen trotzdem miteinander vereinbaren lassen, wollen wir Ihnen im Folgenden zeigen.

Klare Strukturen, bessere Inhalte – Tipps für Work-Life-Balance und Mobile Learning

Ein simpler und erster Ansatz, Mobile Learning für die Arbeit und das Privatleben vereinbar zu machen sind klare Regelungen und zeitliche Strukturen. Dabei sollten Fragen wie “Wie viel Zeit muss ich im Monat für das Lernen aufwenden?” oder “Ist Lernzeit gleich Arbeitszeit?” zwischen Arbeitnehmer und -Geber einvernehmlich geklärt sein. Ebenso, wie sich mit Arbeitgebern klare Strukturen schaffen lassen, funktioniert dies auch mit Ihrem privaten Umfeld.

Die Zeit, die Sie mit Ihren Kindern verbringen, soll nicht unter dem mobilen Lernen leiden. Legen Sie also gemeinsam mit Ihren Angehörigen fest, wann Sie zu Hause Zeit mit Weiterbildung oder anderen Arbeitsthemen verbringen. Wichtig ist natürlich, sich dann auch daran zu halten. Nach ein oder zwei Wochen können Sie außerdem reflektieren, ob Sie und alle Beteiligten mit der Aufteilung zufrieden sind.

 

Beispiel gefällig?

Die Wissenschaftlerin Catherine A. Middleton berichtet von einem kuriosen Fall im Rahmen einer Studie: Das Kind eines Teilnehmers habe dessen Mobiltelefon sogar in die Toilette befördert, da dieser damit zu viel Arbeitszeit mit nach Hause brachte.1

Aber auch die Lerninhalte an sich können viel zur Work-Life-Balance beitragen. Kurze Lerneinheiten oder sog. Lernnuggets können hier eine Lösung sein. Lerninhalte, die nur wenige Minuten vom Lernenden fordern, lassen sich in Kombination mit Mobilgeräten nämlich deutlich leichter im Alltag unterbringen als “klassische” Lerneinheiten. Ein drei-minütiger Lerninhalt auf dem Smartphone passt nämlich hervorragend in die nächste Fahrt mit der Bahn, die Wartezeit an der Bushaltestelle oder auch in die Werbepause der Lieblings-TV-Sendung am Abend.

Versuchen Sie das mal mit langwierigen Desktopinhalten! Nutzen Lernende solche sonst ungenutzten Pausen innerhalb des Alltages, hilft das der Work-Life-Balance schon enorm, da effektiv keine Freizeit verloren geht. So kann Mobile Learning einen positiven Beitrag zur Balance leisten.

Was kann ich als Trainer oder Arbeitgeber beitragen? E-Learning als Chance für eine bessere Balance

Nicht nur die Lernenden selbst können dazu beitragen, dass die Work-Life-Balance stimmt und das Lernen nicht als Belastung wahrgenommen wird. Ebenso sind Trainer, Coaches, Autoren und Arbeitgeber hier in der Pflicht. Das probateste Mittel sind hier, so simpel es klingen mag, Lerninhalte die Spaß machen. Methoden des E-Learning wie Gamification oder ein aktives Storytelling steigern nämlich nicht nur den Lernerfolg. Sie sorgen auch für motivierte Lerner und bessere Inhalte. So wird das Lernen für den Job auch nach Feierabend nicht zur müßigen Fleißaufgabe.

Mit den richtigen Tipps lassen sich Mobile Learning und Work-Life-Balance sehr gut vereinbaren.

Mit den richtigen Tipps lassen sich Mobile Learning und Work-Life-Balance sehr gut vereinbaren.

E-Learning Autoren erhalten durch Mobile Learning ebenfalls mehr Möglichkeiten, Inhalte komfortabler zu vermitteln. Dank auf Mobilgeräte angepasste Kurse und Lernnuggets muss es nicht immer die zeitaufwendige Präsenzschulung sein. Das spart Lernenden und Lehrenden Zeit, die für andere Dinge bleibt.

Mobile Learning und Work-Life-Balance: Nicht gegen, sondern miteinander

Zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wie lassen sich eine gesunde Work-Life-Balance und Mobile Learning miteinander vereinbaren? Letztlich ist dies gar nicht so schwer. Ein paar klare Regelungen zwischen Lehrenden, Lernenden und privatem Umfeld stellen eine gute Grundlage. Wenn man dann noch durch die mobile Verfügbarkeit der Lerninhalte Wartezeiten wie in Bus und Bahn sinnvoll nutzt, können sich Arbeits- und Privatleben gut die Waage halten. Bilden darüber hinaus noch unterhaltsame Inhalte das i-Tüpfelchen, dann steht der Work-Life-Balance nichts mehr im Weg.

Ein Blog-Beitrag von Hendrik Lüken

 


1Middleton, Catherine A. (2007): Do Mobile Technologies Enable Work-Life Balance? Dual Perspectives on BlackBerry Usage for Supplemental Work. Online verfügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/305650682_Do_Mobile_Technologies_Enable_Work-Life_Balance_Dual_Perspectives_on_BlackBerry_Usage_for_Supplemental_Work.

Siehe dazu auch:

www.lernen.net/artikel/work-life-balance-tipps-uebungen-1168/

www.sueddeutsche.de/karriere/lernen-fuer-den-job-reine-privatsache-1.3647594

Bildquellen:

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Teil 2: User-generated content 2.0 – Wenn Lernende das Lernen gestalten

Das richtige Zusammenspiel von Autoren, Usern und Lerninhalten

Es ist Zeit für User-generated content 2.0! Warum? Das beleuchten wir im zweiten Teil unseres Blogs. Den ersten Teil noch nicht gelesen? Den gibt es HIER.

Im ersten Teil haben wir untersucht, was User-generated content auszeichnet und warum wir im Alltag häufig damit in Kontakt kommen, bei der Arbeit aber eher nicht.

Dass es für die verschiedensten Problematiken bei der Umsetzung von User-generated content in Unternehmen auch Lösungen gibt, wollen wir Ihnen jetzt zeigen. Denn auch in der digitalen Aus- und Weiterbildung sind Inhalte von Lernenden für Lernende möglich. Mit Gamification, einzigartigen Lernwelten oder didaktisch fokussierten Formaten zeigt die Branche, dass sie offen für Innovationen ist. Und auch Communities sind in der Weiterbildung ganz sicher kein Fremdwort. Trotzdem können Unternehmen hier noch einiges herausholen. Wie das funktionieren kann und was User-generated content 2.0 bedeutet, schauen wir uns nun gemeinsam an:

Wissensaustausch aktivieren über die Community

Essentiell für User-generated content ist eine aktive Community. Das konnten wir bereits im ersten Teil des Artikels feststellen. Und auch für Unternehmen bietet das soziale Netzwerken viele Vorteile. Nicht nur profitiert die interne Kommunikation und die Unternehmenskultur von einer eigenen Community. Auch für die Lernkultur ist sie unverzichtbar.

Social Media Community in Avendoo

Bringen Sie Ihre Mitarbeiter in einer Community zusammen – dann ist der erste Schritt zu User-generated content 2.0 schon getan

Ihre Mitarbeiter können sich darüber zu Lerninhalten austauschen, einander Tipps geben oder Fragen beantworten. Zusätzlich kommen Information viel schneller von A nach B. Zeitgleich ist damit der erste Schritt zu User-generated content bereits getan. Denn schon ein hilfreicher Tipp in Ihrem Netzwerk ist im Grunde ein vom Nutzer erstellter Inhalt – für den Sie nicht einmal zusätzliche Autorenrechte verteilen müssen. Solche ersten Erfahrungen in Ihrer Lernkultur senken nebenbei auch noch die Hemmschwelle für den Nutzer, komplexere Inhalte zu posten. So machen Sie sich die Vorteile von Social Media auch bei der Arbeit und im E-Learning zu Nutze.

Grundvoraussetzung dafür ist natürlich, überhaupt über eine aktive Community zu verfügen. Das erreichen Sie auf zwei Wegen am besten: Stellen Sie erstens sicher, dass Ihre Lerner einen Mehrwert aus der Community ziehen können. Das schaffen Sie zum Beispiel, indem Sie relevante Informationen zum Arbeitsalltag, zu wichtigen Terminen oder zu Ihrem Unternehmen über die Community veröffentlichten. Zweitens sollten Sie mit gutem Beispiel vorangehen, indem Sie selbst aktiv werden. Lassen Sie einfach selbst hier und da mal einen “Like” da. Teilen und posten Sie selbst Feedback und hilfreiche Infos für Ihre Lernenden. Kurz: Nehmen Sie am gegenseitigen Austausch teil. So stellen Sie sicher, dass sich der Besuch von Forum und Co. für Ihre Mitarbeiter lohnt und Sie zeitgleich mit gutem Beispiel vorangehen.

Übrigens: Auch die Möglichkeiten, Likes und Kommentare zu hinterlassen sind erste einfache Schritte, Ihre Mitarbeiter zu aktiven Usern zu machen!

Community mit Mehrwert leicht gemacht

Ihre Community machen Sie schon dann attraktiver für Ihre Nutzer, wenn Sie Ankündigungen und Termine zentral dort veröffentlichen. Das vermindert die “E-Mail Flut” und schafft durch eine zentrale Informationsquelle ganz einfach einen Mehrwert.

 

Auf die richtige Komposition kommt es an

Jetzt wissen wir, wie man seine Mitarbeiter zu Usern machen kann. Aber wie mache ich sie zu Erstellern von E-Learning Inhalten? Auf den ersten Blick geht es hier oft nicht weiter, da viele Unternehmen die Rechte in der E-Learning Software ungern pauschal an alle Nutzer weitergeben. Soweit logisch, führt aber zu folgendem Resultat: Lerninhalte werden in separaten Abteilungen erstellt und durchlaufen langwierige Erstellungsprozesse. Um diese Problematik aufzulösen hilft es, sowohl E-Learning content als auch User-generated content weiterzudenken. Damit kommen wir nun zu User-generated Content 2.0 : In diesem Modell müssen Ihre User die Lerninhalte gar nicht von Grund auf selbst erstellen – das Zusammenstellen der Inhalte macht den kreativen Prozess aus.

Das hat drei entscheidende Vorteile:

Komposition von Lerninhalten funktioniert im User-generated Content 2.0 wie in einem Orchester.

Gute Contents lassen sich mit Musikern in einem Orchester vergleichen. Richtig gut klingt es erst im Zusammenspiel.

1. Sie und Ihre Autoren müssen die Inhaltserstellung nicht aus der Hand geben und behalten den Überblick.

2. Dadurch, dass Ihre Anwender Inhalte auswählen, bewerten und zusammenstellen, verbessert sich die Qualität und der praktische Nutzen der Lerneinheiten.

3. Ihre User müssen keine vollwertigen Autoren sein, um einen Teil zur Lernkultur beitragen zu können.

Dieser Ansatz von User-generated content 2.0 lässt sich quasi mit einem Orchester vergleichen: Jedes einzelne Instrument funktioniert an sich auch allein, so richtig toll klingt alles aber erst im Zusammenspiel. Das gilt auch für einzelne Lerninhalte, die erst in abwechslungsreicher Komposition den vollen Lerneffekt bringen. Und jeder Teilnehmer liefert einen wichtigen Beitrag zum Ganzen. Es braucht also nicht immer Hochglanz-Inhalte, um wirkungsvolle Lerneinheiten zu schaffen!

Geben Sie Ihren Nutzern Freiheiten – und profitieren Sie davon

In der Praxis gibt es mehrere Wege, diese Idee umzusetzen. Simpel angefangen bei einem Katalog, der Inhalte nach Bewertungen durch die User ordnet bis hin zu kompletten Trainingsplänen, die von Usern zusammengestellt werden. Grundlage dazu bildet auch hier die bereits erwähnte Community. Diese bestimmt ganz wie im Social Media die Relevanz und die Reichweite von Inhalten – in diesem Fall von Lerninhalten. Im Kern profitiert User-generated content 2.0 von den Erfahrungen, die Ihre Nutzer bereits gemacht haben. Vom hilfreichen Wiki-Beitrag aus dem Netz bis zum favorisierten Web Based Training – lassen Sie sich von Ihren Lernenden erzählen, was sie zum Lernen motiviert. So erhalten Sie auf einfache Art und Weise und zielgruppenorientiert Best practice-Beispiele der digitalen Aus- und Weiterbildung.

Ein Trainingsplan kann nicht nur das passende Setting liefern, sondern auch Lerninhalte in eine logische Abfolge bringen

Ambitionierte Lernkulturen können natürlich noch weiter gehen. Foren, Wikis oder Lerntagebücher sind einfache Mittel, Ihre Mitarbeiter direkt Inhalte erstellen zu lassen. Aber User-generated content 2.0 kann noch viel mehr bedeuten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Kreativ-Workshop, indem Ihre Autoren mit einigen aktiven Nutzern gemeinsam praxisnahe Lerninhalte ausarbeiten? Oder gleich ganze Workshop-Tage, an denen Ihre erfahrenen Mitarbeiter als User komplett eigene Lerninhalte für neuere Kollegen erstellen? Stoßen Sie die Tür für User-generated content 2.0 auf und erfahren Sie, was eine funktionierende Lernkultur ausmacht. Ganz einfach, indem Sie Ihre Lerner fragen.

Ein Blog-Beitrag von Hendrik Lüken

 


Siehe dazu auch:

C. Wyrwoll: Social Media. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014.

Lee, McLoughlin: Teaching in the Web 2.0 Era. Online verfügbar unter: http://itdl.org/Journal/Oct_07/article02.htm

Bildquellen:

Unsplash, CC0 License: https://unsplash.com/photos/lqdrW2O-GKA

Pixabay, CC0 License: https://www.pexels.com/photo/blur-business-close-up-composition-269451/

Teil 1:  User-generated content 2.0 – Wenn Lernende das Lernen gestalten

Was E-Learning vom Social Media lernen kann

Web 2.0 kennen Sie, richtig? Das Schlagwort, das insbesondere die Interaktivität des Internets und seiner Nutzer hervorhebt. Und eigentlich schon wieder ein alter Hut ist. Und dasselbe gilt ebenso für viele damit verbundene Begriffe wie den User-generated content, von Webnutzern erstellte und veröffentlichte Inhalte. Für die meisten von uns ist es eben schon alltäglich, in Social Media und Co. Inhalte von anderen Nutzern zu konsumieren, zu teilen oder auch selbst welche zu erstellen. Aber wenn das Thema doch schon längst Alltag ist, warum kommen wir jetzt nochmal damit um die Ecke?

E-Learning kann vom Web noch viel lernen

Der Grund dafür ist ganz einfach: Denn bei der digitalen Aus- und Weiterbildung in Unternehmen ist User-generated content bisher nicht so alltäglich wie in vielen anderen Bereichen unseres Alltags. Während User auf YouTube, Instagram und Co. tagtäglich neue Inhalte zu unseren Hobbies und Interessen liefern, sieht das im eLearning anders aus. Und wir wollen betrachten, warum das so ist.

Do-it-yourself-Videos helfen u.a. Hobby Heimwerkern und sind ebenfalls User-generated content

Nur eines von vielen Beispielen für User-generated content: Do-it-yourself-Videos für Heimwerker

Was tun Sie zum Beispiel, wenn Sie ein neues Rezept, Heimwerkertipps oder ein Tutorial für irgendein anderes Problem aus dem Alltag benötigen? Richtig, Sie gehen ins Netz. Dort gibt es immer einen User, der schon dieselbe Frage hatte oder eine passende Lösung parat hat. Und durch YouTube-Videos, Internetforen oder Wikis war es nie leichter, Wissen und Inhalte zu finden, selbst zu erstellen und zu verbreiten.

Dabei könnte eLearning aber stark von Nutzerinhalten profitieren. So würde sich für Lernkulturen in Unternehmen zum Beispiel die Anzahl potenzieller Autoren stark erhöhen. Außerdem würden die Nutzer besser in die Lernkultur integriert und die theoretischen Inhalte von eLearnings würden einen stärkeren Bezug zur Praxis bekommen. Ganz so einfach ist es in Unternehmen bisher aber nicht. Hier gibt es meist feste Abteilungen, die Arbeitsanweisungen, Trainings und Lernplattformen erstellen und pflegen. Aus diesen kommen dann auch die Inhalte der E-Learnings. Oder es werden gleich Standardinhalte von externen Anbietern bezogen. User-generated content zu konsumieren ist für uns privat also alltäglich, bei der Arbeit aber häufig ein Fremdwort. Warum aber ist das so?

Passt User-generated Content zu Unternehmen?

Die Gründe für diese Diskrepanz sind vielfältig. Ein Hauptfaktor mag die starke Bindung von User-generated content zu Social Media sein. Faktoren wie Reichweite, Follower, Zielgruppen oder auch Likes spielen hier eine enorme Rolle. Popularität und Reichweite von Inhalten werden durch diese kurz und leicht formuliert. Hinzu kommt, dass Social Media sich durch eine hohe Aktualitäts-Relevanz auszeichnet, Stichwort Newsfeed. Was gestern in aller Munde war, interessiert morgen niemanden mehr.

Meinung per Klick

Likes und Co. werden auch als one-click-opinions, also als Meinungsäußerung per einfachem Klick bezeichnet.

Lernkulturen und -Inhalte in Unternehmen hingegen beanspruchen häufig viel Zeit in der Erstellung, Pflege und Kommunikation. Entscheidungen oder Inhalte müssen meist mehrere Arbeits- und Entscheidungsprozesse oder auch Abteilungen durchlaufen. Lerninhalte in Unternehmen brauchen (und nehmen sich) so einfach deutlich mehr Zeit, als der tagesaktuelle User-generated Content aus dem Netz.

Dadurch haben Sie es aber auch schwerer, die regelmäßige Aufmerksamkeit des Nutzers zu erlangen. Ein weiterer Unterschied: Die Macher hinter User generated Content sind Einzelpersonen und Fans einer bestimmten Sache oder Person. Sie haben eine emotionale Bindung zu Ihren Inhalten und Themen. Dass das nicht für jeden Arbeitnehmer und seine Arbeit gilt, leuchtet ein. Der Arbeitsalltag weckt nicht so einfach die Motivation der Nutzer wie es Inhalte zu Hobbies, aktuellen Themen oder die berühmt-berüchtigten Katzenvideos tun. Ja, auch das ist User-generated Content.

E-Learning und User-generated content – kann das funktionieren?

Wie bringe ich User-Content und E-Learning zusammen. Das schauen wir uns bald im zweiten Teil an.

In Unternehmen klicken Lernende sich oft durch alljährliche Schulungen zu Standardthemen wie Daten- oder Brandschutz, die immer wieder dieselben Inhalte aufrollen. Und auch wenn durchaus auch spannende Kurse und aktuelle Themen in Unternehmen per E-Learning vermittelt werden: Die Lernenden bleiben klassischer Konsument. Sie nehmen nur selten Einfluss darauf, wie Lernkulturen- und Inhalte aussehen. Viele Charakteristika des User-generated content scheinen zudem erstmal nicht zu Lernumgebungen in Unternehmen zu passen.

E-Learning in Unternehmen kann hier also noch viel von modernen Netz-Communities lernen. Ein Alarm-Signal? Und was ist jetzt eigentlich User-generated content 2.0? Das erfahren Sie im zweiten Teil unseres Artikels, in Kürze hier auf avendoo.de.

Ein Blog-Beitrag von Hendrik Lüken

 


Siehe dazu auch:

C. Wyrwoll: Social Media. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014.

Lee, McLoughlin: Teaching in the Web 2.0 Era. Online verfügbar unter: http://itdl.org/Journal/Oct_07/article02.htm

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