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Lernen im Miniformat – Lernnuggets

Lernen im Miniformat - Lernnuggets

© Viktor Hanacek

Die kleinen Stücke vom Wissenskuchen

Was haben der gestresste Wissensmanager Thomas und seine 14 jährige Tochter Noel gemeinsam? Eine ziemlich kurze Aufmerksamkeitsspanne – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Ist Noel daran gewöhnt mit 5 Personen zu chatten und nebenbei kurze Medienschnipsel wie YouTube Videos, Facebook Nachrichten und Top10 Listen zu konsumieren, wird sie noch dazu durch ihre Hormone von allen wichtigen Aufgaben abgelenkt. Wissensmanager wie Thomas werden von 5 Abteilungen belagert, müssen Berichte schreiben und haben nur sehr wenig Zeit zwischen ihren wichtigen Aufgaben. All diese Dinge haben subjektiv eine höhere Priorität als die eigene Weiterbildung.

Joel und Thomas gehören zu sehr unterschiedlichen Personengruppen und können – wie jeder ohne viel Zeit oder Lust auf lange Weiterbildungsformate – durch Lernnuggets, auch bekannt als Micro-Lernen, angesprochen werden.

Was ist Micro-Lernen?

Micro-Lernen ist schnell beschrieben: es sind kleine, sehr kurze Lerneinheiten. Die Dauer kann sich von einigen Sekunden bis zu ein paar Minuten erstrecken – nicht aber mehr. Diese Lerneinheiten werden klassisches Lernen nicht ersetzen. Zu kurz sind die Einheiten, um einen entsprechenden Lern-Zustand zu erreichen und sich tief in ein Thema hinein zu versetzen oder es komplett zu durchdringen – aber das ist auch nicht der Sinn der Sache. Kann das Versprechen, dass diese Mini-Lerneinheiten einen didaktischen Wert haben, gehalten werden?

Einsatzgebiete und der didaktische Wert von Lernnuggets

Lernnuggets können an vielen unterschiedlichen Stellen als Ergänzung zu einem regulären Training eingesetzt werden. Die Lerneinheiten werden bewusst kurz gehalten, damit die Lerner sie schnell zwischendurch konsumieren können. Beispiele für Micro-Lernen sind z.B.:

  • Minispiele wie Multiple Choice Fragen, Quizze, Gamification
  • Vokabeltrainer wie Karteikarten
  • Kurze (Impuls-)Videos
  • Information/Frage/Quiz des Tages/der Woche/des Monats
  • Fragen zu Themen beantworten, Wiederholen von vorher behandeltem Wissen
  • Foren, Wikis oder andere Möglichkeiten Wissens- und Informationstransfers anzustoßen

Vom didaktischen Standpunkt aus gesehen kann durch solche Lerneinheiten vorhandenes Wissen vertieft und verfestigt werden, kommt die Wiederholung von Lerninhalten doch oft viel zu kurz.

Auch Micro-Lernen hat seine Vor- und Nachteile

Insbesondere im innerbetrieblichen Lernen sind die Zeitfenster, wenn das Lernen neben der Arbeit stattfinden muss, begrenzt. Hierbei hilft es, kleine Häppchen des großen Wissenskuchens aufzuteilen. Wie bei dem Kuchen hilft es, Wissen zu kategorisieren, aufzuteilen und die Informationen auf das Wesentliche zu beschränken, anstatt 10 Stücke zu verputzen und sich den Magen zu verderben, um am Ende kaum Informationen aufzunehmen und sich vollgestopft zu fühlen.

Micro-Lernen ist also besonders für kleine Lernhäppchen geeignet. Egal ob als Wiederholungen, zur Zeitüberbrückung an einer Bushaltestelle oder kurze 15 Minuten, die in den täglichen Arbeitsplan eingebaut werden. Dieser Wissenserwerb kann von gesteuertem Lernen z.B. durch Übungen und Videos ausgehen, aber auch das einfache intrinsisch motivierte Lesen und verstehen eines Fachartikels sein. Einzelne Elemente eines Trainings können sehr gut durch winzige Lerneinheiten ausgelagert werden.

Die Nachteile von Lernnuggets ergeben sich aus dem Hauptvorteil, denn die Lerneinheiten sind sehr kurz. Die didaktische Aufbereitung muss hierbei sehr gut sein, damit die kurzen Wissenseinheiten in einem größeren Zusammenhang eingeordnet werden können. Diese Kürze führt dazu, dass sich ein richtiger Lern-Zustand nur bedingt einstellen kann, denn dafür ist es nötig, dass sich der Lernende über längere Zeit mit einem Inhalt beschäftigt. Lernnuggets sind aufgrund Ihrer Länge nicht dafür ausgelegt.

Eine berechtigte Frage ist, ob Lerneinheiten grundsätzlich kurz gehalten werden müssen, um bestimmte Zielgruppen anzusprechen, die durch Ihre Lebens-/Arbeitswelten und dem aktuellen Medienkonsum einer Schnipselkultur nur sehr kurze Konzentrationsspannen haben. Wir zweifeln daran und halten es mit dem Philosophen Julien Baggini: “[…]just because something takes 18 minutes to watch, that doesn’t mean it takes only 18 minutes to fully understand.”

Wie wir Lernerfolge verbessern können

Micro-Lernen ist einer der vielen Bauklötzchen in Ihrem Repertoire. Lernen ist oft anstrengend und von Wiederholungen geprägt, aber dadurch wird das Wissen vertieft und Inhalte werden langfristig verstanden. Natürlich soll Lernen Spaß machen – dies ist für uns ein wichtiger Punkt beim Trainings-Design – schließlich fördert Spaß die intrinsische Motivation und wenn ein Mitarbeiter gerne an etwas arbeitet, macht er es wahrscheinlich öfter und wird besser. Micro-Lernen benötigt aber gerade deswegen eine didaktisch wertvolle Aufbereitung von Inhalten, denn neben dem ganzen Spaß gibt es auch noch die „harte“ Seite des Lernens. Für Trainer und Lerner gilt es deshalb bei Lerneinheiten die Motivation „durchzuhalten“ zu fördern, um längere Lernprozesse erfolgreich zu meistern, anstatt die Flucht ins Micro-Lernen zu ergreifen. Dazu ist es aber auch notwendig, Räume und Zeiten für Lernprozesse zu schaffen, damit die Weiterbildung konsequent in den Arbeitsalltag integriert werden kann.

Sollten Sie in Ihren Schulungen also mit Micro-Lerneinheiten arbeiten? Auf jeden Fall! Denn auch wenn es einige Kritikpunkte gibt – Micro-Lernen ist ein sehr gutes Werkzeug und wie in jedem guten Werkzeugkasten gibt es unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Anforderungen.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan

Social Learning – Trend oder Zukunft?

Social Learning LernsaspektWenn soziale Netzwerke den Lernprozess unterstützen

Wer sich heute mit E-Learning beschäftigt kommt um den Begriff Social Learning nicht herum. Der Hintergedanke ist alles andere als neu, aber als Buzzword ist Social Learning erst seit kurzer Zeit in aller E-Learning Munde.

Hinter dem Begriff verbirgt sich das informelle, selbstorganisierte Lernen, das durch die sogenannten Social Media Kanäle (Facebook, Twitter, Xing, …) unterstützt wird. Der Lernende steht dabei im Mittelpunkt, er soll in seiner persönlichen Lernumgebung die neuen Medien eigenverantwortlich und systematisch nutzen, am besten unbewusst und trotzdem effektiv. Stets nach seinen eigenen Bedürfnissen und Interessen wählt er die Inhalte aus, die für ihn zielführend sind. Kurzum: eigenständige Aneignung der Lerninhalte und eigene Schwerpunktsetzung. Social Learning bedient sich dafür den natürlichen sozialen Lernstrategien und Interaktionen der Lernenden, um vorhandenes Wissen zu sichern und zu erweitern.

Wofür kann man Social Learning verwenden

Social Learning findet in verschiedenen Bereichen des E-Learning Einsatz. Formale Lernprozesse können beispielsweise durch sogenannte soziale Lesezeichen unterstützt werden. Das sind gemeinsame Dokumente, die von allen Nutzern kommentiert und ergänzt werden können; eine Art Community, die darüber hinaus Zugriff auf weitere Inhalte ermöglicht. Dieser Informations- und Erfahrungsaustausch wird durch kollaborative Werkzeuge im Netz ermöglicht. Texte bearbeiten, Ideen sammeln und strukturieren, Termine besprechen, weiterführende Links ablegen und zugänglich machen – das alles beinhaltet Social Learning.

Social Learning ist Lernunterstützung

Der Lernende erhält über die verschiedensten Social Media Kanäle auf das eigene Interesse zugeschnittenen Input, um daraus später – im Idealfall – selber Inhalte zu entwickeln, aktiv an sozialen Netzwerken teilzunehmen und Erfahrungen zu teilen. Das kann sowohl in privaten als auch in organisationsweiten, unternehmensinternen Plattformen der Fall sein. Es entsteht eine Mischung aus Konsument und Produzent – ein Prosument, der Wissensmanagement betreibt.

Herausforderung Social Learning

Das Problem dabei ist nur, dass der Ansatz des Social Learning ohne Medien- und digitale Kompetenz unvorstellbar ist. Ebenso ist eine hohe Eigenmotivation, Interesse, persönlicher Nutzen und Erfolgsaussichten für die Lernbemühungen Voraussetzung für den Lernerfolg. Das alleinige Bereitstellen von Informationen bedeutet zeitgleich nicht auch das Verstehen dieser Informationen. Ohne jegliche Struktur, Bewertung, Einordnung oder Verknüpfung der Inhalte kann der Lernprozess unter Umständen nicht stattfinden. Beim Thema Social Learning gilt es auch zu bedenken, dass nicht jeder Lerntyp für diese Form der Wissensvermittlung geeignet ist. Daher ist es bereits im Vorfeld Aufgabe der Autoren Lernziele zu setzen und zu überlegen, wie die dazugehörigen Inhalte vermittelt, der Lernende motiviert, betreut und die Lernziele erreicht werden können – und zeitgleich überprüfbar sind.

Zusammengefasst: Social Learning bietet neue Perspektiven, aber auch Risiken für das Lernen und Lehren mit sozialen Medien. Die Frage, wie man das Potenzial von Social Media Kanälen in der institutionellen Praxis, aber auch für das eigene, selbstorganisierte Lernen nutzen kann, muss für jede Zielgruppe separat festgelegt werden. Denn sicher ist: Mehr denn je werden fundierte Konzepte benötigt, die augenscheinlich alles dem Zufall überlassen, den Lernenden aber trotzdem unbewusst in die richtige Richtung lenken.

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan