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Die Macht der Stimme: Sprecher im E-Learning

Sprecher E-Learning

© Lukas Gojda

Lerninhalte mit Sprechern vertonen

Flüstern, schreien oder jubeln – die menschliche Stimme kann so einige Töne und Klänge erzeugen und damit bestimmte Emotionen bei uns hervorrufen. Kommen noch Rhythmus, Lautstärke und Betonung hinzu, findet eine tiefe Verknüpfung mit dem Gedächtnis statt. Was für Hörbücher, Radio und Kino schon lange funktioniert, kann auch in der Erwachsenenbildung eingesetzt werden: die Stimme bzw. Sprecher im E-Learning.

Warum ein Sprecher Ihre Lerninhalte aufwertet

Die Inhalte einer Schulung können in den verschiedensten Formen vermittelt werden. Neben Text und Grafik eignet sich auch ein Sprecher, um etwas Abwechslung in den Lernprozess zu bringen. „Über 90 Prozent der Kommunikation spielt sich über Körpersprache und Stimme ab“ – dieses Potential gilt es daher zu nutzen. Hinterlegen Sie zum Beispiel eher textlastige Passagen mit einem Sprecher, erschaffen Sie Lernbegleiter oder binden Sie Ihre Inhalte in ein Storytelling ein, das mit Sprechern und Sounds arbeitet – die Vielzahl der Möglichkeiten ist unbegrenzt.

E-Learning bietet Ihnen die Möglichkeit, Inhalte online zur Verfügung zu stellen. Durch die Kombination aus Text, Grafik und Sprecher können Inhalte nicht nur visuell, sondern auch auditiv vermittelt werden, so dass unterschiedliche Lerntypen mit individuellen Bedürfnissen an den Lernprozess angesprochen werden.

Diese Art der Wissensvermittlung erzeugt beim Lernenden zum einen Spannung und Aufmerksamkeit, zum anderen haucht sie Ihren Inhalten auch Leben ein, macht sie authentisch und sorgt dafür, dass schwieriger zu verstehende Aspekte verständlich werden.

Nicht jede Stimme eignet sich für E-Learning

„Der Manfred aus der Buchhaltung hat so eine tolle Stimme, kann der nicht einfach unser E-Learning einsprechen?“ Eine Idee, auf die sicher nicht nur ein Unternehmen gekommen ist. Je nach Budget, Intention und Umsetzbarkeit gibt es für die Wahl eines Sprechers Pro und Contra, die jedes Unternehmen für sich individuell evaluieren sollte. Unumstritten ist aber, dass auch eine Sprecherstimme großen Einfluss auf den Lernerfolg nehmen kann. Eine Stimme erzeugt immer eine Emotion und Emotionen prägen sich tief in das Gedächtnis ein.

Dass die Lerner den Kollegen als Sprecher erkennen, kann aber auch schnell negativ auffallen. Hat dieser beispielsweise einen bestimmten Dialekt, spricht einige Wörter fremdlich aus oder hat der Lerner womöglich sogar eine Antipathie ihm gegenüber, achtet er mehr auf diese „Sprachfehler“ als auf den wahren Inhalt. Dadurch bleibt keine Zeit mehr, Ihren Inhalten zu folgen.

Neben den Kollegen gibt es natürlich noch weitere Möglichkeiten wie z.B. synthetische Stimmen (bestes Beispiel die Apple Stimme Siri) oder einen professionellen Sprecher. Während synthetische Stimmen zwar sehr preiswert, aber auch wenig authentisch sind, bedarf ein professioneller Sprecher mehr Zeit und mehr Budget, ist dafür aber qualitativ hochwertiger.

Nichts desto trotz gilt: die Sprache muss zum Inhalt passen. Was für einen Unterschied es machen kann, ob es sich bei dem Sprecher um einen Profi oder einen Laien handelt, können Sie anhand des Beispiels in diesem Beitrag selber hören: http://www.sprechersprecher.de/blog/profisprecher-e-learning-vs-amateure

Worauf Sie bei der Wahl des richtigen Sprechers achten sollten

  1. Geschriebenes vs. Gesprochenes Wort
    Eine bereits bestehende Schulung Wort für Wort durch einen Sprecher zu ersetzen, macht wenig Sinn, da eine inhaltliche und auch didaktische notwendig ist, um das Schulungsziel zu erreichen.
  2. Ohne Dialekt oder Akzent
    Gerade wenn Ihre Schulungen nicht nur an einem Standort zum Einsatz kommen, sollten Sie auf einen dialekt- und akzentfreien Sprecher setzen, damit Ihre Mitarbeiter nicht unnötig irritiert sind. In diesem Fall sind auch regionale Sprichworte oder Redewendungen mit Vorsicht zu genießen.
  3. Aufnahmequalität
    Alles, was den Lernenden von dem eigentlichen Inhalt ablenkt, geht auf Kosten des Lernerfolgs. Störende Hintergrundgeräusche oder eine schlechte Aufnahmequalität haben nichts in Ihrer Schulung zu suchen. Sie können im schlimmsten Fall auch den Eindruck suggerieren, dass die Inhalte nicht wichtig genug sind, dass sie hochwertig produziert werden.
  4. Verfügbarkeit des Sprechers
    Sollten Sie eine längerfristige, thematisch zusammenhängende Schulungsmaßnahme planen, ist die Verfügbarkeit des Sprechers kein unwichtiges Thema. Ein Wechsel der Lernbegleiter-Stimme führt nicht nur zu unnötiger Unruhe, sondern wirft auch Fragen beim Lernenden auf.
  5. Authentizität
    Der wohl wichtigste Punkt bei der Wahl des richtigen Sprechers: Authentizität. Der Sprecher bzw. die Stimme des Sprechers muss zu Ihrem Inhalt passen und diesen unterstützen. Sie muss Ihre Aussagen glaubhaft vermitteln und gleichzeitig dafür sorgen, dass sich Ihre Mitarbeiter mit ihr identifizieren können. Dabei wird vor allem der Stimmfarbe viel Bedeutung zugesprochen.

Einsatzmöglichkeiten für Sprecher im E-Learning

Wie ein Sprecher im E-Learning eingesetzt wird, hängt vom didaktischen Konzept ab. Ob akzentuiert als Lernbegleiter oder als Hauptakteur im Storytelling: Setzen Sie auf kleine, strukturierte Wissenshäppchen, die einfach verzehrt werden können. Reduzieren Sie die Komplexität der Inhalte und profitieren Sie von der Vielzahl der Darstellungsformen. Ihre Mitarbeiter werden eine abwechslungsreiche Wissensvermittlung zu schätzen wissen.

Für mehr Action kann auch der Einsatz von passenden Sounds im E-Learning sorgen. Die Inhalte werden dadurch noch bewusster wahrgenommen und der Lerner wird in den Lernprozess integriert, da er ihn aktiv durchlebt. Die Wahl des richtigen Sprechers und der richtigen Geräusche erzeugt so nicht nur Emotionen und sorgt für die nötige (Lern-)Motivation, sie lösen vor allem Neugierde aus: Neugierde auf mehr Inhalte. Auf Ihre Schulung.

Hier ein Beispiel unserer Mediendesigner, das Sprecher und Sound miteinander kombiniert:

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Weblinks:

Ein bisschen mehr Kreativität, bitte!

Kreative Lernmethoden und Lehrtechniken

Kreative Lernmethoden Lehrtechniken E-Learning

© Jakob Schiller

Seitenlange Dokumente, abstrakte Formeln oder fahle Präsentationen – wenn es um die Vermittlung von Wissen geht, ist Kreativität gefordert, denn nur attraktive Lerninhalte sorgen für die nötige Aufmerksamkeit beim Lernenden und dafür, dass das Ziel der Schulung erreicht wird. Eine effiziente Wissensvermittlung hängt somit nicht nur von den Inhalten selbst ab, sondern auch von der Darstellungsform. Kurz gesagt: Inhalte, die didaktisch und optisch ansprechend aufbereitet sind, einen kreativen Mix der Lehr- bzw. Lernmethode bieten und für die Zielgruppe passend sind: „Ja! Mehr davon!“

Kreativität in der E-Learning-Praxis

Das wohl mächtigste Argument gegen kreative Lehr- und Lernmethoden ist die Zeit. Eine Präsentation zu erstellen, Texte einzufügen und hier und da vielleicht eine Grafik zu zeigen – ja, das geht schnell. Aber ist das der Sinn von Aus- und Weiterbildung? Oder besser gesagt: Ist das Ihr Anspruch? Auch auf die Gefahr hin, dass wir uns wiederholen: Lernen darf nicht als zeitfressender Zeitvertreib angesehen werden. Lernen soll Spaß machen. Lernen bzw. die Qualifizierung Ihrer Mitarbeiter soll nicht nur dem Lernenden selbst, sondern langfristig vor allem Ihrem Unternehmen etwas bringen. Die (Zeit-)Investition, die Sie in die Lernmethode bzw. Lehrtechnik und die Attraktivität von Lerninhalten tätigen, wird sich rentieren.

Um Ihnen ein wenig Inspiration zu geben, haben wir einige Lernmethoden herausgestellt, die für mehr Pepp in Ihren Lerninhalten sorgen und sich einfach für E-Learning umsetzen lassen. Probieren Sie es einfach aus.

Merksprüche, Geschichten und Anekdoten

Beispiele, Beispiele, Beispiele – wenn Sie etwas abstraktes mit Hilfe eines Beispiels verdeutlichen, so wird der Inhalt umso einfacher zu verstehen. Verpackt in einer übergreifenden Geschichte – Stichwort Storytelling – wird dieser Effekt zusätzlich verstärkt. Der Bezug zum Arbeitsalltag ist dabei besonders wichtig, damit dem Lernenden klar wird, warum dieser Inhalt für ihn wichtiger ist und damit das Gelernte später besser auf die Arbeit übertragen werden kann.

Merksprüche oder zusammenfassende Merkboxen am Ende eines Abschnittes sind ebenso eine gute Gedächtnisstütze. Durch eine optische Hervorhebung sorgen Sie für Aufmerksamkeit und prägen sich bildlich bei dem Lernenden ein.

Ein Bild sagt mehr als tausend Worte

Gerade wenn es um Prozesse geht oder die Auswirkungen einer Handlung, sind Grafiken das richtige Mittel. Sie unterstützen das Geschriebene, erzeugen Emotionen und sorgen so für eine bessere Aufnahmefähigkeit der Informationen und insgesamt für mehr Verständnis. Kommen noch Interaktionen (z.B. programmierte Schaltflächen) hinzu, können die Lernenden die Grafik tatsächlich erkunden und so nach dem learning-by-doing Prinzip die Inhalte vertiefen. Gemäß dem 70-20-10 Modell lernen wir Dinge nämlich am besten, wenn wir sie selber erledigen. Vermitteln Sie also erst die Inhalte und bauen Sie diese dann in praktische Übungen ein, um das Gelernte zu verfestigen.

Gerade Freitextfragen werden oft als Art der Abfrage unterschätzt, dabei sorgen Sie dafür, dass der Lernende mitdenkt und nicht nur schnell durch die Inhalte klickt. Bitten Sie den Lernenden z.B. am Ende einer Lerneinheit, alle wichtigen Informationen zu dem gerade Gelernten zusammen zu fassen. Dadurch erzeugen Sie eine viel intensivere Auseinandersetzung mit den Inhalten als wenn Sie nur eine Single / Multiple Choice Abfrage vornehmen.

Öfter mal was Neues? Wie wäre es z.B. mit einem „Refresher“ nach einem bestimmten Zeitraum? Also einer abgespeckten Lerneinheit, die das neue Wissen noch einmal kurz zusammenfasst und verankert. Eine Schulungsmaßnahme allein erreicht oft nicht ihr Ziel, denn eine effiziente Weiterbildung besteht aus lebenslangem Lernen und aufeinander aufbauenden Lerninhalten, die ständig wiederholt werden. Lieber viele kleine und kurze Lerneinheiten als einen großen Wissensbrocken.

Lernen mit allen Sinnen

Sehen, Hören, Riechen, Schmecken, Tasten – sprechen Sie bei Ihren Schulungen (so gut es geht) alle Sinne an, um jedem Lerntypen gerecht zu werden. Wie? Indem Sie zum Beispiel zusätzlich zum Text einen Podcast (Hören) oder ein Video (Sehen) anbieten. Je nach Thema lassen sich auch andere Sinne ansprechen. Diese neue Herangehensweise an einen Inhalt sorgt nicht nur für Abwechslung, sondern auch für einen Überraschungseffekt bei Ihren Lernenden und das wiederum erzeugt die Aufmerksamkeit, die Sie für die Vermittlung Ihrer Inhalte benötigen.

Memory

Bei dem Wort „Memory“ fühlt sich wohl jeder von uns kurz in seine Kindheit zurückversetzt. Das für Kinder simple Prinzip lässt sich aber auch auf die Erwachsenenbildung übertragen. Mit Zuordnungsfragen können Ihre Lerner Inhalte in Verbindung setzen und so für Verknüpfungen im Gehirn sorgen, durch die die Inhalte schneller gelernt werden. Und zwar nicht nur für das Kurzzeitgedächtnis sondern auch langfristig.

Loci-Technik oder auch 360° Methode

Bei der Loci-Methode werden zunächst einzelne Begriffe / Inhalte auf Stichwortzetteln notiert und anschließend in einem Raum verteilt. Der Lernweg entspricht dann einer bestimmten Route durch diesen Raum. Die Methode bedient sich dabei dem räumlichen Erinnerungsvermögen des Gehirns, das durch die Verknüpfung eines Schlüsselwortes an einem bestimmten Ort aktiviert wird. Dieses Prinzip funktioniert natürlich auch für E-Learning. Wenn Sie also beispielsweise wichtige Fachbegriffe vermitteln möchten, so können Sie die einzelnen Inhalte in einem virtuellen Raum anordnen und sie so von dem Lernenden erkunden lassen (Ein Beispiel dafür ist die interaktive Büroumgebung der Paul Hartmann AG, die unsere Mediendesigner für die Vertriebsmitarbeiter/innen entwickelt hat). Entweder Sie geben dabei eine bestimmte Marschrichtung vor oder Sie lassen den Lernenden die Inhalte frei erkunden. Kombinieren Sie dazu noch Storytelling, erzeugen Sie nicht nur eine spannende Lernumgebung, sie sorgen auch dafür, dass der Lernende wissbegierig wird und motiviert die einzelnen Inhalte bearbeitet.

 

Und zum Schluss der Satz, der eigentlich für alles im E-Learning gilt: Der Mix macht’s. Weder Lerninhalte, die nur eine Methodik berücksichtigen noch die Lerninhalte, die aus einem bunten Strauß an Lern- bzw. Lehrmethoden bestehen, sind zielführend bzw. für Ihre Zielgruppe attraktiv. Vielmehr kommt es auf den gezielten Einsatz der richtigen Methoden an. Probieren Sie es einfach mal aus.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Lernen durch Erfahrung – Geht das mit E-Learning?

Lernen durch Erfahrung

© BartCo

Prinzipien für gelungene E-Learnings

Können Ihre Mitarbeiter und Kollegen durch Erfahrungen in einem E-Learning lernen? Was sind die Folgen einer Entscheidung und welche Erfahrungen können wir dadurch machen?

Eine Entscheidung kann laut den Wissenschaftlern Russo und Schoemaker unterschiedliche Ergebnisse haben:

  • Gute Entscheidung mit gutem Ergebnis (Karma)
  • Gute Entscheidung mit schlechtem Ergebnis (Pech)
  • Schlechte Entscheidung mit gutem Ergebnis  (Glück)
  • Schlechte Entscheidung mit schlechtem Ergebnis (Karma)

Da die Entscheidungen von uns getroffen werden, ist es leicht zu behaupten, dass die Ergebnisse durch unsere Entscheidungen entstehen. Es gibt viel zu viele Unwägbarkeiten die unsere Entscheidungsgrundlage verändern. Vielleicht haben wir Erfolg in einem Projekt, aber dies ist nicht auf unsere Entscheidung Jonas einzustellen zurückzuführen, sondern darauf, dass Brigitte seine Krankheitsvertretung wurde. Jetzt wissen wir plötzlich, dass Brigitte eigentlich immer die richtige Wahl war.

Je nachdem wie das Projekt ausgegangen ist, kann also eine richtige Entscheidung zu einem schlechten Ergebnis führen und eine falsche Entscheidung zu einem guten Ergebnis. In den meisten Fällen neigen wir nicht zum Eingestehen von Fehlern, sondern interpretieren unsere Entscheidungen im Vergleich zu dem Ergebnis, mit einem sogenannten Rückschaufehler und sagen: „Hab ich es doch gewusst!“. In der Forschung spricht man dabei von einer narrativen Verzerrung, in der wir die Erinnerungen an die Vergangenheit durch unsere Erzählstrategie verändern.

Wie Sie mit besseren Entscheidungen Wissen vermitteln

Der Psychologe Daniel Kahnemans hat für das Treffen besserer Entscheidungen einen einfachen Tipp: „Gehen Sie in den nächsten Supermarkt und kaufen Sie sich ein Notizbuch – um wie ein Kapitän ein Logbuch über die wichtigen Entscheidungen zu führen. So können Sie überprüfen, welche Entscheidung zu welchem Ergebnis geführt hat und so werden unsere Rückschaufehler offensichtlich. Stift und Papier sind hierbei die erste Wahl, da wir bei einem digitalen Logbuch dazu neigen unsere Aussagen zu „korrigieren“.“

Wie können wir dieses Wissen für die Gestaltung von Trainingseinheiten nutzen?

Der komplexe Wirtschaftsmarkt hat nur einen begrenzten Bedarf an Sicherheitsunterweisungen, Datenschutzrichtlinien und Ähnlichem. Die meisten Entscheidungen und Aufgaben in der Arbeitswelt sind wesentlich komplexer und benötigen mehr Fähigkeiten als das simple Auswendiglernen von Richtlinien.

Als Wissensarbeiter treffen Sie jeden Tag eine Vielzahl von Entscheidungen und gerade wie und warum Sie diese Entscheidungen treffen, ist in der Zukunft wichtig (Thema Ressourcen sparen, Fehler erkennen, Prozesse optimieren, Entscheidungen bestätigen). Ein gutes E-Learning zum Aufbau Ihrer Mitarbeiter bezieht diese Bereiche mit ein. Lassen Sie Ihre Mitarbeiter Entscheidungen treffen! Evaluieren Sie dann, warum welche Entscheidung getroffen wurde. Richtig und/oder falsch sind moralische und mathematische Fragen. Wenn Herr Stollberg – Leiter des Marketings von dem Baumarkt XY – mehr Produkte verkaufen möchte, hat er verschiedene Wege dies zu erreichen – und keiner ist falsch: Er könnte mehr Werbung schalten, eine neue, moderne Corporate Identity aufbauen, die Qualität seiner Produkte verbessern oder diese zu einem niedrigeren Preis anbieten. Jede dieser Entscheidungen kann richtig oder falsch sein.

Woher wissen wir aber, welche Entscheidung wir getroffen haben, ohne dass wir eine Begründung erfinden, die dem Ergebnis entspricht? Gerade bei Tests ist dies ein Problem. Durch das Raten von Antworten können die Lerner bestehen und sagen „hab ich gewusst“. Entscheidungen zu begründen, zu erklären und zu vertreten ist wesentlich schwerer.

Anspruchsvolle Lernwelten und Lernszenarien

Eine gute Möglichkeit ist es, komplexe E-Learnings mit Szenarien zu konstruieren. Szenarien, in denen die Teilnehmer zum eigenständigen Denken angeregt werden und ihre Entscheidungen hinterfragen. Solche Szenarien können Sie natürlich auch in Avendoo® umsetzen: Als Werkzeug eignet sich hier z.B. die Freitextfrage, in der Ihre Lerner die Frage mit Ihren eigenen Worten beantworten, inklusive einer Begründung für die getroffene Entscheidung.

So könnte der Marketingleiter Herr Stollberg 55 Folien mit unterschiedlichen Informationen über die Weiterentwicklung von Werbeformen (Werbeartikel, Printmedien, Radiospots, etc.) lesen und danach einen Multiple-Choice Test machen, was effektive Formen der Werbung sind. Hierbei wird bewertet, wie gut er sich an die Informationen der Folien erinnert, die er gelesen hat. Die Frage ist nur, ob Herr Stollberg nun auch neue Ansätze probiert oder bei seinem alten Wissen bleibt. Vielleicht wäre ein anderes Szenario, in dem Herr Stollberg vor Entscheidungen gestellt wird, effektiver.

Ein Beispiel

Ihre Firma ist ein lokaler Baumarkt der sich gegen 3 andere Baumärkte durchsetzen muss. Sie haben ein Budget von 75.000€ für Ihre nächste Werbekampagne. Welchen der folgenden Wege würden Sie gehen, um den größtmöglichen Erfolg für Ihr Unternehmen zu bewirken. Begründen Sie Ihre Entscheidung.

  • Sie lassen 500.000 Flyer drucken und verteilen diese immer wieder im Einzugsgebiet. Was steht auf den Flyern?
  • Sie entwickeln ein Gewinnspiel, bei dem möglichst viele Menschen mitmachen: der erste Preis ist ein Auto, der zweite ein Großbild TV und die Plätze 3-10 erhalten eine aktuelle Spielkonsole. Was ist der Wettbewerb?
  • Sie machen eine Radiokampagne bei einem lokalen Radiosender. Welche Werbebotschaft verschicken Sie?

Herr Stollberg hat hier schwere Fragen zu beantworten. Was ist die langfristige Wirkung? Was bringt kurzfristigen Profit? Was ist über die Region hinaus interessant? Solche Fragen lassen sich nicht mit einem Kreuzchen beantworten, sondern durch eine eigenständige und nachhaltige Beschäftigung mit dem Thema.

Natürlich lässt sich dies auch als reine Multiple Choice Frage stellen, ohne Freitext und mit einer Antwort, die Tim zum Nachdenken anregt – indem er scheinbar scheitert. Trotz subjektiv richtiger Antwort.

  • Sie lassen 500.000 Flyer drucken mit einer besonderen Werbeaktion und verteilen diese immer wieder im Einzugsgebiet.
  • Richtige Antwort: 95% der Flyer wandern in den Müll und durch den Verstärkten Einsatz von Rabatten sinkt der Tagesumsatz nachdem die Kampagne beendet ist

Scheitern als Lernerfahrung und Chance

Normalerweise dürfen wir nicht scheitern, aber gerade Training ist ein Möglichkeitsform, in der wir Fehler machen können, ohne dass die Konsequenzen auf das wirkliche Leben überschwappen. Der Lerner kann die Frage nicht „richtig“ beantworten. Eine sogenannte Kobayashi Maru Aufgabe, die dazu dienen könnte die Frustrationstoleranz zu erhöhen, und/oder ihn über seine Entscheidung nachdenken zu lassen.

Um das Scheitern an diesem Punkt zu nutzen, ist die Freitextfrage ein hilfreiches Mittel. Hier kann der Lernende sein gesamtes Wissen einsetzen und über sich hinaus zu wachsen. In unserem Fall:

  • Was machen Sie, um diesen negativen Effekt umzukehren? Sie haben noch ein Restbudget von 2.500€.

Es gibt immer einige Themen, bei denen die Lerner wichtige Daten und Fakten auswendig lernen müssen, wie beispielsweise den korrekten Ablauf im Warenwirtschaftssystem. Aber auch diese Prozesse können mit Szenarien interessanter gestaltet werde:

  • Was passiert wenn Prozess X nicht ausgeführt wir?
  • Was könnten Folgen sein, wenn ….?

Bringen Sie Ihre Lerner dazu, dass sie in dem Lernprozess mitmachen und nicht nur teilzunehmen.

 

Ein Blog-Beitrag von Sven Goder und Jennifer Jordan


Weblinks:

  • http://www.fool.com/investing/beginning/2012/09/19/a-foolish-interview-with-michael-mauboussin.aspx
  • http://de.wikipedia.org/wiki/R%C3%BCckschaufehler
  • Winning Decisions: Getting It Right the First Time, J. Edward Russo; Paul J.H. Schoemaker http://www.amazon.de/exec/obidos/ASIN/0385502257/

Die Gießkanne hat ausgedient!

Content für die richtige Zielgruppe – das ist King

 „Es gab eine Zeit, da lernten kleine Kinder erst Laufen und Sprechen, später dann irgendwann Schwimmen und Radfahren. Das war normal. Heute ist es genauso normal, dass sie mit dem Laufen auch schon lernen, was ein Smartphone ist und wie man Bilder weiterblättert.“ – FAZ.NET / ala.

Zielgruppe Lerninhalte

© ClatieK

Im Unternehmen sitzen – schon alleine innerhalb einer Abteilung – verschiedenste Personen mit verschiedensten Lerntypen. Der neue Auszubildende kann sich mit dem Satz oben identifizieren, die 43-jährige Mutter am Schreibtisch gegenüber schüttelt den Kopf „Immer diese Smartphones“ und der rüstige Herr am Empfang, der bald in den Ruhestand geht, sagt „Die Jugend von heute. Früher war das nicht so.“ Auch wenn wir mit diesem Beispiel ordentlich überziehen und uns gängiger Klischees bedienen, so zeigt es aber auch eines ganz deutlich: Jeder ist anders. Jeder kommuniziert anders. Jeder denkt anders – warum soll das bei einer Aus- oder Weiterbildung nicht so sein? Denn auch hier gilt: Jeder lernt anders. Jeder bringt anderes Vorwissen mit – und: jeder hat seine individuellen Bedürfnisse. In der Überschrift heißt es „Die Gießkanne hat ausgedient!“ – was damit gemeint ist? Das Erstellen eines Lerninhaltes, der dann von oben herab (Personalchef) auf sämtliche Mitarbeiter gegossen wird – egal, ob es der Auszubildende ist, die Mutter oder der (Fast-)Rentner. Im Fachjargon auch Top-Down-Prinzip genannt.

Bedenken Sie, welche Zeit und welche Ressourcen Sie in jede Schulungsmaßnahme stecken. Vom Konzept bis zur Ausarbeitung, von dem Erstellen der Inhalte über die spätere Betreuung der Teilnehmer. Dieser Aufwand soll sich doch auch lohnen und die Lernziele sollen erreicht werden – dann denken Sie kleinschrittiger und haben Sie Ihre Zielgruppe im Blick. Natürlich bedarf es anfangs (noch) mehr Zeit, die einzelnen Inhalte auf die Zielgruppe abzustimmen, aber das Ergebnis ist dafür umso besser. Sie investieren viel, erhalten dafür aber ganz sicher umso mehr zurück.

Alles schön und gut – aber wie?

Setzen Sie sich zusammen und überlegen Sie – nein, fragen Sie besser direkt bei den Teilnehmern der Schulung nach, was für Sie eine gute Schulung ausmacht. Mit diesen Erkenntnissen können Sie zumindest den Inhalt der Schulung schon anpassen.

Natürlich ist es aber auch so, dass es Themen und Inhalte gibt, die so sind wie sie sind. Beispiel: Datenschutz. Da können Sie keine großen Varianten anbieten, da Gesetze nun einmal Gesetze sind. Sie können aber in der Darstellung variieren, passende Beispiele liefern, Videos einbinden oder alternativ zu einer Präsenzveranstaltung einladen. Lassen Sie Ihrer Kreativität freien Lauf, Sie glauben gar nicht, was für Aus- und Weiterbildungsinhalte so zu Stande kommen.

Digital Native, Immigrant oder doch Silver Surfer?

Starten Sie zu Beginn doch am besten erst einmal mit einer einfachen Kategorisierung Ihrer Zielgruppen, z.B. so:

 

Digital NativesDigital ImmigrantsSilver Surfer
Menschen, die mit Computern und Internet, Videospielen und Smartphones, Tablets und Social Media aufgewachsen sind, also in die digitale Welt hinein geboren wurden und den Umgang mit ihr wie selbstverständlich beherrschenMenschen, die erst im Erwachsenenalter mit digitalen Technologien in Berührung gekommen sind und den Umgang lernen müssenMenschen, die im hohen Alter den Umgang mit dem Internet und weiteren, digitalen Technologien erlernen müssen
Denk- und Lernweise Denk- und Lernweise Denk- und Lernweise
/ Informationen werden sehr schnell empfangen und auf sie kann direkt zugegriffen werden / paralleles Arbeiten und Multitasking / Grafiken werden Texten eher bevorzugt / In Vernetzung funktionieren sie am besten / Volle Entfaltung bei sofortiger und häufiger Belohnung / Spielerisches statt ‚seriösem‘ Arbeitsklima/ Im Gegensatz zu den Digital Natives: etwas langsamer / Schritt für Schritt statt vielen Aufgaben gleichzeitig / Koordiniertes, geplantes Arbeiten / Individualität spielt eine große Rolle / Job ist Job, Freizeit ist Freizeit – eher ernste Arbeitsatmosphäre/ Konservative Arbeitsweise / Versuchen noch häufig, den technischen Wandel zu umgehen oder „ohne“ auszukommen / bevorzugen intuitive und logische Nutzerführung und Bedienung der Seitenelemente / Schätzen emotionale Ansprache benötigen insgesamt mehr Gewöhnungszeit an neue Technologien als ein Digital Immigrant

 

Content für die richtige Zielgruppe – das ist King

Diese Art der Kategorisierung ist nur eine Variante – es gibt natürlich auch noch viele weitere und individuellere Möglichkeiten, die Zielgruppe zu bestimmen. Sollten Sie feststellen, dass Ihre Schulung z.B. sowohl für Digital Natives als auch für Silver Surfer sein soll, so müssen Sie nicht zwingend zwei einzelne Schulungsmaßnahmen auf den Weg bringen, wie dieses Beispiel zeigt: „Dieses Ziel [die Kombination der beiden Zielgruppen] kann durch eine Website erzielt werden, die auf den ersten Blick bereits klare, eindeutige und intuitiv erfassbare Grundfunktionalitäten bietet und in dieser Startversion die Silver Surfer schnell und optimal führt. Nach den Prinzipien des Human Interface Design gestaltet und konzipiert, bietet sie ein starkes, stringentes Grundkonzept. Auch der Digital Native kann diese Seite nutzen, denn sie ist zugleich ein Einstieg zu schnell und einfach aufbereiteten Informationen. Aber die Website muss mehr können. Die Advanced Version entsteht durch zusätzliche Funktionalitäten, die in der Struktur der Website nachgelagert sind, zum Beispiel durch einfache „Mehr Funktionen“-Buttons. Diese Zugänge können – müssen aber nicht – genutzt werden. Ziel muss es sein, digitale Anwendungen zu schaffen, die mit dem Nutzer zusammen wachsen und auf sein Verhalten reagieren können.“

 

Wie so oft kommt es also auch hier auf den richtigen Mix an. Gelingt es Ihnen aber, Inhalte, Zielgruppe und die richtige Methodik/ Didaktik zu identifizieren, steht der erfolgreichen Produktion und Durchführung Ihrer Aus- oder Weiterbildung nichts mehr im Weg.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Weblinks:

Lernen im Miniformat – Lernnuggets

Lernen im Miniformat - Lernnuggets

© Viktor Hanacek

Die kleinen Stücke vom Wissenskuchen

Was haben der gestresste Wissensmanager Thomas und seine 14 jährige Tochter Noel gemeinsam? Eine ziemlich kurze Aufmerksamkeitsspanne – wenn auch aus unterschiedlichen Gründen.

Ist Noel daran gewöhnt mit 5 Personen zu chatten und nebenbei kurze Medienschnipsel wie YouTube Videos, Facebook Nachrichten und Top10 Listen zu konsumieren, wird sie noch dazu durch ihre Hormone von allen wichtigen Aufgaben abgelenkt. Wissensmanager wie Thomas werden von 5 Abteilungen belagert, müssen Berichte schreiben und haben nur sehr wenig Zeit zwischen ihren wichtigen Aufgaben. All diese Dinge haben subjektiv eine höhere Priorität als die eigene Weiterbildung.

Joel und Thomas gehören zu sehr unterschiedlichen Personengruppen und können – wie jeder ohne viel Zeit oder Lust auf lange Weiterbildungsformate – durch Lernnuggets, auch bekannt als Micro-Lernen, angesprochen werden.

Was ist Micro-Lernen?

Micro-Lernen ist schnell beschrieben: es sind kleine, sehr kurze Lerneinheiten. Die Dauer kann sich von einigen Sekunden bis zu ein paar Minuten erstrecken – nicht aber mehr. Diese Lerneinheiten werden klassisches Lernen nicht ersetzen. Zu kurz sind die Einheiten, um einen entsprechenden Lern-Zustand zu erreichen und sich tief in ein Thema hinein zu versetzen oder es komplett zu durchdringen – aber das ist auch nicht der Sinn der Sache. Kann das Versprechen, dass diese Mini-Lerneinheiten einen didaktischen Wert haben, gehalten werden?

Einsatzgebiete und der didaktische Wert von Lernnuggets

Lernnuggets können an vielen unterschiedlichen Stellen als Ergänzung zu einem regulären Training eingesetzt werden. Die Lerneinheiten werden bewusst kurz gehalten, damit die Lerner sie schnell zwischendurch konsumieren können. Beispiele für Micro-Lernen sind z.B.:

  • Minispiele wie Multiple Choice Fragen, Quizze, Gamification
  • Vokabeltrainer wie Karteikarten
  • Kurze (Impuls-)Videos
  • Information/Frage/Quiz des Tages/der Woche/des Monats
  • Fragen zu Themen beantworten, Wiederholen von vorher behandeltem Wissen
  • Foren, Wikis oder andere Möglichkeiten Wissens- und Informationstransfers anzustoßen

Vom didaktischen Standpunkt aus gesehen kann durch solche Lerneinheiten vorhandenes Wissen vertieft und verfestigt werden, kommt die Wiederholung von Lerninhalten doch oft viel zu kurz.

Auch Micro-Lernen hat seine Vor- und Nachteile

Insbesondere im innerbetrieblichen Lernen sind die Zeitfenster, wenn das Lernen neben der Arbeit stattfinden muss, begrenzt. Hierbei hilft es, kleine Häppchen des großen Wissenskuchens aufzuteilen. Wie bei dem Kuchen hilft es, Wissen zu kategorisieren, aufzuteilen und die Informationen auf das Wesentliche zu beschränken, anstatt 10 Stücke zu verputzen und sich den Magen zu verderben, um am Ende kaum Informationen aufzunehmen und sich vollgestopft zu fühlen.

Micro-Lernen ist also besonders für kleine Lernhäppchen geeignet. Egal ob als Wiederholungen, zur Zeitüberbrückung an einer Bushaltestelle oder kurze 15 Minuten, die in den täglichen Arbeitsplan eingebaut werden. Dieser Wissenserwerb kann von gesteuertem Lernen z.B. durch Übungen und Videos ausgehen, aber auch das einfache intrinsisch motivierte Lesen und verstehen eines Fachartikels sein. Einzelne Elemente eines Trainings können sehr gut durch winzige Lerneinheiten ausgelagert werden.

Die Nachteile von Lernnuggets ergeben sich aus dem Hauptvorteil, denn die Lerneinheiten sind sehr kurz. Die didaktische Aufbereitung muss hierbei sehr gut sein, damit die kurzen Wissenseinheiten in einem größeren Zusammenhang eingeordnet werden können. Diese Kürze führt dazu, dass sich ein richtiger Lern-Zustand nur bedingt einstellen kann, denn dafür ist es nötig, dass sich der Lernende über längere Zeit mit einem Inhalt beschäftigt. Lernnuggets sind aufgrund Ihrer Länge nicht dafür ausgelegt.

Eine berechtigte Frage ist, ob Lerneinheiten grundsätzlich kurz gehalten werden müssen, um bestimmte Zielgruppen anzusprechen, die durch Ihre Lebens-/Arbeitswelten und dem aktuellen Medienkonsum einer Schnipselkultur nur sehr kurze Konzentrationsspannen haben. Wir zweifeln daran und halten es mit dem Philosophen Julien Baggini: “[…]just because something takes 18 minutes to watch, that doesn’t mean it takes only 18 minutes to fully understand.”

Wie wir Lernerfolge verbessern können

Micro-Lernen ist einer der vielen Bauklötzchen in Ihrem Repertoire. Lernen ist oft anstrengend und von Wiederholungen geprägt, aber dadurch wird das Wissen vertieft und Inhalte werden langfristig verstanden. Natürlich soll Lernen Spaß machen – dies ist für uns ein wichtiger Punkt beim Trainings-Design – schließlich fördert Spaß die intrinsische Motivation und wenn ein Mitarbeiter gerne an etwas arbeitet, macht er es wahrscheinlich öfter und wird besser. Micro-Lernen benötigt aber gerade deswegen eine didaktisch wertvolle Aufbereitung von Inhalten, denn neben dem ganzen Spaß gibt es auch noch die „harte“ Seite des Lernens. Für Trainer und Lerner gilt es deshalb bei Lerneinheiten die Motivation „durchzuhalten“ zu fördern, um längere Lernprozesse erfolgreich zu meistern, anstatt die Flucht ins Micro-Lernen zu ergreifen. Dazu ist es aber auch notwendig, Räume und Zeiten für Lernprozesse zu schaffen, damit die Weiterbildung konsequent in den Arbeitsalltag integriert werden kann.

Sollten Sie in Ihren Schulungen also mit Micro-Lerneinheiten arbeiten? Auf jeden Fall! Denn auch wenn es einige Kritikpunkte gibt – Micro-Lernen ist ein sehr gutes Werkzeug und wie in jedem guten Werkzeugkasten gibt es unterschiedliche Werkzeuge für unterschiedliche Anforderungen.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan

Das kleine 1×1 der Fragen-Methodik

Fragen Mehtodik für WissenstestsErfolgreiche und weniger erfolgreiche Wissenstests unterscheiden sich vor allem durch eines: die Methodik der einzelnen Fragen – aber wie fragt man eigentlich richtig? Welche Methodiken gibt es und worauf muss man achten? Für diese Fragen haben wir Ihnen ein kleines 1×1 der Fragen-Methodik erstellt.

Unter dem Begriff „Fragen-Methodik“ verstehen wir die gezielte Verwendung von Fragetechniken, um das Wissen der Lernenden optimal abzufragen. Dabei unterscheiden wir generell zwischen geschlossenen und offenen Fragetypen. Bei geschlossenen Fragen muss der Lernende aus vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wählen, also z.B. Ja/Nein-Fragen oder Single bzw. Multiple Choice-Fragen. Offen Fragen sind hingegen dadurch gekennzeichnet, dass der Lernende eine individuelle Beantwortung vornehmen kann, z.B. in Form von Freitextfragen.

Welche Methodik zu welcher Frage passt, hängt von Ihrem Inhalt ab und der Intention, die Sie damit bewirken möchten.

Unsere Bausteine für erfolgreiche Fragen

Dass jeder Wissenstest anders ist und einer individuellen Betrachtung bedarf, ist Ihnen sicher bekannt. Es gibt aber einige Grundregeln, die wir Ihnen aus unserer Praxiserfahrung heraus ans Herz legen möchten, damit die Fragen Ihres Wissenstests erfolgreich sind:

  1. Machen Sie sich, bevor Sie die einzelnen Fragen für einen Wissenstest erstellen, gründliche Gedanken zum Inhalt und definieren Sie ein Ziel, welches Sie durch die Abfrage erreichen möchten. Überprüfen Sie am Ende einer jeden Frage, ob diese dem Lernziel entspricht und hinterfragen Sie kritisch, ob Sie die passende Methodik gewählt haben.
  2. Verwenden Sie kurze Formulierungen und eine einfache Satzstruktur, damit Ihre Mitarbeiter auf Anhieb verstehen, worauf Sie mit dieser Frage abzielen.
  3. Stellen Sie klare Fragen, die einfach zu verstehen sind und formulieren Sie auch tatsächlich nur eine einzige Frage. Eine Kombination von mehreren Fragestellungen oder schwammige Aussagen können Ihre Lernenden überfordern und dazu führen, dass vom eigentlichen Inhalt abgelenkt wird.
  4. Formulieren Sie die einzelnen Fragen so, dass sie nicht nur die momentane Arbeit voranbringen, sondern auch dabei helfen, dass sich Ihre Mitarbeiter darüber hinaus weiterentwickeln.
  5. Fangfragen sagen Ihnen nichts über den Wissenstand Ihrer Mitarbeiter aus, sondern nur, ob er/sie den Fragentyp verstanden hat. Vermieden Sie diese also, denn so entstehen unnötig schwere Fragen.
  6. Bei der Wahl der Fragen-Methodik ist Abwechslung Trumpf. So halten Sie die Konzentration Ihrer Mitarbeiter aufrecht und motivieren sie.
  7. Bedenken Sie bei den einzelnen Fragen, dass Ihre Lernenden die Antwort auch kennen müssen bzw. fragen Sie sich „Woher können meine Lernenden das wissen?“. Das klingt womöglich etwas merkwürdig, aber nur die Inhalte, die Sie auch tatsächlich vermittelt haben, sollten Sie auch abfragen.
  8. Sobald Sie die Fragestellung einer Frage bearbeitet haben, achten Sie darauf, dass die Antwortmöglichkeiten noch zur Fragestellung passen. Falls nicht, nehmen Sie Änderungen vor.
  9. Führen Sie einen Vorab-Test Ihres Wissenstests durch. Durchlaufen Sie dabei den gesamten Wissenstest aus Sicht Ihrer Lernenden. Warum? Durch diesen anderen Blickwinkel werden Sie möglicherweise auf Probleme aufmerksam, die Ihnen beim Erstellen der Fragen nicht bewusst waren.

Was Ihnen der Einsatz der richtigen Fragen-Methodik bringt

Wenn Sie bei der Erstellung Ihrer Wissenstestfragen auf die Fragen-Methodik achten, führt das zunächst einmal generell dazu, dass Ihre E-Learnings interessanter und hochwertiger werden – und interessante E-learnings sorgen bei Ihren Mitarbeitern dafür, dass Sie die Aus- und Weiterbildung nicht als langweilig oder frustrierend ansehen, sondern einen echten Mehrwert daraus mitnehmen. Wir haben dazu eine einfache Regel aufgestellt: Bessere Fragenqualität = bessere Lernergebnisse = motiviertere Mitarbeiter = mehr Spaß an Aus- und Weiterbildung.

Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang auch die Verwendung von Designvorlagen: Ihre Fragen werden nicht nur optisch ansprechend und einheitlich, sie enthalten auch standardmäßig alle wichtigen Elemente. Kurz: Titel, Handlungsaufforderung und Antwortbereich sind vorformatiert und müssen nur noch von Ihnen angepasst werden. So können Sie diese nicht mehr vergessen und gewährleisten im selben Zug, dass jede Frage einem gewissen Standard entspricht und, dass sich Ihre Mitarbeiter nicht bei jeder Frage neu orientieren müssen.

Ein weiterer Vorteil, der dadurch entsteht, dass Sie Fragen-Methodiken gezielt einsetzen, ist die Tatsache, dass Sie bei der Auswertung der Ergebnisse präzise und definierte Antworten erhalten, die eine höhere Aussagekraft besitzen. Der Grund dafür? Unüberlegte Fragestellungen können zu einem Interpretationsspielraum bei Ihren Mitarbeitern führen. Die Auswertung „falsch beantwortet“ kann daher z.B. darin begründet sein, dass Ihr Mitarbeiter Ihre Frage vielleicht nicht einmal verstanden hat. Im Umkehrschluss bedeutet eine richtig beantwortete Frage nicht zwingend, dass Ihr Mitarbeiter das Erlernte tatsächlich verstanden hat. Verwenden Sie daher gern auch offenen Fragen. So erhalten Sie ein viel besseres Bild, ob Ihre Mitarbeiter den Inhalt tatsächlich verstanden haben, diesen weiterführend bearbeiten können oder ob er/sie die Fakten nur auswendig gelernt hat.

Der Einsatz gezielter Fragen-Methodik hat allerdings auch eine Schwachstelle, die Sie nicht außer Acht lassen sollten – nämlich die Zeit. Diese wird unserer Meinung nach aber mit erfolgsversprechenden E-Learnings belohnt, aus denen eine erhöhte Mitarbeitermotivation resultiert – und das führt letzten Endes zu einer Optimierung Ihres Unternehmens.

 

Uns ist bewusst, dass unser 1×1 nicht vollständig ist und dass unsere Empfehlungen auf unseren persönlichen Erfahrungen beruhen, die wir im Laufe der Jahre gemacht haben. Sie kennen weitere Frage-Techniken oder haben andere Erfahrungen gesammelt? Dann erzählen Sie uns davon, in dem Sie einen Kommentar verfassen.

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan