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Durchblick im Dschungel – E-Learning Lexikon für Einsteiger

E-Learning Lexikon für EinsteigerDie wichtigsten E-Learning Begriffe im Überblick

„Wir machen jetzt E-Learning“ heißt es dieser Tage vielleicht in der einen oder anderen Personalabteilung. Neben viele Fragen kommen vor allem auch zahlreiche neue Begriffe auf den Tisch, die es erst einmal zu klären gilt. „Was ist der Unterschied zwischen E-Learning und Blended Learning?“, „Was ist ein LCMS?“ oder „Wie funktionieren Learning Analytics?“ sind dann keine Seltenheit. Dieses Lexikon soll bei der Einführung von E-Learning helfen und Einsteigern einen ersten Einblick geben – Ergänzungen und weitere Fachwörter werden folgen:

E-Learning

Der Begriff E-Learning steht für alle Formen von Lernen, „bei denen elektronische oder digitale Medien für die Präsentation und Distribution von Lernmaterialien und/oder zur Unterstützung zwischenmenschlicher Kommunikation zum Einsatz kommen“ (Prof. Dr. Michael Kerres). E-Learning ist aber kein Begriff, der klar definiert ist, aus diesem Grund gibt es mittlerweile zahlreiche Synonyme wie Online Lernen oder elektronisches Lernen. Dennoch lässt sich E-Learning anhand folgender Merkmale kennzeichnen:

Interaktivität
Lerner haben die Möglichkeit, auf verschiedene Art und Weise mit den Inhalten zu interagieren, z.B. durch verschiedene Steuerungs- und Eingriffsmöglichkeiten

Multicodalität
Die Lerninhalte werden in den unterschiedliche Kodierungen (Text, Bild, Video) genutzt und miteinander kombiniert

Multimedialität
Die Aufbereitung und Darstellung der Lerninhalte erfolgt in verschiedenen digitalen Medien, beispielsweise Podcast, E-Book oder Whitepaper

Multimodalität
Das zu vermittelnde Wissen wird beim E-Learning mit Hilfe der auditiven und / oder visuellen Sinne konsumiert

Studien, die sich detaillierter mit dem Thema E-Learning im Unternehmen auseinandersetzen, sind z.B. der Branchenmonitor des MMB-Instituts für Medien- und Kompetenzforschung oder der New Horizon Report (mehr dazu: E-Learning der Zukunft? Trends und Herausforderungen), der kurz-, mittel- und langfristige Trends in der Weiterbildung erforscht.

Blended Learning

Bei der klassischen Weiterbildung werden die Inhalte größtenteils in Form von Präsenzschulungen organisiert. Beim Blended Learning wird dieser Lernprozess um das Bereitstellen von digitalen Lerninhalten ergänzt. Daher spricht man beim Blended Learning auch vom integrierten Lernen oder hybridem Lernen, denn dieses Lernmodell vereint die methodischen, didaktischen und medialen Konzepte zur Vermittlung fachlicher Inhalte so, dass die jeweiligen Vorteile sich gegenseitig ergänzen. Durch Blended Learning wird orts- und zeitunabhängiges Lernen möglich, da der Lernprozess an keine Präsenzphasen mehr gebunden ist und auch die Kommunikation asynchron stattfinden kann. Außerdem kann der Lerner sein eigenes Lerntempo bestimmen, was aber wiederum auch Selbstdisziplin voraussetzt.

Mehr zu den verschiedenen Lernkonzepten gibt’s im Beitrag „Das richtige Lernkonzept macht’s

LMS und LCMS

Im Kern verwaltet ein Learning Management System (LMS) die Nutzer und Lernangebote inklusive der dazugehörigen Rollen- und Rechtevergabe – also welcher Nutzer welche Kurse durchführen kann und soll (Benutzer- und Kursverwaltung). Ebenso kommen auch noch weitere Funktionen hinzu, wie zum Beispiel ein Berichtswesen für Lernerfolgskontrollen oder das Ausstellen von Zertifizierungen. Ein Learning Content Management System (LCMS) hingegen dient der Erstellung, Archivierung und Wiederverwendung von Lerninhalten. Es strukturiert die Lerninhalte und verwendeten Medien in einer Datenbank, so dass gezielt nach Ihnen gesucht werden kann. „Die wohl wichtigste Aufgabe eines LCMS ist das zentrale Object Repository, das die wiederverwertbaren Lernobjekte verwalten kann. Ziel ist es, ungewollte Redundanzen und widersprüchliche Informationen weitgehend zu verhindern.“

Autorentools

Mit Hilfe von Autorentools können Lerninhalte erstellt und z.B. mit Interaktionen versehen werden. Die Anwendungsmöglichkeiten sind dabei nahezu unbegrenzt: von Prüfungen über Software-Simulationen hin zu Animationen und Interaktivität. Gängige Autorenwerkzeuge sind beispielsweise Adobe Captivate oder Articulate Storyline. Manche Learning Management Systeme bringen standardmäßig bereits eigene Werkzeuge mit, mit denen Lerninhalte schnell und einfach erstellt werden können – dazu zählt auch Avendoo®.

SCORM-Format

SCORM (Sharable Content Object Reference Model) ist ein Referenzmodell für austauschbare elektronische Lerninhalte der Advanced Distributed Learning Initiative. Lerneinheiten, die im SCORM Format erstellt wurden, können in eine E-Learning Software wie Avendoo® eingelesen und genutzt werden.

Social Learning, informelles und kollaboratives Lernen

Beim Social Learning werden die Möglichkeiten, die sich durch soziale Netzwerke wie Facebook, YouTube, Twitter und Co. und dem „Web 2.0“ ergeben, für die berufliche Weiterbildung genutzt. Der Gruppenaspekt des Lernens rückt dabei mehr in den Vordergrund, so dass vernetztes Lernen möglich wird. Bei diesem Lernkonzept wird E-Learning um digitale Werkzeuge erweitert, die es ermöglichen, dass Lerner zusammen arbeiten und lernen. Aus diesem Grund spricht man auch von kollaborativem Lernen, denn den Lernern werden Möglichkeiten gegeben, selber Inhalte zu erstellen und weiter zu entwickeln. Diese Art des Lernens und der Wissensvermittlung ist das Gegenteil zum klassischen Lernprozess, bei dem es nur einen Lehrenden gibt. Deshalb wird diese Form als informelles Lernen bezeichnet.

Siehe dazu auch „Social Learning – Trend oder Zukunft?„, „Neue Wege im E-Learning? Kollaborationswerkzeuge für vernetztes Lernen“ und „Informelles Lernen: Hype oder Zukunft?

Learning Analytics / Reporting

Unter dem Begriff Learning Analytics wird eine Methode verstanden, mit der Unternehmen den Lernprozess analysieren und Lernaktivitäten nachvollziehen können. Jeder Lerner hinterlässt bei der Bearbeitung eines Lerninhalts „digitale Spuren“. Diese Informationen können mit einem Learning Management System ausgelesen und visualisiert werden, so dass Optimierungen vorgenommen werden können. Sinn und Zwecks der Datenanalyse ist es vor allem, den Lerner in seinem Lernprozess zu unterstützen und ein bestmögliches Lernerlebnis zu schaffen.

Mehr dazu im Beitrag „Wie Sie mit Learning Analytics Ihre Schulungen optimieren

Web Based Training (WBT)

Ein WBT ist eine webbasierte Trainingsanwendung, bei der Lerninhalte online zur Verfügung gestellt werden. CBTs (Computer Based Training) sind im Gegensatz dazu in sich geschlossene Lernmodule, die über keinen Zugang zum Internet verfügen und üblicherweise auf einem Datenträger verbreitet werden. In einem Web Based Training werden z.B. durch Chats, Foren oder Live-Streaming neue Aspekte der Kommunikation und Interaktion zwischen dem Lehrenden und den Lernern möglich.

Mobile Learning und responsive Design

Durch die fast vollständige Integration von mobilen Endgeräten in den Lebens- und Arbeitsalltag wird das Lernen „unterwegs“ vor allem bei jüngeren Zielgruppen immer beliebter. Mobile Learning meint daher das zeit- und ortsunabhängige Lernen mit Hilfe von mobilen Endgeräten. Wenn sich die Lerninhalte an die unterschiedlichen Bildschirmgrößen der jeweiligen Geräte anpassen, so spricht man von responsive Design. Dabei werden z.B. auch Navigationselemente so dargestellt, dass sie einfach und intuitiv mit dem Finger bedient werden können.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


 

Neue Wege im E-Learning? Kollaborationswerkzeuge für vernetztes Lernen

Lernprozesse im Wandel – Arbeiten 4.0

Kollaborationswerkzeuge im E-Learning - Vernetztes Lernen, Arbeiten 4.0

© marfis75

Lernen, so wie es heute in vielen Unternehmen in Form von Präsenztrainings stattfindet, wird mehr und mehr durch das digitale Lernen erweitert. In den Fokus von betrieblicher Weiterbildung rückt aber zusätzlich auch der Lerner selbst: Seine Lernbedürfnisse. Seine Anforderungen. Seine Lernumgebung. Lernen findet nicht mehr zu festen Uhrzeiten oder an geplanten Terminen statt. Lernen ist ein tagtäglicher Prozess geworden, den es zu fördern gilt und für den die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Dass E-Learning die Aus- und Weiterbildung effizienter gestalten kann, ist bekannt. Mit neuen Formaten und Ideen kann E-Learning aber z.B. auch um Diskussions- und Austauschprozesse erweitert werden, so dass die Lerner ihren Lernprozess selber mitgestalten können und aktiv Einfluss auf Ihre Wissenserweiterung nehmen.

E-Learning mit Kollaborationswerkzeugen aufbauen

Der kanadische Bildungsexperte Stephan Downes fragte schon 2005 »What happens when online learning ceases to be like a medium, and becomes more like a platform? What happens when online learning software ceases to be a type of content-consumption tool, where learning is ›delivered‹, and becomes more like a content-authoring tool, where learning is created? The model of e-learning as being a type of content, produced by publishers, organized and structured into courses, and consumed by students, is turned on its head. Insofar as there is content, it is used rather than read – and is, in any case, more likely to be produced by students than courseware authors. And insofar as there is structure, it is more likely to resemble a language or a conversation rather than a book or a manual.«. Greift man den Gedanken von Downes auf, so stellt sich die Frage nach den geeigneten Lernkonzepten und Werkzeugen, mit denen ein solcher Lernprozess umgesetzt und gestaltet werden kann.

Learning Communities und Social Intranets

Facebook, Twitter, XING – soziale Netzwerke kommen häufig vor allem im Privatleben zum Einsatz, aber die Funktionen können auch im Unternehmenskontexte verwendet werden. Avendoo® kombiniert z.B. die Learning Community und das Social Intranet. Der Newsstream auf der Startseite zeigt den Lernern alle aktuellen Neuigkeiten: Seien es Kurzmeldungen der Kollegen oder Systemnachrichten, die über neue Lerninhalte informieren. In der Community können sich alle Lerner miteinander austauschen und sich vernetzen (Die neue Avendoo® Community). In der Kurs-Community hingegen findet Kommunikation und Erfahrungsaustausch nur unter den Lernern statt, die einen bestimmten Kurs bearbeitet haben. Weitere Variante: Community Gruppen. Fassen Sie beispielsweise die Auszubildenden aller Standorte in einer Gruppe zusammen – so wächst die Identifikation mit dem Unternehmen, Ihre Lerner blicken über den Tellerrand hinaus und lernen gleichzeitig weitere Mitarbeiter kennen.

Da die Austauschprozesse in Learning Communities aber nur selten spontan stattfinden, sollten Sie über einen „Community Manager“ nachdenken, der als Moderator und „Eisbrecher“ fungiert. Außerdem sollten Sie die Community vor dem Start bereits mit Leben füllen, denn so verringern Sie die Einstiegshürde für Ihre Lerner und nehmen Ihnen die anfängliche Skepsis.

Mit Blog-Paraden für dynamische Kommunikation sorgen

Eine andere Möglichkeit, Ihre Lerner zum gemeinsamen Lernen zu ermutigen und den Erfahrungsaustusch voran zu treiben, sind Blogs und Foren. Kennen Sie „Blog Paraden“? Dabei legt ein Blog-Betreiber ein bestimmtes Thema fest und fordert alle Leser dazu auf, einen Artikel zu dem Thema zu veröffentlichen. Nach Ablauf des vorgegebenen Zeitraums werden die eingereichten Artikel kommentiert, zusammengefasst oder prämiert.

Umgemünzt auf die betriebliche Aus- und Weiterbildung könnte ein Lernprozess dann z.B. sein, sich in einem festgelegten Zeitraum mit dem Thema „Datenschutz“ auseinanderzusetzen und über die verschiedensten Aspekte zu bloggen. Dabei geht es nicht darum, wer wie viele Beiträge erstellt oder wer wie gut welche Quelle findet, sondern darum, dass eine aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten und den Gesamtzusammenhang entsteht. Dadurch, dass die Lerner die Blogs und Beiträge von den anderen Kursteilnehmern sehen können, erhalten sie wieder neuen Input für eigene Beiträge. Schließen Sie die Blogparade z.B., indem Sie die zentralen Ergebnisse aus den einzelnen Beiträgen zusammenfassen und allen Lernern zur Verfügung stellen. Und sollten Sie zusätzliche Motivation für die Teilnahme schaffen wollen, können Sie über Anreize nachdenken, die die Lerner zusätzlich aktivieren, sich an der Parade zu beteiligen. Das muss definitiv nicht immer ein monetärer Anreiz sein, auch kleine Dinge sorgen für Zufriedenheit. Senden Sie den „besten“ Lerner z.B. am folgenden Freitag einfach eine Stunde eher in das Wochenende.

Diese Art der Weiterbildung ist sehr konträr zum jetzigen Standard, denn sie ist geprägt von dynamischer Kommunikation. Daher dienen Kollaborationswerkzeuge aktuell auch noch eher als zusätzlicher Baustein zur Schulung. In Zukunft können sich daraus aber auch eigenständige, asynchrone Schulungssituationen ergeben. Da es für informelle Lernprozesse keine fassbare Qualifikation ergibt, ist diese Art der Wissensvermittlung ganz sicher nicht für alle Zielgruppen geeignet- trotzdem sorgt sie für Abwechslung im Lernprozess und zeugt von einer anderen, zeitgemäßeren Herangehensweise an das Thema „Lernen und Arbeiten im Unternehmen“ (Informelles Lernen: Hype oder Zukunft?)

Informelles Lernen braucht Vertrauen

Mitarbeiter sind das größte Potenzial eines Unternehmens und sie halten oft mehr Wissen inne als Ihnen bewusst ist. Durch Kollaborationswerkzeuge können Sie Synergien schaffen, so dass Wissensmanagement übergreifend gelingen kann. Aber: Diese Kultur muss auch gelebt werden und die daraus resultierende Veränderung muss gewollt sein, denn sonst verfehlt auch das beste Werkzeug das Ziel (Lernkultur: Lebenslanges Lernen als Chance)

Wissen zu fördern heißt auch Ängste vor Sanktionen abzubauen. Damit vernetztes Lernen anerkannt wird, sollten vor allem Führungskräfte als Vorbilder agieren und sich als Vorreiter sehen. Veränderungen, die das digitale Lernen mit sich bringt, sollten nicht „von oben herab“ eingeführt werden, sie müssen von innen heraus gelebt werden. Und: Veränderung heißt auch Risiko. Die Digitalisierung stellt alles und jeden auf den Prüfstand, Sätze wie „aber das haben wir doch immer so gemacht“ sind nicht länger gültig. Und: Zum Verändern gehört auch das Scheitern. Nicht jeder Ansatz und nicht jede Idee wird zum gewünschten Ergebnis führen – daher müssen die Prozesse und die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen immer wieder aufs Neue geprüft und ggf. korrigiert werden. Change Management und Agilität sind dabei das Zauberwort, um die fast täglich wachsende Komplexität in Unternehmensprozessen abbilden zu können. Und genau an dieser Stelle greifen kollaborative Lernprozesse.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Weblinks:

 

Informelles Lernen: Hype oder Zukunft?

Den Lerner in den Fokus rücken

Informelles Lernen

© mkhmarketing

Was ist besser bzw. erfolgreicher: Formelles oder informelles Lernen? Glaubt man den zahlreichen Trends für die Zukunft der Weiterbildung, so wird die Reise Richtung „Informelles Lernen“ gehen – und das, obwohl Qualifikationen und Zertifikate einen hohen Stellenwert in der Aus- und Weiterbildung genießen. Stellt sich die Frage, warum nicht einfach beide Ansätze miteinander kombiniert werden?

Informelles Lernen, Learning-by-Doing oder Extended Learning

Ob informelles Lernen, Learning-by-Doing oder Extended Learning – all diese Begriffe stehen für ein- und denselben Lernprozess, nämlich das selbstgesteuerte Lernen. Informelles Lernen meint das Lernen außerhalb von klassischen Trainings und Schulungen; Lernen in anderen Kontexten und/oder in Verbindung mit anderen Handlungen, z.B. das Gespräch an der Kaffeemaschine mit dem Kollegen. Informelles Lernen ist vor allem dadurch gekennzeichnet, dass die Lerner eigenverantwortlich und aktiv handeln bzw. dazu ermutigt werden. Interaktion, Kooperation und Kommunikation stehen im Fokus. Die Lerner können und sollen sich aussuchen, wann, wie und mit welchen Materialien sie lernen wollen. Somit bildet das informelle Lernen den Kontrast zum altbewährten Top-Down-Lehr-/Lernprozess.

Das 70-20-10 Modell auf dem Prüfstand

Eine oft verwendete Formel, die informelles und formelles Lernen für die Weiterbildung in einen Kontext setzt, ist die 70-20-10-Bildungsformel. Demnach wird im Unternehmen zu 70% durch praktische Aufgaben gelernt, 20% durch den Austausch mit Kollegen und nur zu 10% durch klassische Weiterbildungsmaßnahmen. Geht es nach Axel Koch, Professor für Training & Coaching an der Hochschule für angewandtes Management in Erding, ist das Modell aber nicht mehr zukunftsfähig. „Die populäre 70-20-10-Bildungsformel hat einen Haken. Sie setzt einen […] lernwilligen, motivierten und transferstarken Mitarbeiter voraus. Und genau dieser Typ ist in Deutschlands Unternehmen in der Minderheit.“ Als Alternative zur Bildungsformel nennt Koch daher die sogenannte 20-30-30-20 Variante, die auf der Verteilung von lernstarken und veränderungsstarken Menschen in den Unternehmen basiere:

20 Prozent der Lerner sind lernagil, veränderungsoffen und transferstark. Je mehr ein Unternehmen davon hat, umso besser. Hier funktioniert die alte 70-20- 10-Welt.

30 Prozent der Lerner sind immerhin besser als der Durchschnitt aller Beschäftigten. Hier geht es um das Feintuning, den letzten Schliff. Es gilt, den eigenen Lernstil noch besser kennenzulernen und wirksame Lern- und Veränderungstechniken zu nutzen.

30 Prozent der Lerner sind unter dem Durchschnitt. Das bedeutet, dass es an Wissen, Einstellungen und Techniken fehlt, sich selbst gut etwas beizubringen oder die eigene Veränderung zu managen. Hier müssen Firmen Zeit, Arbeit und Geld investieren, damit der Lernprozess funktioniert und diese Lerner auf einen höheren Level der Lern- und Veränderungsfähigkeit kommen. Es braucht die Begleitung durch Führungskräfte als Transferverantwortliche oder die Begleitung wird von einem Trainer oder Coach übernommen.

20 Prozent der Lerner sind aufgrund ihrer Persönlichkeit und Lernbiografie „gehandikapt“. Es kommt schon eher einer therapeutischen Anstrengung gleich, sie in Richtung der gewünschten Lern- und Veränderungsziele bringen zu wollen. (Quelle)

Ob nun die 20-30-30-20 Variante oder das 70-20-10 Prinzip verfolgt wirkt, fest steht: Ohne Konzept und ohne detaillierte Analyse der Zielgruppe, kann die Aus- und Weiterbildung nicht funktionieren – das gilt für jede einzelne Schulungsmaßnahme. Und: Weder der eine, noch der andere Weg sind des Rätsels Lösung. Wie so oft kommt es auch hierbei auf den richtigen Mix an: Nur auf informelles Lernen zu setzen oder nur klassische Weiterbildungsmaßnahmen anzubieten, ist keine gute Lösung. Vielmehr sollte eine Kombination der beiden Lehr-/Lernansätze angestrebt werden, die die Wünsche und Anforderungen des Lerners berücksichtigt. Der Lernende sollte in den Fokus der gesamten Aus- und Weiterbildungsstrategie gerückt werden.

Informelles Lernen sinnvoll integrieren

Informelles Lernen integrieren – aber wie? Zum Beispiel durch offene Aufgabenstellungen, die auch einmal unkonventionell gelöst werden können. Das sorgt für Abwechslung bei den Lernenden und regt neue Lernwege an. Beispiel: „Tauschen Sie sich in der Community-Gruppe zu dem Thema XY aus“, „Finden Sie grafische Beispiele für das Thema YZ und laden Sie diese in die Galerie hoch“ oder „Schreiben Sie zu dem Thema XY einen Beitrag für Ihr Lerntagebuch“. Apropos Lerntagebuch: Lerntagebücher sind eine hervorragende Möglichkeit, die Lernmotivation und das selbstgesteuerte Lernen zu verbessern – durch die bewusste Wahrnehmung der Fortschritte, Entwicklungen und Lernerfolge. Außerdem wird ineffektives Handeln erkannt und kann für die Zukunft verändert werden. Diese Mittel, in Kombination mit Präsenzveranstaltungen, sind ein guter erster Schritt in die richtige Richtung.

Lernkultur für neue Wege öffnen

Das Ziel eines Unternehmens sollte also zusammenfassend darin liegen, die Lernenden zu einer Nutzung von informellen Mitteln zu befähigen und zu ermutigen, „sowie Formen zu finden, das informelle Lernen zu fördern und professionell zu begleiten. Das bedeutet auf der einen Seite die Etablierung einer veränderten Lehr-/Lernkultur sowie die Qualifizierung der »Lehrenden« in Bezug auf entsprechende Methoden und Technologie und auf der anderen Seite die Anpassung von [bisherigen] Strukturen […]. Grundlegend bedarf es aber auch der Medienkompetenz der Lernenden, um die Chancen von [informellem Lernen] zu nutzen. Dies beinhaltet auch die Befähigung zum »Abschalten«, damit die Freiheit zum Lernen nicht zu einem Zwang des Lernens wird.“

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Weblinks:

Social Learning – Trend oder Zukunft?

Social Learning LernsaspektWenn soziale Netzwerke den Lernprozess unterstützen

Wer sich heute mit E-Learning beschäftigt kommt um den Begriff Social Learning nicht herum. Der Hintergedanke ist alles andere als neu, aber als Buzzword ist Social Learning erst seit kurzer Zeit in aller E-Learning Munde.

Hinter dem Begriff verbirgt sich das informelle, selbstorganisierte Lernen, das durch die sogenannten Social Media Kanäle (Facebook, Twitter, Xing, …) unterstützt wird. Der Lernende steht dabei im Mittelpunkt, er soll in seiner persönlichen Lernumgebung die neuen Medien eigenverantwortlich und systematisch nutzen, am besten unbewusst und trotzdem effektiv. Stets nach seinen eigenen Bedürfnissen und Interessen wählt er die Inhalte aus, die für ihn zielführend sind. Kurzum: eigenständige Aneignung der Lerninhalte und eigene Schwerpunktsetzung. Social Learning bedient sich dafür den natürlichen sozialen Lernstrategien und Interaktionen der Lernenden, um vorhandenes Wissen zu sichern und zu erweitern.

Wofür kann man Social Learning verwenden

Social Learning findet in verschiedenen Bereichen des E-Learning Einsatz. Formale Lernprozesse können beispielsweise durch sogenannte soziale Lesezeichen unterstützt werden. Das sind gemeinsame Dokumente, die von allen Nutzern kommentiert und ergänzt werden können; eine Art Community, die darüber hinaus Zugriff auf weitere Inhalte ermöglicht. Dieser Informations- und Erfahrungsaustausch wird durch kollaborative Werkzeuge im Netz ermöglicht. Texte bearbeiten, Ideen sammeln und strukturieren, Termine besprechen, weiterführende Links ablegen und zugänglich machen – das alles beinhaltet Social Learning.

Social Learning ist Lernunterstützung

Der Lernende erhält über die verschiedensten Social Media Kanäle auf das eigene Interesse zugeschnittenen Input, um daraus später – im Idealfall – selber Inhalte zu entwickeln, aktiv an sozialen Netzwerken teilzunehmen und Erfahrungen zu teilen. Das kann sowohl in privaten als auch in organisationsweiten, unternehmensinternen Plattformen der Fall sein. Es entsteht eine Mischung aus Konsument und Produzent – ein Prosument, der Wissensmanagement betreibt.

Herausforderung Social Learning

Das Problem dabei ist nur, dass der Ansatz des Social Learning ohne Medien- und digitale Kompetenz unvorstellbar ist. Ebenso ist eine hohe Eigenmotivation, Interesse, persönlicher Nutzen und Erfolgsaussichten für die Lernbemühungen Voraussetzung für den Lernerfolg. Das alleinige Bereitstellen von Informationen bedeutet zeitgleich nicht auch das Verstehen dieser Informationen. Ohne jegliche Struktur, Bewertung, Einordnung oder Verknüpfung der Inhalte kann der Lernprozess unter Umständen nicht stattfinden. Beim Thema Social Learning gilt es auch zu bedenken, dass nicht jeder Lerntyp für diese Form der Wissensvermittlung geeignet ist. Daher ist es bereits im Vorfeld Aufgabe der Autoren Lernziele zu setzen und zu überlegen, wie die dazugehörigen Inhalte vermittelt, der Lernende motiviert, betreut und die Lernziele erreicht werden können – und zeitgleich überprüfbar sind.

Zusammengefasst: Social Learning bietet neue Perspektiven, aber auch Risiken für das Lernen und Lehren mit sozialen Medien. Die Frage, wie man das Potenzial von Social Media Kanälen in der institutionellen Praxis, aber auch für das eigene, selbstorganisierte Lernen nutzen kann, muss für jede Zielgruppe separat festgelegt werden. Denn sicher ist: Mehr denn je werden fundierte Konzepte benötigt, die augenscheinlich alles dem Zufall überlassen, den Lernenden aber trotzdem unbewusst in die richtige Richtung lenken.

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan