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Mobile Learning vs. Work-Life-Balance

So passt immer verfügbare digitale Weiterbildung in unseren Alltag

Dank E-Learning und Co. haben wir quasi immer und überall Zugriff auf Lerninhalte und sind immer erreichbar. Aber wie beeinflusst dieser Umstand unsere Balance von Arbeit und Privatleben? In unserem neuesten Artikel wollen wir Ihnen einen Überblick und wertvolle Tipps zur Erhaltung dieses Gleichgewichts geben. Vorher wollen wir aber klären, was die beiden Begriffe „Mobile Learning“ und „Work-Life-Balance“ überhaupt bedeuten.

Work-Life-Balance: Das gesunde Gleichgewicht von Arbeit und Privatleben

Work Life Balance

„Work-Life-Balance“ beschreibt das Gleichgewicht von Arbeits- und Privatleben

In Zeiten, in denen 50-Stunden-Wochen und Burn Out allgegenwärtig sind, hat das Thema „Work – Life – Balance“ höchste Relevanz. Der Begriff beschreibt das gesunde Gleichgewicht von Beruf und Privatleben. Er behandelt zum Beispiel die Frage, ob mir neben der Arbeit genug Zeit für Hobbies, Freunde und Familie bleibt. Dabei muss mit besagter Balance sicherlich keine 50:50-Aufteilung gemeint sein. Diese lässt sich zum einen ohnehin in den meisten Fällen nicht umsetzen. Und zum anderen hängt die Balance auch stark von der subjektiven Wahrnehmung des Einzelnen ab. Wichtig ist ein empfundenes Gleichgewicht, bei dem keiner der beiden Teilbereiche zu stark vernachlässigt wird. Neben Arbeit und Beruf sollte also noch genügend Zeit für andere Dinge bleiben. Umgekehrt sollen natürlich auch Beruf und Bildung nicht unter den eigenen Freizeitaktivitäten leiden.

Mobile Learning: Lernen wann und wo ich will

Auch das Thema Mobile Learning ist in aller Munde. Quasi jeder von uns nutzt regelmäßig ein Smartphone und auch vom Arbeitgeber gestellte Geräte sind längst keine Seltenheit mehr. Das heißt auch: Für die berufliche Weiterbildung gibt es kaum noch Grenzen. Häufig wird vom Arbeitnehmer sogar erwartet, Lerninhalte und Weiterbildungsmaßnahmen außerhalb der regulären Arbeitszeit oder nach Feierabend zu behandeln. Darüber hinaus sind zeitgemäße Lerninhalte optimal an die Mobilgeräte angepasst, sodass es immer selbstverständlicher wird, diese nicht mehr nur am Arbeitsplatz zu konsumieren. Das kann zu mehreren Problemen führen: Die Grenzen zwischen Arbeit und Privatleben, zwischen „Work“ und „Life“ können leichter verschwimmen und auch auf das eigene Umfeld kann dies Einfluss nehmen.

Gönnen Sie sich Ruhe. Mit festen Zeiten für’s Lernen klappt es auch mit der Balance.

So fällt es nicht schwer, schnell ein Konfliktpotenzial zwischen den beiden Begriffen „Mobile Learning“ und „Work-Life-Balance“ zu erkennen. Wie soll man noch genügend Zeit zur Erholung finden, wenn nach Feierabend die nächste Lerneinheit schon auf dem Smartphone wartet? Dass sich diese beiden Themen trotzdem miteinander vereinbaren lassen, wollen wir Ihnen im Folgenden zeigen.

Klare Strukturen, bessere Inhalte – Tipps für Work-Life-Balance und Mobile Learning

Ein simpler und erster Ansatz, Mobile Learning für die Arbeit und das Privatleben vereinbar zu machen sind klare Regelungen und zeitliche Strukturen. Dabei sollten Fragen wie „Wie viel Zeit muss ich im Monat für das Lernen aufwenden?“ oder „Ist Lernzeit gleich Arbeitszeit?“ zwischen Arbeitnehmer und -Geber einvernehmlich geklärt sein. Ebenso, wie sich mit Arbeitgebern klare Strukturen schaffen lassen, funktioniert dies auch mit Ihrem privaten Umfeld.

Die Zeit, die Sie mit Ihren Kindern verbringen, soll nicht unter dem mobilen Lernen leiden. Legen Sie also gemeinsam mit Ihren Angehörigen fest, wann Sie zu Hause Zeit mit Weiterbildung oder anderen Arbeitsthemen verbringen. Wichtig ist natürlich, sich dann auch daran zu halten. Nach ein oder zwei Wochen können Sie außerdem reflektieren, ob Sie und alle Beteiligten mit der Aufteilung zufrieden sind.

 

Beispiel gefällig?

Die Wissenschaftlerin Catherine A. Middleton berichtet von einem kuriosen Fall im Rahmen einer Studie: Das Kind eines Teilnehmers habe dessen Mobiltelefon sogar in die Toilette befördert, da dieser damit zu viel Arbeitszeit mit nach Hause brachte.1

Aber auch die Lerninhalte an sich können viel zur Work-Life-Balance beitragen. Kurze Lerneinheiten oder sog. Lernnuggets können hier eine Lösung sein. Lerninhalte, die nur wenige Minuten vom Lernenden fordern, lassen sich in Kombination mit Mobilgeräten nämlich deutlich leichter im Alltag unterbringen als „klassische“ Lerneinheiten. Ein drei-minütiger Lerninhalt auf dem Smartphone passt nämlich hervorragend in die nächste Fahrt mit der Bahn, die Wartezeit an der Bushaltestelle oder auch in die Werbepause der Lieblings-TV-Sendung am Abend.

Versuchen Sie das mal mit langwierigen Desktopinhalten! Nutzen Lernende solche sonst ungenutzten Pausen innerhalb des Alltages, hilft das der Work-Life-Balance schon enorm, da effektiv keine Freizeit verloren geht. So kann Mobile Learning einen positiven Beitrag zur Balance leisten.

Was kann ich als Trainer oder Arbeitgeber beitragen? E-Learning als Chance für eine bessere Balance

Nicht nur die Lernenden selbst können dazu beitragen, dass die Work-Life-Balance stimmt und das Lernen nicht als Belastung wahrgenommen wird. Ebenso sind Trainer, Coaches, Autoren und Arbeitgeber hier in der Pflicht. Das probateste Mittel sind hier, so simpel es klingen mag, Lerninhalte die Spaß machen. Methoden des E-Learning wie Gamification oder ein aktives Storytelling steigern nämlich nicht nur den Lernerfolg. Sie sorgen auch für motivierte Lerner und bessere Inhalte. So wird das Lernen für den Job auch nach Feierabend nicht zur müßigen Fleißaufgabe.

Mit den richtigen Tipps lassen sich Mobile Learning und Work-Life-Balance sehr gut vereinbaren.

Mit den richtigen Tipps lassen sich Mobile Learning und Work-Life-Balance sehr gut vereinbaren.

E-Learning Autoren erhalten durch Mobile Learning ebenfalls mehr Möglichkeiten, Inhalte komfortabler zu vermitteln. Dank auf Mobilgeräte angepasste Kurse und Lernnuggets muss es nicht immer die zeitaufwendige Präsenzschulung sein. Das spart Lernenden und Lehrenden Zeit, die für andere Dinge bleibt.

Mobile Learning und Work-Life-Balance: Nicht gegen, sondern miteinander

Zurück zu unserer Ausgangsfrage: Wie lassen sich eine gesunde Work-Life-Balance und Mobile Learning miteinander vereinbaren? Letztlich ist dies gar nicht so schwer. Ein paar klare Regelungen zwischen Lehrenden, Lernenden und privatem Umfeld stellen eine gute Grundlage. Wenn man dann noch durch die mobile Verfügbarkeit der Lerninhalte Wartezeiten wie in Bus und Bahn sinnvoll nutzt, können sich Arbeits- und Privatleben gut die Waage halten. Bilden darüber hinaus noch unterhaltsame Inhalte das i-Tüpfelchen, dann steht der Work-Life-Balance nichts mehr im Weg.

Ein Blog-Beitrag von Hendrik Lüken

 


1Middleton, Catherine A. (2007): Do Mobile Technologies Enable Work-Life Balance? Dual Perspectives on BlackBerry Usage for Supplemental Work. Online verfügbar unter: https://www.researchgate.net/publication/305650682_Do_Mobile_Technologies_Enable_Work-Life_Balance_Dual_Perspectives_on_BlackBerry_Usage_for_Supplemental_Work.

Siehe dazu auch:

www.lernen.net/artikel/work-life-balance-tipps-uebungen-1168/

www.sueddeutsche.de/karriere/lernen-fuer-den-job-reine-privatsache-1.3647594

Bildquellen:

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Teil 2: User-generated content 2.0 – Wenn Lernende das Lernen gestalten

Das richtige Zusammenspiel von Autoren, Usern und Lerninhalten

Es ist Zeit für User-generated content 2.0! Warum? Das beleuchten wir im zweiten Teil unseres Blogs. Den ersten Teil noch nicht gelesen? Den gibt es HIER.

Im ersten Teil haben wir untersucht, was User-generated content auszeichnet und warum wir im Alltag häufig damit in Kontakt kommen, bei der Arbeit aber eher nicht.

Dass es für die verschiedensten Problematiken bei der Umsetzung von User-generated content in Unternehmen auch Lösungen gibt, wollen wir Ihnen jetzt zeigen. Denn auch in der digitalen Aus- und Weiterbildung sind Inhalte von Lernenden für Lernende möglich. Mit Gamification, einzigartigen Lernwelten oder didaktisch fokussierten Formaten zeigt die Branche, dass sie offen für Innovationen ist. Und auch Communities sind in der Weiterbildung ganz sicher kein Fremdwort. Trotzdem können Unternehmen hier noch einiges herausholen. Wie das funktionieren kann und was User-generated content 2.0 bedeutet, schauen wir uns nun gemeinsam an:

Wissensaustausch aktivieren über die Community

Essentiell für User-generated content ist eine aktive Community. Das konnten wir bereits im ersten Teil des Artikels feststellen. Und auch für Unternehmen bietet das soziale Netzwerken viele Vorteile. Nicht nur profitiert die interne Kommunikation und die Unternehmenskultur von einer eigenen Community. Auch für die Lernkultur ist sie unverzichtbar.

Social Media Community in Avendoo

Bringen Sie Ihre Mitarbeiter in einer Community zusammen – dann ist der erste Schritt zu User-generated content 2.0 schon getan

Ihre Mitarbeiter können sich darüber zu Lerninhalten austauschen, einander Tipps geben oder Fragen beantworten. Zusätzlich kommen Information viel schneller von A nach B. Zeitgleich ist damit der erste Schritt zu User-generated content bereits getan. Denn schon ein hilfreicher Tipp in Ihrem Netzwerk ist im Grunde ein vom Nutzer erstellter Inhalt – für den Sie nicht einmal zusätzliche Autorenrechte verteilen müssen. Solche ersten Erfahrungen in Ihrer Lernkultur senken nebenbei auch noch die Hemmschwelle für den Nutzer, komplexere Inhalte zu posten. So machen Sie sich die Vorteile von Social Media auch bei der Arbeit und im E-Learning zu Nutze.

Grundvoraussetzung dafür ist natürlich, überhaupt über eine aktive Community zu verfügen. Das erreichen Sie auf zwei Wegen am besten: Stellen Sie erstens sicher, dass Ihre Lerner einen Mehrwert aus der Community ziehen können. Das schaffen Sie zum Beispiel, indem Sie relevante Informationen zum Arbeitsalltag, zu wichtigen Terminen oder zu Ihrem Unternehmen über die Community veröffentlichten. Zweitens sollten Sie mit gutem Beispiel vorangehen, indem Sie selbst aktiv werden. Lassen Sie einfach selbst hier und da mal einen „Like“ da. Teilen und posten Sie selbst Feedback und hilfreiche Infos für Ihre Lernenden. Kurz: Nehmen Sie am gegenseitigen Austausch teil. So stellen Sie sicher, dass sich der Besuch von Forum und Co. für Ihre Mitarbeiter lohnt und Sie zeitgleich mit gutem Beispiel vorangehen.

Übrigens: Auch die Möglichkeiten, Likes und Kommentare zu hinterlassen sind erste einfache Schritte, Ihre Mitarbeiter zu aktiven Usern zu machen!

Community mit Mehrwert leicht gemacht

Ihre Community machen Sie schon dann attraktiver für Ihre Nutzer, wenn Sie Ankündigungen und Termine zentral dort veröffentlichen. Das vermindert die „E-Mail Flut“ und schafft durch eine zentrale Informationsquelle ganz einfach einen Mehrwert.

 

Auf die richtige Komposition kommt es an

Jetzt wissen wir, wie man seine Mitarbeiter zu Usern machen kann. Aber wie mache ich sie zu Erstellern von E-Learning Inhalten? Auf den ersten Blick geht es hier oft nicht weiter, da viele Unternehmen die Rechte in der E-Learning Software ungern pauschal an alle Nutzer weitergeben. Soweit logisch, führt aber zu folgendem Resultat: Lerninhalte werden in separaten Abteilungen erstellt und durchlaufen langwierige Erstellungsprozesse. Um diese Problematik aufzulösen hilft es, sowohl E-Learning content als auch User-generated content weiterzudenken. Damit kommen wir nun zu User-generated Content 2.0 : In diesem Modell müssen Ihre User die Lerninhalte gar nicht von Grund auf selbst erstellen – das Zusammenstellen der Inhalte macht den kreativen Prozess aus.

Das hat drei entscheidende Vorteile:

Komposition von Lerninhalten funktioniert im User-generated Content 2.0 wie in einem Orchester.

Gute Contents lassen sich mit Musikern in einem Orchester vergleichen. Richtig gut klingt es erst im Zusammenspiel.

1. Sie und Ihre Autoren müssen die Inhaltserstellung nicht aus der Hand geben und behalten den Überblick.

2. Dadurch, dass Ihre Anwender Inhalte auswählen, bewerten und zusammenstellen, verbessert sich die Qualität und der praktische Nutzen der Lerneinheiten.

3. Ihre User müssen keine vollwertigen Autoren sein, um einen Teil zur Lernkultur beitragen zu können.

Dieser Ansatz von User-generated content 2.0 lässt sich quasi mit einem Orchester vergleichen: Jedes einzelne Instrument funktioniert an sich auch allein, so richtig toll klingt alles aber erst im Zusammenspiel. Das gilt auch für einzelne Lerninhalte, die erst in abwechslungsreicher Komposition den vollen Lerneffekt bringen. Und jeder Teilnehmer liefert einen wichtigen Beitrag zum Ganzen. Es braucht also nicht immer Hochglanz-Inhalte, um wirkungsvolle Lerneinheiten zu schaffen!

Geben Sie Ihren Nutzern Freiheiten – und profitieren Sie davon

In der Praxis gibt es mehrere Wege, diese Idee umzusetzen. Simpel angefangen bei einem Katalog, der Inhalte nach Bewertungen durch die User ordnet bis hin zu kompletten Trainingsplänen, die von Usern zusammengestellt werden. Grundlage dazu bildet auch hier die bereits erwähnte Community. Diese bestimmt ganz wie im Social Media die Relevanz und die Reichweite von Inhalten – in diesem Fall von Lerninhalten. Im Kern profitiert User-generated content 2.0 von den Erfahrungen, die Ihre Nutzer bereits gemacht haben. Vom hilfreichen Wiki-Beitrag aus dem Netz bis zum favorisierten Web Based Training – lassen Sie sich von Ihren Lernenden erzählen, was sie zum Lernen motiviert. So erhalten Sie auf einfache Art und Weise und zielgruppenorientiert Best practice-Beispiele der digitalen Aus- und Weiterbildung.

Ein Trainingsplan kann nicht nur das passende Setting liefern, sondern auch Lerninhalte in eine logische Abfolge bringen

Ambitionierte Lernkulturen können natürlich noch weiter gehen. Foren, Wikis oder Lerntagebücher sind einfache Mittel, Ihre Mitarbeiter direkt Inhalte erstellen zu lassen. Aber User-generated content 2.0 kann noch viel mehr bedeuten. Wie wäre es zum Beispiel mit einem Kreativ-Workshop, indem Ihre Autoren mit einigen aktiven Nutzern gemeinsam praxisnahe Lerninhalte ausarbeiten? Oder gleich ganze Workshop-Tage, an denen Ihre erfahrenen Mitarbeiter als User komplett eigene Lerninhalte für neuere Kollegen erstellen? Stoßen Sie die Tür für User-generated content 2.0 auf und erfahren Sie, was eine funktionierende Lernkultur ausmacht. Ganz einfach, indem Sie Ihre Lerner fragen.

Ein Blog-Beitrag von Hendrik Lüken

 


Siehe dazu auch:

C. Wyrwoll: Social Media. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014.

Lee, McLoughlin: Teaching in the Web 2.0 Era. Online verfügbar unter: http://itdl.org/Journal/Oct_07/article02.htm

Bildquellen:

Unsplash, CC0 License: https://unsplash.com/photos/lqdrW2O-GKA

Pixabay, CC0 License: https://www.pexels.com/photo/blur-business-close-up-composition-269451/

Teil 1:  User-generated content 2.0 – Wenn Lernende das Lernen gestalten

Was E-Learning vom Social Media lernen kann

Web 2.0 kennen Sie, richtig? Das Schlagwort, das insbesondere die Interaktivität des Internets und seiner Nutzer hervorhebt. Und eigentlich schon wieder ein alter Hut ist. Und dasselbe gilt ebenso für viele damit verbundene Begriffe wie den User-generated content, von Webnutzern erstellte und veröffentlichte Inhalte. Für die meisten von uns ist es eben schon alltäglich, in Social Media und Co. Inhalte von anderen Nutzern zu konsumieren, zu teilen oder auch selbst welche zu erstellen. Aber wenn das Thema doch schon längst Alltag ist, warum kommen wir jetzt nochmal damit um die Ecke?

E-Learning kann vom Web noch viel lernen

Der Grund dafür ist ganz einfach: Denn bei der digitalen Aus- und Weiterbildung in Unternehmen ist User-generated content bisher nicht so alltäglich wie in vielen anderen Bereichen unseres Alltags. Während User auf YouTube, Instagram und Co. tagtäglich neue Inhalte zu unseren Hobbies und Interessen liefern, sieht das im eLearning anders aus. Und wir wollen betrachten, warum das so ist.

Do-it-yourself-Videos helfen u.a. Hobby Heimwerkern und sind ebenfalls User-generated content

Nur eines von vielen Beispielen für User-generated content: Do-it-yourself-Videos für Heimwerker

Was tun Sie zum Beispiel, wenn Sie ein neues Rezept, Heimwerkertipps oder ein Tutorial für irgendein anderes Problem aus dem Alltag benötigen? Richtig, Sie gehen ins Netz. Dort gibt es immer einen User, der schon dieselbe Frage hatte oder eine passende Lösung parat hat. Und durch YouTube-Videos, Internetforen oder Wikis war es nie leichter, Wissen und Inhalte zu finden, selbst zu erstellen und zu verbreiten.

Dabei könnte eLearning aber stark von Nutzerinhalten profitieren. So würde sich für Lernkulturen in Unternehmen zum Beispiel die Anzahl potenzieller Autoren stark erhöhen. Außerdem würden die Nutzer besser in die Lernkultur integriert und die theoretischen Inhalte von eLearnings würden einen stärkeren Bezug zur Praxis bekommen. Ganz so einfach ist es in Unternehmen bisher aber nicht. Hier gibt es meist feste Abteilungen, die Arbeitsanweisungen, Trainings und Lernplattformen erstellen und pflegen. Aus diesen kommen dann auch die Inhalte der E-Learnings. Oder es werden gleich Standardinhalte von externen Anbietern bezogen. User-generated content zu konsumieren ist für uns privat also alltäglich, bei der Arbeit aber häufig ein Fremdwort. Warum aber ist das so?

Passt User-generated Content zu Unternehmen?

Die Gründe für diese Diskrepanz sind vielfältig. Ein Hauptfaktor mag die starke Bindung von User-generated content zu Social Media sein. Faktoren wie Reichweite, Follower, Zielgruppen oder auch Likes spielen hier eine enorme Rolle. Popularität und Reichweite von Inhalten werden durch diese kurz und leicht formuliert. Hinzu kommt, dass Social Media sich durch eine hohe Aktualitäts-Relevanz auszeichnet, Stichwort Newsfeed. Was gestern in aller Munde war, interessiert morgen niemanden mehr.

Meinung per Klick

Likes und Co. werden auch als one-click-opinions, also als Meinungsäußerung per einfachem Klick bezeichnet.

Lernkulturen und -Inhalte in Unternehmen hingegen beanspruchen häufig viel Zeit in der Erstellung, Pflege und Kommunikation. Entscheidungen oder Inhalte müssen meist mehrere Arbeits- und Entscheidungsprozesse oder auch Abteilungen durchlaufen. Lerninhalte in Unternehmen brauchen (und nehmen sich) so einfach deutlich mehr Zeit, als der tagesaktuelle User-generated Content aus dem Netz.

Dadurch haben Sie es aber auch schwerer, die regelmäßige Aufmerksamkeit des Nutzers zu erlangen. Ein weiterer Unterschied: Die Macher hinter User generated Content sind Einzelpersonen und Fans einer bestimmten Sache oder Person. Sie haben eine emotionale Bindung zu Ihren Inhalten und Themen. Dass das nicht für jeden Arbeitnehmer und seine Arbeit gilt, leuchtet ein. Der Arbeitsalltag weckt nicht so einfach die Motivation der Nutzer wie es Inhalte zu Hobbies, aktuellen Themen oder die berühmt-berüchtigten Katzenvideos tun. Ja, auch das ist User-generated Content.

E-Learning und User-generated content – kann das funktionieren?

Wie bringe ich User-Content und E-Learning zusammen. Das schauen wir uns bald im zweiten Teil an.

In Unternehmen klicken Lernende sich oft durch alljährliche Schulungen zu Standardthemen wie Daten- oder Brandschutz, die immer wieder dieselben Inhalte aufrollen. Und auch wenn durchaus auch spannende Kurse und aktuelle Themen in Unternehmen per E-Learning vermittelt werden: Die Lernenden bleiben klassischer Konsument. Sie nehmen nur selten Einfluss darauf, wie Lernkulturen- und Inhalte aussehen. Viele Charakteristika des User-generated content scheinen zudem erstmal nicht zu Lernumgebungen in Unternehmen zu passen.

E-Learning in Unternehmen kann hier also noch viel von modernen Netz-Communities lernen. Ein Alarm-Signal? Und was ist jetzt eigentlich User-generated content 2.0? Das erfahren Sie im zweiten Teil unseres Artikels, in Kürze hier auf avendoo.de.

Ein Blog-Beitrag von Hendrik Lüken

 


Siehe dazu auch:

C. Wyrwoll: Social Media. Springer Fachmedien, Wiesbaden 2014.

Lee, McLoughlin: Teaching in the Web 2.0 Era. Online verfügbar unter: http://itdl.org/Journal/Oct_07/article02.htm

Bildquellen:

Unsplash, CC0 License: https://unsplash.com/photos/lqdrW2O-GKA

Pixabay, CC0 License: https://www.pexels.com/photo/blur-business-close-up-composition-269451/

 

Working Out Loud

Wäre es nicht schön, wenn man bei der Arbeit nicht nur seinen Job macht, sondern dabei auch gleich die eigenen Kollegen weiterbringt? Und diese wiederum dasselbe für mich tun ? Dabei dann auch noch glücklicher mit seiner eigenen Tätigkeit zu sein klingt fast zu gut um wahr zu sein. Trotzdem möchte die kollaborative Methode „Working Out Loud“ genau das möglich machen.

Aber fangen wir von vorne mit der Grundidee von Working Out Loud, kurz WOL an. Denn die Methode für den gemeinschaftlichen Austausch und kollaboratives Arbeiten ist ursprünglich aus der Beobachtung von Problemen in Unternehmen und der Idee eines Mannes entsprungen.

Glücklicher Arbeiten mit Prinzip

Die Idee zu WOL kam John Stepper, unter anderem Gründer des Unternehmens Ikigai Press und Autor des Buches „Working Out Loud“. Er hatte als Angestellter selbst erfahren, wie Mitarbeiter durch starre Strukturen und mangelnden Austausch unzufrieden und dadurch auch unproduktiv wurden. Stepper beschäftigte sich aktiv mit diesem Problem, den Ursachen und auch Lösungsansätzen. Daraus erwuchs die Idee zu Working Out Loud. In seinem gleichnamigen Buch beschreibt Stepper, wie die Methode Unternehmensprozesse und allem voran die individuellen Mitarbeiter/Innen unterstützt, Hürden abzubauen und Wissen zu teilen.

Doch wie funktioniert diese vermeintliche „Wundermethode“ konkret? Um dies deutlich zu machen, hat Stepper fünf Grundprinzipien von WOL aufgestellt:

  • Relationships – Beziehungen aufbauen

    Eines der fünf Prinzipien von WOL: Wissen sichtbar machen

    Eines der fünf Prinzipien: Wissen sichtbar machen

  • Generosity – Großzügigkeit zeigen
  • Visible Work – Arbeit sichtbar machen
  • Purposeful Discovery – zielgerichtetes Arbeiten
  • Growth Mindset – Wachstum anstreben

Diese Prinzipien definieren WOL und stellen eine Art Handlungsrichtlinie dar. Außerdem gilt es, sich im Rahmen von WOL zu verdeutlichen, was die eigenen Ziele sind, welche Personen mit diesen im Zusammenhang stehen könnten und was man selbst anderen Personen bieten kann.

Wer die Methode bisher nicht kannte, weiß nun wahrscheinlich aber immer noch nicht, wie sie in der Praxis aussehen kann. Aus eben diesem Grund wird sie im Internet über offene Plattformen und Communities unterstützt. Als Guideline für WOL wurden zudem die sogenannten „Working Out Loud Circles“ geschaffen.

Zwölf-Wochen-Fitnessplan – die WOL Circles

Die Working Out Loud Circles nehmen Mitarbeiter und Unternehmen an die Hand und führen diese sicher in die Methode ein. Die Circles, deren Guide es neben einer englischen Version auch auf Deutsch gibt, fassen WOL in ein 12-wöchiges Programm mit regelmäßigen Meetings. Diese dauern ca. 60 Minuten und finden wöchentlich statt. Dieses Programm durchlaufen wiederum Gruppen von fünf Mitarbeitern. Jeder einzelne soll so mehr über das eigene Arbeiten erfahren und dieses Wissen auch gleich weitervermittelt. Gleichzeitig fließt so ein strukturierter Lernprozess in die Unternehmensabläufe ein.

Working Out Loud ist auch ein spannendes Element mit Blick auf Lernkulturen und kann diese sinnvoll ergänzen!

Die sogenannten Circles helfen dabei, die Meetings zu strukturieren und sind vor allem zu Beginn wichtig, um sich besser in die Methode einzufinden. Das Thema ist dabei frei wählbar. Die Teilnehmer können sich sowohl mit privaten als auch mit beruflichen Dingen befassen. Darum ist die Methode auch für interne Lernprozesse interessant. Durch den Austausch lernen die Mitarbeiter zum Beispiel, bewusster mit der eigenen Tätigkeit, Motivation und Beziehungen umzugehen. Da die Themenwahl bei WOL aber sehr frei abläuft, ist es für die Methode eher untypisch, dass Unternehmen die Themen vorschreiben. Daher müssen diese sich vorher verdeutlichen, wie viele Freiheiten und Arbeitszeit man den eigenen Mitarbeitern und der Methode gewähren möchte.

Das Mittel für motivierte Mitarbeiter?

Eine wirkliche Wundermethode will Working Out Loud dabei gar nicht sein. Viel mehr soll sie den individuellen Menschen unterstützen und ihn in seinem Schaffen glücklicher zu machen. Unternehmen und bestehende Strukturen sollen davon ebenso profitieren. Die Kommunikation zwischen Mitarbeitern und der Austausch von Wissen soll besser strukturiert und zeitgleich intensiviert werden. Die positiven Effekte der Methode entstehen daher auch nicht durch unmittelbare Produktivitätssteigerung, sondern durch die „Nebeneffekte“ der regelmäßigen Zusammenarbeit und die Selbstreflexion. Das zeigt allein schon der Titel des zwölften Punktes

Fünf Menschen braucht es für Working Out Loud

Fünf Menschen. Viel mehr braucht es nicht für „WOL“.

des Circle Guides: „Reflektiere und feiere“. Aber ist die Methode wirklich so wirkungsvoll, wie sie im Internet präsentiert wird? Und lohnt es sich, sie in die eigene Lernkultur zu integrieren?

Working Out Loud auch für meine Lernkultur?

Diese Fragen scheinen kaum allgemein zu beantworten, da der wahrgenommene Erfolg vor allem vom einzelnen Teilnehmer abhängt. Wie sehr Unternehmen von den Effekten von WOL profitieren, ist noch schwerer zu beantworten. Vertrauen in die Methode kommt aber gerade in Deutschland von mehreren hochrangigen Unternehmen: Zur deutschen Working Out Loud – Community zählen nämlich Namen wie Audi, die Deutsche Bank, Daimler oder bereits seit der Anfangszeit der Methode auch Bosch.

Ob WOL auch für Ihr Unternehmen in Frage kommt, können und wollen wir Ihnen hier nicht pauschal beantworten. Dass der regelmäßige Austausch von Wissen aber positive Effekte auf Unternehmens- und eben auch Lernkulturen hat, ist eindeutig. Darum setzt auch Avendoo® auf Community-Tools und ein umfangreiches Blended Learning und Veranstaltungsmanagement: Denn auch Ihre Lernerfolge können über die Kollaboration und den Austausch in Gruppen einen deutlichen Schub erhalten. Diese Elemente sollten also in keiner Lernkultur fehlen!

Konnten wir Sie gespannt machen oder wollen Sie sogar Ihren eigenen Working Out Loud – Circle ausprobieren? Dann legen Sie doch einfach eine Veranstaltung in Avendoo® an, bringen vier Ihrer Kollegen in Ihrer Community zusammen, schnappen sich einen WOL Circle Guide und starten durch. Viel Spaß dabei!

Ein Blogbeitrag von Hendrik Lüken

Sie wollen mehr zu Kollaboration lesen? Dann schauen Sie doch mal HIER oder stöbern im Avendoo® Blog.

 

Quellen zu Working Out Loud:

The 5 Elements of Working Out Loud (Revisited): http://workingoutloud.com/blog/the-5-elements-of-working-out-loud-revisited

Circle Guides zu Working Out Loud: http://workingoutloud.com/circle-guides

Englische Seite zu Working Out Loud: http://workingoutloud.com/

Deutsche Seite zu Working Out Loud: http://workingoutloud.de/

 

10 Tipps für die erfolgreiche Einführung von E-Learning

Einführung von E-Learning - 10 Tipps

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Von der Strategie zur Implementierung

Ist die Entscheidung gefallen, die bisherige Personalentwicklung durch E-Learning zu ergänzen, so stellt sich nicht mehr nur die Frage nach dem „Warum sollten wir E-Learning machen?“. Vielmehr geht es nun auch darum, wie E-Learning konkret umgesetzt werden kann, wie Schulungsmaßnahmen erfolgreich werden und welches die beste Vorgehensweise bei der Einführung ist.  Basierend auf unserer Erfahrung haben wir Ihnen daher 10 Tipps aufgelistet, die Ihnen dabei helfen sollen, E-Learning erfolgreich im Unternehmen einzuführen:

  1. Bedarfsanalyse durchführen

    Bevor es losgehen kann, empfehlen wir Ihnen eine ausführliche Bedarfsanalyse. Diese Analyse umfasst verschiedenste Aspekte, die Auswirkungen auf das Lernen in Ihrem Unternehmen haben – oder haben werden. Klären Sie also zum Beispiel, welche technischen und personellen Anforderungen auf Sie zukommen und wer welche Rolle im Lernprozess übernehmen wird. Notieren Sie auch, welche Ziele Sie mit dem Einsatz von E-Learning erreichen wollen, um alle späteren Entscheidungen auf dieses Ziel hin überprüfen zu können. Ein weiterer Aspekt sind die Schulungsinhalte: Welche Inhalte sollen für welche Mitarbeiter(-gruppen) vermittelt werden? Sind dafür schon Unterlagen vorhanden oder müssen diese noch – extern oder intern – erstellt werden?

  2. E-Learning Strategie formulieren

    Sind Ihnen alle Parameter für die Einführung von E-Learning bekannt, gilt es eine umfassende Strategie zu formulieren. Auch hier finden Sie wieder die Ziele, die Sie mit dem Einsatz von E-Learning erreichen wollen. Die Strategie geht aber noch einen Schritt weiter und legt zum Beispiel auch die konkreten Maßnahmen fest, die es nun abzuarbeiten gilt. Das reicht von Maßnahmen, um E-Learning im Unternehmen bekannt (und idealerweise beliebt) zu machen über die einzelnen Schritte der Einführung. Die Formulierung einer Strategie ist wichtig, denn sie hilft allen Beteiligten „an einem Strang zu ziehen“ und sich an den gleichen Zielen zu orientieren.

  3. Für ausreichend Kommunikation zwischen allen Beteiligten sorgen

    E-Learning zu implementieren bedeutet keinesfalls nur ein geeignetes Werkzeug oder eine Software zu finden. Es bedarf schon weitaus mehr: z.B. müssen bisherige Prozesse verändert und optimiert werden und ausreichend personelle Ressourcen zur Verfügung stehen. Dass Abstimmung und Kommunikation dabei nicht zur kurz kommen dürfen, versteht sich daher von selbst – genauso wie die Tatsache, dass Sie mit Gegenwind rechnen müssen. Stellen Sie die Idee und die Zielsetzung von E-Learning daher früh genug allen Beteiligten und Verantwortlichen vor, denn ohne das Engagement der Unternehmensleitung kann die Einführung von E-Learning und damit der Wandel zum digitalen Lernen nicht gelingen. Gerade die Unternehmensleitung muss die Digitalisierung und das Vorhaben „E-Learning“ unterstützen und die Veränderungen notfalls auch einfordern.

  4. Ängste und Kritik ernst nehmen

    Veränderung ist nicht für jeden etwas Positives, daher wird auch die Einführung von E-Learning nicht ohne Komplikationen stattfinden. Sie können aber dafür sorgen, diese möglichst klein zu halten. Notieren Sie sich daher z.B. in den Gesprächen, die Sie mit verschiedensten Kollegen, Vorgesetzten etc. führen, die Kritikpunkte und Befürchtungen. Prüfen Sie diese anschließend und nehmen Sie sie mit in Ihre Strategie. Dadurch wird die Einführung automatisch als Gemeinschafts-Projekt und nicht als klassische Top-Down-Maßnahme angesehen. Bieten Sie beispielsweise auch die Möglichkeit, Testkurse zu bearbeiten, um die Art der Wissensvermittlung kennenlernen zu können und um sich in der Software zurecht zu finden. Starten Sie erst dann mit den wirklichen Schulungsmaßnahmen. So steuern Sie Bearbeitungsängsten entgegen und sorgen im gesamten Unternehmen für mehr Akzeptanz.

  5. Trainer und Ausbildungsverantwortliche berücksichtigen

    Gerade für die Trainer und Ausbildungsverantwortlichen ist das Thema E-Learning anfangs eine Herausforderung, denn ihre Rolle als Lehrender oder Lernbegleiter verändert sich durch den Einsatz von digitalen Lerninhalten und zeit- und ortsunabhängigen Lernprozessen enorm. Es gilt, die Chancen und neuen Möglichkeiten, die diese Art der Wissensvermittlung bietet, zu kommunizieren und gleichzeitig ein offenes Ohr für die Anforderungen der Trainer an das Lernen zu haben. Idealerweise ist einer der verantwortlichen Ausbilder von Anfang an bei der Bedarfsanalyse und Evaluation einer E-Learning Software dabei.

  6. Interne Marketing-Maßnahmen durchführen

    Ein Teil Ihrer E-Learning Strategie sollte es sein, zu kommunizieren, dass E-Learning nun ein Bereich der Aus- und Weiterbildung in Ihrem Unternehmen ist – und das auf möglichst präsente Art und Weise. Führen Sie z.B. eine interne Veranstaltung durch, bei der die neue Strategie und die E-Learning Software vorgestellt wird oder bieten Sie Webinare zum Thema „Digitales Lernen“ an. Nutzen Sie alle verfügbaren Marketing-Kanäle (Intranet, Mitarbeiterzeitung etc.), um über die Vorteile und die neue Strategie zu informieren. Sorgen Sie dafür, dass E-Learning positiv in Ihrem Unternehmen wahrgenommen wird, indem Sie z.B. auf die zuvor ermittelten Ängste eingehen und diese wahrheitsgemäß widerlegen.

  7. Pilot-Projekt durchführen und sukzessiver Ausbau

    In vielen Unternehmen hat sich gezeigt, dass der Start mit E-Learning oft einfacher ist, wenn es ein erstes Pilot-Projekt, also einen Testdurchlauf, gibt. Mit Hilfe einer ersten Lernergruppe können die einzelnen Prozesse durchlaufen und direkt optimiert werden, ohne große Unruhe in das gesamte Unternehmen zu bringen. Oftmals stellt sich während dieses Testdurchlaufs heraus, dass die Lernwege der Lerner und die des Autors der Lerneinheit unterschiedlich sind, da sie andere Vorkenntnisse haben. Inhalte und Aktionen, die für den Autor selbstverständlich sind, können bei dem Lerner Fragen aufwerfen. Das Pilot-Projekt dient daher vor allem dazu, alle möglichen Stolpersteine zu identifizieren und auszubessern, bevor das System tatsächlich live geht.

  8. Motivation erzeugen und halten

    „Warum soll ich jetzt auch noch E-Learning machen? Und was bringen mir diese ganzen Schulungen überhaupt?“ Fragen, die Ihnen sicher im Laufe der Zeit begegnen werden. Schaffen Sie daher nicht nur während des Lernprozesses Motivation (z.B. durch Inhalte, die sich an der Praxis orientieren und für die Zielgruppe einen Mehrwert bieten), sorgen Sie auch außerhalb der Schulungsmaßnahmen für Anreize, sich aktiv an den E-Learning Schulungen zu beteiligen. Motivieren Sie Ihre Mitarbeiter z.B. in Form eines Gewinnspiels: Der Mitarbeiter, der in einem bestimmten Zeitraum einen Wissenstest am erfolgreichsten bearbeitet, erhält einen Gutschein oder eine besondere Aufmerksamkeit. Ihrer Kreativität sind an dieser Stelle keine Grenzen gesetzt.

  1. Lernen als Prozess verstehen – Lernkultur etablieren und fördern

    Erst wenn alle Beteiligten die Aus- und Weiterbildung mittels E-Learning als Bereicherung ansehen und die Lerninhalte aktiv für die Lösung ihrer Probleme im Arbeitsalltag nutzen, wird E-Learning als ein selbstverständlicher Bestandteil des Unternehmensalltags akzeptiert und der gewünschten Erfolg stellt sich ein. Daher gehört es auch schon bei der Einführung von E-Learning dazu, die vorhandene Lernkultur zu kennen und zu fördern. Fragen wie „Welchen Einfluss haben die Mitarbeiter, das Unternehmen, die Trainer und die eingesetzte Software auf das Lernen im Unternehmen?“ und „Welche Maßnahmen müssen ergriffen werden, damit das Lernen im Unternehmen als Bereicherung angesehen wird?“ sollten in diesem Zusammenhang diskutiert werden.

  2. Bildungscontrolling durchführen

    „Es ist noch kein Meister vom Himmel gefallen“ – und das gilt auch für die Einführung von E-Learning. Was für das eine Unternehmen eine erfolgsversprechende Strategie darstellt, kann in einem anderen Unternehmen für Lernfrust statt -lust sorgen. Daher ist ständiges Feedback und die Evaluation der einzelnen Maßnahmen notwendig. Hinterfragen Sie Ihre Prozesse und Lernwege und seien Sie offen für neue Ideen und Vorschläge zur Verbesserung. Lernen ist und bleibt ein Prozess, der täglich weiterentwickelt wird.

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Siehe dazu auch:

Was zeichnet guten E-Learning Content aus? Teil 2

Guter E-Learning Content, Lerninhalte

© karsten madsen – pexels

Im ersten Teil dieser Serie haben wir Ihnen gezeigt, worauf Sie bei der Produktion von Lerninhalten achten sollten, damit Sie guten E-Learning Content erstellen. Neben einer ausführlichen Analyse der Zielgruppe, kommt es unserer Meinung nach auch auf eine klare Zielsetzung und den Gesamtkontext der Schulung an, denn ein einmaliges Erstellen und Durchführen eines E-Learnings wird nicht zum gewünschten Lernerfolg führen. Außerdem sollten Ihre Inhalte nicht nur inhaltlich und sprachlich fehlerfrei sein, sondern auch aktuell und authentisch. Dass diese Faktoren allein aber noch nicht ausreichen, um guten E-Learning Content zu erstellen, sollte klar sein. Daher geht es nun um die Lernmotivation, die Interaktion mit dem Lerner und nachhaltiges Bildungscontrolling.

Lerner zum Lernen motivieren

Lerninhalte, die vom Lerner nur durchgeklickt werden und keinerlei Reaktion oder „Mitdenken“ erfordern, sind auf Dauer alles andere als zielführend. Denn nur wer motiviert und begeistert bei der Sache ist, wird mit Lernerfolg belohnt. Aus diesem Grund animiert guter E-Learning Content den Lerner zum Lernen und motiviert ihn während des gesamten Lernprozesses. Wichtige Voraussetzung dafür ist natürlich, dass der Lerner aus einer intrinsischen Motivation heraus lernt, also aus dem Inneren heraus, weil das Thema interessant ist. Gute Lerninhalte schaffen daher einen Mehrwert für den Lerner und haben einen Praxisbezug.

Da eine intrinsische Motivation aber nicht bei jeder Schulungsmaßnahme möglich ist – Beispiel Arbeitssicherheit – gilt es in solchen Fällen die Lernmotivation mit anderen Anreizen zu erzeugen. Mit Hilfe von Gamification-Elementen wie Ranglisten für Wissenstests zum Beispiel. Durch den Wettbewerb entsteht ein zusätzlicher Ansporn zu lernen und die Inhalte besser zu bearbeiten als die Kollegen. Im Blog-Beitrag „Learning Hacks für die Lernmotivation“ haben wir weitere Möglichkeiten zusammengestellt, die die Lernmotivation steigern können.

Lernumgebung, Lehrmethode und Darstellungsform müssen passen

Guter E-Learning Content zeichnet sich nach unserem Verständnis aber auch dadurch aus, dass er z.B. in der richtigen Lernumgebung vermittelt wird und die eingesetzte Lehrmethode zum Unternehmen, zur Lernkultur und zum Thema passt.

Stellen Sie sich anfangs auch die Frage, was für Inhalte Sie vermitteln möchten bzw. was der Lerner am Ende der Schulung tatsächlich können oder wissen sollte. Legen Sie also erst konkrete Lernziele fest, dann die einzelnen Inhalte und erst danach Darstellungsform. Guter E-Learning Content unterstützt die zu vermittelnden Inhalte mit der passenden Darstellungsform („Durch welche Darstellungen und Lernbausteine kann ich das Lernziel vermitteln?“)

Bei der Darstellungsform bevorzugen wir von Avendoo® das „Erlebe-dein-Wissen Prinzip“ und setzen daher auf Interaktion und Abwechslung bei der Wissensvermittlung. Angepasst an die Zielgruppe wird die passende didaktische Methode ausgewählt – das kann z.B. in explorative Lernerlebnisse, stärker geführte Lernwege oder auch problem- oder fallbasierte Konzepte münden.

Nutzen Sie Grafiken, Texte, Videos oder einen Sprecher, um die Inhalte spannend zu gestalten und um die nötige Aufmerksamkeit beim Lerner zu erzeugen. Halten Sie ihn bei der Stange, indem Sie an geeigneten Stellen durch einen Effekt einen Akzent setzen und bieten Sie ihm z.B. die Möglichkeit, die Inhalte selber zu erkunden und zu erleben. Stellen Sie beispielsweise immer mal wieder zwischendurch einzelne Wissensfragen statt dem berühmt berüchtigten großen Abschlusstest. Eine Wissensabfrage muss auch nicht immer eine klassische Frage sein, auch ein Vorgang in einem System kann z.B. für den Lerner interaktiv nachgestellt werden. So erhöhen Sie zusätzlich den Praxisbezug, da der Lerner nicht nur theoretisch neues Wissen erlangt, sondern es auch gleich praktisch anwenden kann.

Vor der Schulung ist nach der Schulung: Effizientes Bildungscontrolling

Sie haben eine Schulung erstellt und sind der Meinung, dass es sich um eine gute Schulung handelt. Ob das aber wirklich so ist, erfahren Sie nur durch Feedback der Teilnehmer. Nutzen Sie diese Chance, um Ihren E-Learning Content weiter zu verbessern und um Ihre Mitarbeiter in den Lernprozess mit einzubinden (Tipp: das schafft wieder zusätzliche Motivation die Inhalte zu bearbeiten). Mit Hilfe von Kollaborationswerkzeugen können Sie z.B. dafür sorgen, dass sich die Lerner aktiv an den Inhalten der Schulung beteiligen und die Schulungsmaßnahme somit nicht nur einmalig bearbeitet wird, sondern sich zu einem dauerhaften Projekt entwickelt. Für eine weniger aktive Zielgruppe geben die Auswertungsmöglichkeiten von Learning Analytics Hinweise auf die Qualität der Schulung und ggf. vorhandene Stolpersteine.

Mit Strategie und Ausdauer zum Ziel

Es ist nicht leicht, von jetzt auf gleich guten E-Learning Content zu erstellen, denn jedes Unternehmen, jede Schulung und jede Zielgruppe ist anders. Darum kann man auch nicht pauschal sagen „Das ist guter E-Learning Content“ und „Das ist kein guter E-Learning Content“. Fakt ist aber, dass gute Lerninhalte oft mehr sind als eine Präsenzveranstaltung 1:1 auf PowerPoint Folien. Neben einer Lernstrategie, einem durchdachten Konzept und den praxisrelevanten Inhalten beruht guter E-Learning Content vor allem auf einer sorgfältigen Analyse und Planung – und mediendidaktischem Fachwissen.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


 

Neue Wege im E-Learning? Kollaborationswerkzeuge für vernetztes Lernen

Lernprozesse im Wandel – Arbeiten 4.0

Kollaborationswerkzeuge im E-Learning - Vernetztes Lernen, Arbeiten 4.0

© marfis75

Lernen, so wie es heute in vielen Unternehmen in Form von Präsenztrainings stattfindet, wird mehr und mehr durch das digitale Lernen erweitert. In den Fokus von betrieblicher Weiterbildung rückt aber zusätzlich auch der Lerner selbst: Seine Lernbedürfnisse. Seine Anforderungen. Seine Lernumgebung. Lernen findet nicht mehr zu festen Uhrzeiten oder an geplanten Terminen statt. Lernen ist ein tagtäglicher Prozess geworden, den es zu fördern gilt und für den die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Dass E-Learning die Aus- und Weiterbildung effizienter gestalten kann, ist bekannt. Mit neuen Formaten und Ideen kann E-Learning aber z.B. auch um Diskussions- und Austauschprozesse erweitert werden, so dass die Lerner ihren Lernprozess selber mitgestalten können und aktiv Einfluss auf Ihre Wissenserweiterung nehmen.

E-Learning mit Kollaborationswerkzeugen aufbauen

Der kanadische Bildungsexperte Stephan Downes fragte schon 2005 »What happens when online learning ceases to be like a medium, and becomes more like a platform? What happens when online learning software ceases to be a type of content-consumption tool, where learning is ›delivered‹, and becomes more like a content-authoring tool, where learning is created? The model of e-learning as being a type of content, produced by publishers, organized and structured into courses, and consumed by students, is turned on its head. Insofar as there is content, it is used rather than read – and is, in any case, more likely to be produced by students than courseware authors. And insofar as there is structure, it is more likely to resemble a language or a conversation rather than a book or a manual.«. Greift man den Gedanken von Downes auf, so stellt sich die Frage nach den geeigneten Lernkonzepten und Werkzeugen, mit denen ein solcher Lernprozess umgesetzt und gestaltet werden kann.

Learning Communities und Social Intranets

Facebook, Twitter, XING – soziale Netzwerke kommen häufig vor allem im Privatleben zum Einsatz, aber die Funktionen können auch im Unternehmenskontexte verwendet werden. Avendoo® kombiniert z.B. die Learning Community und das Social Intranet. Der Newsstream auf der Startseite zeigt den Lernern alle aktuellen Neuigkeiten: Seien es Kurzmeldungen der Kollegen oder Systemnachrichten, die über neue Lerninhalte informieren. In der Community können sich alle Lerner miteinander austauschen und sich vernetzen (Die neue Avendoo® Community). In der Kurs-Community hingegen findet Kommunikation und Erfahrungsaustausch nur unter den Lernern statt, die einen bestimmten Kurs bearbeitet haben. Weitere Variante: Community Gruppen. Fassen Sie beispielsweise die Auszubildenden aller Standorte in einer Gruppe zusammen – so wächst die Identifikation mit dem Unternehmen, Ihre Lerner blicken über den Tellerrand hinaus und lernen gleichzeitig weitere Mitarbeiter kennen.

Da die Austauschprozesse in Learning Communities aber nur selten spontan stattfinden, sollten Sie über einen „Community Manager“ nachdenken, der als Moderator und „Eisbrecher“ fungiert. Außerdem sollten Sie die Community vor dem Start bereits mit Leben füllen, denn so verringern Sie die Einstiegshürde für Ihre Lerner und nehmen Ihnen die anfängliche Skepsis.

Mit Blog-Paraden für dynamische Kommunikation sorgen

Eine andere Möglichkeit, Ihre Lerner zum gemeinsamen Lernen zu ermutigen und den Erfahrungsaustusch voran zu treiben, sind Blogs und Foren. Kennen Sie „Blog Paraden“? Dabei legt ein Blog-Betreiber ein bestimmtes Thema fest und fordert alle Leser dazu auf, einen Artikel zu dem Thema zu veröffentlichen. Nach Ablauf des vorgegebenen Zeitraums werden die eingereichten Artikel kommentiert, zusammengefasst oder prämiert.

Umgemünzt auf die betriebliche Aus- und Weiterbildung könnte ein Lernprozess dann z.B. sein, sich in einem festgelegten Zeitraum mit dem Thema „Datenschutz“ auseinanderzusetzen und über die verschiedensten Aspekte zu bloggen. Dabei geht es nicht darum, wer wie viele Beiträge erstellt oder wer wie gut welche Quelle findet, sondern darum, dass eine aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten und den Gesamtzusammenhang entsteht. Dadurch, dass die Lerner die Blogs und Beiträge von den anderen Kursteilnehmern sehen können, erhalten sie wieder neuen Input für eigene Beiträge. Schließen Sie die Blogparade z.B., indem Sie die zentralen Ergebnisse aus den einzelnen Beiträgen zusammenfassen und allen Lernern zur Verfügung stellen. Und sollten Sie zusätzliche Motivation für die Teilnahme schaffen wollen, können Sie über Anreize nachdenken, die die Lerner zusätzlich aktivieren, sich an der Parade zu beteiligen. Das muss definitiv nicht immer ein monetärer Anreiz sein, auch kleine Dinge sorgen für Zufriedenheit. Senden Sie den „besten“ Lerner z.B. am folgenden Freitag einfach eine Stunde eher in das Wochenende.

Diese Art der Weiterbildung ist sehr konträr zum jetzigen Standard, denn sie ist geprägt von dynamischer Kommunikation. Daher dienen Kollaborationswerkzeuge aktuell auch noch eher als zusätzlicher Baustein zur Schulung. In Zukunft können sich daraus aber auch eigenständige, asynchrone Schulungssituationen ergeben. Da es für informelle Lernprozesse keine fassbare Qualifikation ergibt, ist diese Art der Wissensvermittlung ganz sicher nicht für alle Zielgruppen geeignet- trotzdem sorgt sie für Abwechslung im Lernprozess und zeugt von einer anderen, zeitgemäßeren Herangehensweise an das Thema „Lernen und Arbeiten im Unternehmen“ (Informelles Lernen: Hype oder Zukunft?)

Informelles Lernen braucht Vertrauen

Mitarbeiter sind das größte Potenzial eines Unternehmens und sie halten oft mehr Wissen inne als Ihnen bewusst ist. Durch Kollaborationswerkzeuge können Sie Synergien schaffen, so dass Wissensmanagement übergreifend gelingen kann. Aber: Diese Kultur muss auch gelebt werden und die daraus resultierende Veränderung muss gewollt sein, denn sonst verfehlt auch das beste Werkzeug das Ziel (Lernkultur: Lebenslanges Lernen als Chance)

Wissen zu fördern heißt auch Ängste vor Sanktionen abzubauen. Damit vernetztes Lernen anerkannt wird, sollten vor allem Führungskräfte als Vorbilder agieren und sich als Vorreiter sehen. Veränderungen, die das digitale Lernen mit sich bringt, sollten nicht „von oben herab“ eingeführt werden, sie müssen von innen heraus gelebt werden. Und: Veränderung heißt auch Risiko. Die Digitalisierung stellt alles und jeden auf den Prüfstand, Sätze wie „aber das haben wir doch immer so gemacht“ sind nicht länger gültig. Und: Zum Verändern gehört auch das Scheitern. Nicht jeder Ansatz und nicht jede Idee wird zum gewünschten Ergebnis führen – daher müssen die Prozesse und die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen immer wieder aufs Neue geprüft und ggf. korrigiert werden. Change Management und Agilität sind dabei das Zauberwort, um die fast täglich wachsende Komplexität in Unternehmensprozessen abbilden zu können. Und genau an dieser Stelle greifen kollaborative Lernprozesse.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Weblinks:

 

Lernkultur: Lebenslanges Lernen als Chance

Lernkultur im Unternehmen, Lebenslanges Lernen als Chance sehen

© Viktor Hanacek

Lernkultur im Unternehmen etablieren und fördern

Damit ein Unternehmen langfristig erfolgreich ist und seine Innovationskraft auch in der Zukunft behaupten kann, ist gut ausgebildetes und engagiertes Personal unabdingbar. „Die rasante Entwicklung der Technologie, der Wirtschaft und Kommunikation sorgt allerdings dafür, dass Mitarbeitende sich längst nicht mehr nur auf ihre schulische Ausbildung oder ihr Wissen aus dem Studium verlassen können. Vielmehr rückt das lebenslange Lernen für das Individuum und das Gesamtunternehmen immer mehr in den Mittelpunkt“. Organisationales Lernen kann z.B. in Form von E-Learning dafür sorgen, die nötigen Rahmenbedingungen zu schaffen, um Wissen zu organisieren und in den Arbeitsalltag zu integrieren –  doch häufig fehlt dafür die nötige Akzeptanz, da die Wichtigkeit des Lernens verkannt und bisher noch keine eigene Lernkultur im Unternehmen geschaffen wurde.

Lernkultur = Lernen und Lehren

Der Begriff „Lernkultur“ meint die Kultur des Lernen und Lehrens in einem Unternehmen. Sowohl das Unternehmen selbst, als auch die Mitarbeiter, die eingesetzten Technologien und die Trainer bzw. Ausbildungsverantwortlichen nehmen unserer Meinung nach darauf Einfluss und können diese aktiv gestalten. Ging es in der früheren Aus- und Weiterbildung oft darum, fachliche Kompetenzen zu vermitteln, so wird nun mehr und mehr das Vermitteln von übergreifenden Kompetenzen in den Vordergrund gerückt. Aus diesem Grund funktioniere die klassische Lehre nicht länger und ein Wandel der Lernkultur sei nötig (Quelle: http://www.die-bonn.de/doks/2005-lernkultur-01.pdf). Aber wie kann eine Lernkultur etabliert und verändert bzw. gestaltet werden?

In einer Studie, die 2013 gemeinsam von Wissenschaftlern des Instituts für Performance Management (IPM) der Leuphana Universität Lüneburg und dem Versandhandelsunternehmen OTTO erstellt wurde, findet sich darauf eine treffende Antwort: „Grundlage muss die Verankerung lern- und entwicklungsbezogener Aspekte innerhalb der Unternehmensphilosophie sein, die es zunächst zu formulieren gilt und die von den jeweiligen Führungskräften und nicht zuletzt auch von der Unternehmensführung vorgelebt werden müssen. Insgesamt sind Veränderungen und Anpassungen auf allen drei Ebenen des Unternehmens notwendig, um eine nachhaltige Lernkultur zu schaffen:

  • Normative Ebene: Formulierung von Werten und Normen sowie Konkretisierung von Erwartungen und Leitbild
  • Strategische Ebene: Schaffung und stetige Anpassung von organisationalen Rahmenbedingungen
  • Operative Ebene: Umsetzung in konkretes Handeln durch Individuen. Lebenslanges Lernen als Chance begreifen. Entscheidend für den Erfolg einer Lernkultur ist die Bereitschaft zur Veränderung. Sowohl Lernende als auch Lehrende müssen sich in neuen Rollen einfinden und neuen Formen des Lernens offen begegnen.“

Lernkultur im UnternehmenEinflussfaktoren auf die Lernkultur

Nach unserer Meinung gibt es vier entscheidende Einflussfaktoren auf die Lernkultur. Neben den Mitarbeitern und den Ausbildungsverantwortlichen, spielt auch das Unternehmen selbst sowie die eingesetzte(n) Technologie(n) eine wichtige Rolle. Nur wenn alle Faktoren gemeinsam auf Augenhöhe agieren, kann eine Veränderung der Lernkultur erreicht werden.

  1. Das Unternehmen

Das Unternehmen nimmt Einfluss auf die Lernkultur, indem es bestimmte Ziele verfolgt und vorgibt sowie über die Strategie entscheidet, nach der im Unternehmen gehandelt wird. Daher ist das Unternehmen selbst ein wichtiger Faktor, wenn es um das Thema Lernkultur geht. Der Schlüssel des Erfolgs liegt aber in der gemeinsamen Entwicklung, also in der bereichs- und hierarchieübergreifenden Zusammenarbeit. Die Weiterentwicklung zu einer vernetzten, lernenden Organisation ist ein gemeinsamer Prozess.

  1. Die Mitarbeiter

Jede/r Mitarbeiter/in stellt persönliche Anforderungen an das Thema „Lernen“, sei es z.B. die Lernumgebung, organisatorische Dinge oder Wünsche in Bezug auf die Lern-Inhalte. Diese Anforderungen und Wünsche gilt es evaluieren, zu berücksichtigen und zu integrieren. Haben die Mitarbeiter das Gefühl, man würde ihnen das Lernen aufzwingen, können die Inhalte und Lernbedingungen noch so gut sein, sie verfehlen das Ziel. Aus diesem Grund sollten auch die Mitarbeiter aktiv in den Prozess der Lernkulturentwicklung integriert werden. Fragen wie beispielsweise „Was zeichnet für Sie eine gelungene Schulung aus?“ können dabei helfen.

  1. Die Technologie

Der dritte Einflussfaktor heißt bewusst nur „Technologie“ und nicht Lernplattform oder ähnliches, denn es ist nicht entscheidend, welche Technologie zum Einsatz kommt. Es geht hierbei vielmehr darum, die Technologie an sich in das Unternehmen einzuführen, alle damit arbeitenden Personen mit ins Boot zu holen und dafür zu sorgen, dass die Technologie akzeptiert wird. Wie das aussehen könnte? Indem zum Beispiel vor der Anschaffung einer Technologie ein gemeinsamer Pflichtenkatalog erstellt wird, welche Anforderungen an die Technologie vorherrschen. Ebenso gilt es die Technologie im Unternehmen zu vermarkten und publik zu machen, so dass alle Mitarbeiter informiert sind. Eine transparente Kommunikation über die Möglichkeiten und Erwartungen in Bezug auf die Nutzung helfen, diesen Prozess erfolgreich zu gestalten.

  1. Die Trainer und Ausbildungsverantwortlichen

Diejenigen im Unternehmen, die für die konkrete Umsetzung der Aus- und Weiterbildung verantwortlich sind, nehmen natürlich auch Einfluss auf die Lernkultur. Durch zielgruppenspezifische Inhalte, welche die konkreten Bedarfe abdecken, leisten sie ihren Teil, die Lernkultur im Unternehmen zu entwickeln. Aber nicht nur die Inhalte, sondern auch die Methodik und Didaktik der einzelnen Schulungen, können zu einer Verbesserung führen und dafür sorgen, dass Lernen als gemeinsame Change begriffen wird.

 

Zusammengefasst kann daher gesagt werden, dass sich die Lernkultur im Unternehmen nur verändern kann, wenn alle Unternehmensbereiche gemeinsam agieren, um einen Wandel hervorzubringen. Die Debatte bzw. der Wunsch nach einer neuen und effektiveren Lernkultur haben nämlich auch „[…] eine provokative, kreative Funktion: Sie soll ein Nachdenken darüber anregen, ob das Gewohnte tatsächlich noch zeitgemäß ist, ob sich das Selbstverständliche tatsächlich von selber versteht, ob ungewöhnliche Lernorte ohne weiteres auch lernintensiv sind …“

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Weblinks: