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Ein bisschen mehr Kreativität, bitte!

Kreative Lernmethoden und Lehrtechniken

Kreative Lernmethoden Lehrtechniken E-Learning

© Jakob Schiller

Seitenlange Dokumente, abstrakte Formeln oder fahle Präsentationen – wenn es um die Vermittlung von Wissen geht, ist Kreativität gefordert, denn nur attraktive Lerninhalte sorgen für die nötige Aufmerksamkeit beim Lernenden und dafür, dass das Ziel der Schulung erreicht wird. Eine effiziente Wissensvermittlung hängt somit nicht nur von den Inhalten selbst ab, sondern auch von der Darstellungsform. Kurz gesagt: Inhalte, die didaktisch und optisch ansprechend aufbereitet sind, einen kreativen Mix der Lehr- bzw. Lernmethode bieten und für die Zielgruppe passend sind: „Ja! Mehr davon!“

Kreativität in der E-Learning-Praxis

Das wohl mächtigste Argument gegen kreative Lehr- und Lernmethoden ist die Zeit. Eine Präsentation zu erstellen, Texte einzufügen und hier und da vielleicht eine Grafik zu zeigen – ja, das geht schnell. Aber ist das der Sinn von Aus- und Weiterbildung? Oder besser gesagt: Ist das Ihr Anspruch? Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Lernen darf nicht als zeitfressender Zeitvertreib angesehen werden. Lernen soll Spaß machen. Lernen bzw. die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter soll nicht nur dem Lernenden selbst, sondern langfristig vor allem Ihrem Unternehmen etwas bringen. Die (Zeit-)Investition, die Sie in die Lernmethode bzw. Lehrtechnik und die Attraktivität von Lerninhalten tätigen, wird sich rentieren.

Um Ihnen ein wenig Inspiration zu geben, haben wir einige Lernmethoden herausgestellt, die für mehr Pepp in Ihren Lerninhalten sorgen und sich einfach für E-Learning umsetzen lassen. Probieren Sie es einfach aus.

Merksprüche, Geschichten und Anekdoten

Beispiele, Beispiele, Beispiele – wenn Sie etwas abstraktes mit Hilfe eines Beispiels verdeutlichen, so wird der Inhalt umso einfacher zu verstehen. Verpackt in einer übergreifenden Geschichte – Stichwort Storytelling – wird dieser Effekt zusätzlich verstärkt. Der Bezug zum Arbeitsalltag ist dabei besonders wichtig, damit dem Lernenden klar wird, warum dieser Inhalt für ihn wichtiger ist und damit das Gelernte später besser auf die Arbeit übertragen werden kann.

Merksprüche oder zusammenfassende Merkboxen am Ende eines Abschnittes sind ebenso eine gute Gedächtnisstütze. Durch eine optische Hervorhebung sorgen Sie für Aufmerksamkeit und prägen sich bildlich bei dem Lernenden ein.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Gerade wenn es um Prozesse geht oder die Auswirkungen einer Handlung, sind Grafiken das richtige Mittel. Sie unterstützen das Geschriebene, erzeugen Emotionen und sorgen so für eine bessere Aufnahmefähigkeit der Informationen und insgesamt für mehr Verständnis. Kommen noch Interaktionen (z.B. programmierte Schaltflächen) hinzu, können die Lernenden die Grafik tatsächlich erkunden und so nach dem learning-by-doing Prinzip die Inhalte vertiefen. Gemäß dem 70-20-10 Modell lernen wir Dinge nämlich am besten, wenn wir sie selber erledigen. Vermitteln Sie also erst die Inhalte und bauen Sie diese dann in praktische Übungen ein, um das Gelernte zu verfestigen.

Gerade Freitextfragen werden oft als Art der Abfrage unterschätzt, dabei sorgen Sie dafür, dass der Lernende mitdenkt und nicht nur schnell durch die Inhalte klickt. Bitten Sie den Lernenden z.B. am Ende einer Lerneinheit, alle wichtigen Informationen zu dem gerade Gelernten zusammen zu fassen. Dadurch erzeugen Sie eine viel intensivere Auseinandersetzung mit den Inhalten als wenn Sie nur eine Single / Multiple Choice Abfrage vornehmen.

Öfter mal was Neues? Wie wäre es z.B. mit einem „Refresher“ nach einem bestimmten Zeitraum? Also einer abgespeckten Lerneinheit, die das neue Wissen noch einmal kurz zusammenfasst und verankert. Eine Schulungsmaßnahme allein erreicht oft nicht ihr Ziel, denn eine effiziente Weiterbildung besteht aus lebenslangem Lernen und aufeinander aufbauenden Lerninhalten, die ständig wiederholt werden. Lieber viele kleine und kurze Lerneinheiten als einen großen Wissensbrocken.

Lernen mit allen Sinnen

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten – sprechen Sie bei Ihren Schulungen (so gut es geht) alle Sinne an, um jedem Lerntypen gerecht zu werden. Wie? Indem Sie zum Beispiel zusätzlich zum Text einen Podcast (Hören) oder ein Video (Sehen) anbieten. Je nach Thema lassen sich auch andere Sinne ansprechen. Diese neue Herangehensweise an einen Inhalt sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern auch für einen Überraschungseffekt bei Ihren Lernenden und das wiederum erzeugt die Aufmerksamkeit, die Sie für die Vermittlung Ihrer Inhalte benötigen.

Memory

Bei dem Wort „Memory“ fühlt sich wohl jeder von uns kurz in seine Kindheit zurückversetzt. Das für Kinder simple Prinzip lässt sich aber auch auf die Erwachsenenbildung übertragen. Mit Zuordnungsfragen können Ihre Lerner Inhalte in Verbindung setzen und so für Verknüpfungen im Gehirn sorgen, durch die die Inhalte schneller gelernt werden. Und zwar nicht nur für das Kurzzeitgedächtnis sondern auch langfristig.

Loci-Technik oder auch 360° Methode

Bei der Loci-Methode werden zunächst einzelne Begriffe / Inhalte auf Stichwortzetteln notiert und anschließend in einem Raum verteilt. Der Lernweg entspricht dann einer bestimmten Route durch diesen Raum. Die Methode bedient sich dabei dem räumlichen Erinnerungsvermögen des Gehirns, das durch die Verknüpfung eines Schlüsselwortes an einem bestimmten Ort aktiviert wird. Dieses Prinzip funktioniert natürlich auch für E-Learning. Wenn Sie also beispielsweise wichtige Fachbegriffe vermitteln möchten, so können Sie die einzelnen Inhalte in einem virtuellen Raum anordnen und sie so von dem Lernenden erkunden lassen (Ein Beispiel dafür ist die interaktive Büroumgebung der Paul Hartmann AG, die unsere Mediendesigner für die Vertriebsmitarbeiter/innen entwickelt hat). Entweder Sie geben dabei eine bestimmte Marschrichtung vor oder Sie lassen den Lernenden die Inhalte frei erkunden. Kombinieren Sie dazu noch Storytelling, erzeugen Sie nicht nur eine spannende Lernumgebung, sie sorgen auch dafür, dass der Lernende wissbegierig wird und motiviert die einzelnen Inhalte bearbeitet.

 

Und zum Schluss der Satz, der eigentlich für alles im E-Learning gilt: Der Mix macht’s. Weder Lerninhalte, die nur eine Methodik berücksichtigen noch die Lerninhalte, die aus einem bunten Strauß an Lern- bzw. Lehrmethoden bestehen, sind zielführend bzw. für Ihre Zielgruppe attraktiv. Vielmehr kommt es auf den gezielten Einsatz der richtigen Methoden an. Probieren Sie es einfach mal aus.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Lernen durch Erfahrung – Geht das mit E-Learning?

Lernen durch Erfahrung

© BartCo

Prinzipien für gelungene E-Learnings

Können Ihre Mitarbeiter und Kollegen durch Erfahrungen in einem E-Learning lernen? Was sind die Folgen einer Entscheidung und welche Erfahrungen können wir dadurch machen?

Eine Entscheidung kann laut den Wissenschaftlern Russo und Schoemaker unterschiedliche Ergebnisse haben:

  • Gute Entscheidung mit gutem Ergebnis (Karma)
  • Gute Entscheidung mit schlechtem Ergebnis (Pech)
  • Schlechte Entscheidung mit gutem Ergebnis  (Glück)
  • Schlechte Entscheidung mit schlechtem Ergebnis (Karma)

Da die Entscheidungen von uns getroffen werden, ist es leicht zu behaupten, dass die Ergebnisse durch unsere Entscheidungen entstehen. Es gibt viel zu viele Unwägbarkeiten die unsere Entscheidungsgrundlage verändern. Vielleicht haben wir Erfolg in einem Projekt, aber dies ist nicht auf unsere Entscheidung Jonas einzustellen zurückzuführen, sondern darauf, dass Brigitte seine Krankheitsvertretung wurde. Jetzt wissen wir plötzlich, dass Brigitte eigentlich immer die richtige Wahl war.

Je nachdem wie das Projekt ausgegangen ist, kann also eine richtige Entscheidung zu einem schlechten Ergebnis führen und eine falsche Entscheidung zu einem guten Ergebnis. In den meisten Fällen neigen wir nicht zum Eingestehen von Fehlern, sondern interpretieren unsere Entscheidungen im Vergleich zu dem Ergebnis, mit einem sogenannten Rückschaufehler und sagen: „Hab ich es doch gewusst!“. In der Forschung spricht man dabei von einer narrativen Verzerrung, in der wir die Erinnerungen an die Vergangenheit durch unsere Erzählstrategie verändern.

Wie Sie mit besseren Entscheidungen Wissen vermitteln

Der Psychologe Daniel Kahnemans hat für das Treffen besserer Entscheidungen einen einfachen Tipp: „Gehen Sie in den nächsten Supermarkt und kaufen Sie sich ein Notizbuch – um wie ein Kapitän ein Logbuch über die wichtigen Entscheidungen zu führen. So können Sie überprüfen, welche Entscheidung zu welchem Ergebnis geführt hat und so werden unsere Rückschaufehler offensichtlich. Stift und Papier sind hierbei die erste Wahl, da wir bei einem digitalen Logbuch dazu neigen unsere Aussagen zu „korrigieren“.“

Wie können wir dieses Wissen für die Gestaltung von Trainingseinheiten nutzen?

Der komplexe Wirtschaftsmarkt hat nur einen begrenzten Bedarf an Sicherheitsunterweisungen, Datenschutzrichtlinien und Ähnlichem. Die meisten Entscheidungen und Aufgaben in der Arbeitswelt sind wesentlich komplexer und benötigen mehr Fähigkeiten als das simple Auswendiglernen von Richtlinien.

Als Wissensarbeiter treffen Sie jeden Tag eine Vielzahl von Entscheidungen und gerade wie und warum Sie diese Entscheidungen treffen, ist in der Zukunft wichtig (Thema Ressourcen sparen, Fehler erkennen, Prozesse optimieren, Entscheidungen bestätigen). Ein gutes E-Learning zum Aufbau Ihrer Mitarbeiter bezieht diese Bereiche mit ein. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter Entscheidungen treffen! Evaluieren Sie dann, warum welche Entscheidung getroffen wurde. Richtig und/oder falsch sind moralische und mathematische Fragen. Wenn Herr Stollberg – Leiter des Marketings von dem Baumarkt XY – mehr Produkte verkaufen möchte, hat er verschiedene Wege dies zu erreichen – und keiner ist falsch: Er könnte mehr Werbung schalten, eine neue, moderne Corporate Identity aufbauen, die Qualität seiner Produkte verbessern oder diese zu einem niedrigeren Preis anbieten. Jede dieser Entscheidungen kann richtig oder falsch sein.

Woher wissen wir aber, welche Entscheidung wir getroffen haben, ohne dass wir eine Begründung erfinden, die dem Ergebnis entspricht? Gerade bei Tests ist dies ein Problem. Durch das Raten von Antworten können die Lerner bestehen und sagen „hab ich gewusst“. Entscheidungen zu begründen, zu erklären und zu vertreten ist wesentlich schwerer.

Anspruchsvolle Lernwelten und Lernszenarien

Eine gute Möglichkeit ist es, komplexe E-Learnings mit Szenarien zu konstruieren. Szenarien, in denen die Teilnehmer zum eigenständigen Denken angeregt werden und ihre Entscheidungen hinterfragen. Solche Szenarien können Sie natürlich auch in Avendoo® umsetzen: Als Werkzeug eignet sich hier z.B. die Freitextfrage, in der Ihre Lerner die Frage mit Ihren eigenen Worten beantworten, inklusive einer Begründung für die getroffene Entscheidung.

So könnte der Marketingleiter Herr Stollberg 55 Folien mit unterschiedlichen Informationen über die Weiterentwicklung von Werbeformen (Werbeartikel, Printmedien, Radiospots, etc.) lesen und danach einen Multiple-Choice Test machen, was effektive Formen der Werbung sind. Hierbei wird bewertet, wie gut er sich an die Informationen der Folien erinnert, die er gelesen hat. Die Frage ist nur, ob Herr Stollberg nun auch neue Ansätze probiert oder bei seinem alten Wissen bleibt. Vielleicht wäre ein anderes Szenario, in dem Herr Stollberg vor Entscheidungen gestellt wird, effektiver.

Ein Beispiel

Ihre Firma ist ein lokaler Baumarkt der sich gegen 3 andere Baumärkte durchsetzen muss. Sie haben ein Budget von 75.000€ für Ihre nächste Werbekampagne. Welchen der folgenden Wege würden Sie gehen, um den größtmöglichen Erfolg für Ihr Unternehmen zu bewirken. Begründen Sie Ihre Entscheidung.

  • Sie lassen 500.000 Flyer drucken und verteilen diese immer wieder im Einzugsgebiet. Was steht auf den Flyern?
  • Sie entwickeln ein Gewinnspiel, bei dem möglichst viele Menschen mitmachen: der erste Preis ist ein Auto, der zweite ein Großbild TV und die Plätze 3-10 erhalten eine aktuelle Spielkonsole. Was ist der Wettbewerb?
  • Sie machen eine Radiokampagne bei einem lokalen Radiosender. Welche Werbebotschaft verschicken Sie?

Herr Stollberg hat hier schwere Fragen zu beantworten. Was ist die langfristige Wirkung? Was bringt kurzfristigen Profit? Was ist über die Region hinaus interessant? Solche Fragen lassen sich nicht mit einem Kreuzchen beantworten, sondern durch eine eigenständige und nachhaltige Beschäftigung mit dem Thema.

Natürlich lässt sich dies auch als reine Multiple Choice Frage stellen, ohne Freitext und mit einer Antwort, die Tim zum Nachdenken anregt – indem er scheinbar scheitert. Trotz subjektiv richtiger Antwort.

  • Sie lassen 500.000 Flyer drucken mit einer besonderen Werbeaktion und verteilen diese immer wieder im Einzugsgebiet.
  • Richtige Antwort: 95% der Flyer wandern in den Müll und durch den Verstärkten Einsatz von Rabatten sinkt der Tagesumsatz nachdem die Kampagne beendet ist

Scheitern als Lernerfahrung und Chance

Normalerweise dürfen wir nicht scheitern, aber gerade Training ist ein Möglichkeitsform, in der wir Fehler machen können, ohne dass die Konsequenzen auf das wirkliche Leben überschwappen. Der Lerner kann die Frage nicht „richtig“ beantworten. Eine sogenannte Kobayashi Maru Aufgabe, die dazu dienen könnte die Frustrationstoleranz zu erhöhen, und/oder ihn über seine Entscheidung nachdenken zu lassen.

Um das Scheitern an diesem Punkt zu nutzen, ist die Freitextfrage ein hilfreiches Mittel. Hier kann der Lernende sein gesamtes Wissen einsetzen und über sich hinaus zu wachsen. In unserem Fall:

  • Was machen Sie, um diesen negativen Effekt umzukehren? Sie haben noch ein Restbudget von 2.500€.

Es gibt immer einige Themen, bei denen die Lerner wichtige Daten und Fakten auswendig lernen müssen, wie beispielsweise den korrekten Ablauf im Warenwirtschaftssystem. Aber auch diese Prozesse können mit Szenarien interessanter gestaltet werde:

  • Was passiert wenn Prozess X nicht ausgeführt wir?
  • Was könnten Folgen sein, wenn ….?

Bringen Sie Ihre Lerner dazu, dass sie in dem Lernprozess mitmachen und nicht nur teilzunehmen.

 

Ein Blog-Beitrag von Sven Goder und Jennifer Jordan


Weblinks:

  • http://www.fool.com/investing/beginning/2012/09/19/a-foolish-interview-with-michael-mauboussin.aspx
  • http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckschaufehler
  • Winning Decisions: Getting It Right the First Time, J. Edward Russo; Paul J.H. Schoemaker http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0385502257/