Aus der Praxis: Tipps für die erfolgreiche Einführung eines LMS

Wir haben unsere Experten gefragt, worauf es ankommt

LMS, LXP, LCMS, RM… Die eLearning Branche hält viele Kürzel bereit, die auf den ersten Blick ganz schön verwirren können. Dabei dreht sich im Grunde genommen alles nur um das eine: Eine effektive Software die allen Anforderungen an eine moderne, zukunftsorientierte  Aus- und Weiterbildung entspricht.

Learning Management Systeme (kurz LMS) dienen der Planung, Durchführung und Kontrolle von Lernprozessen. Sie sind eine Software-basierte Unterstützung für die Aus- und Weiterbildung in einer Zeit, die von Digitalisierung, zunehmendem Wettbewerbsdruck und erläuterungsbedürftigen Produkten geprägt ist. LMS bilden heutzutage die Grundlage digitaler Bildungsprozesse.

Bei der Einführung eines LMS gibt es einiges zu beachten. Ein paar grundlegende Tipps haben wir bereits im Blogeintrag ‚10 Tipps für die erfolgreiche Einführung von E-Learning‘ zusammengefasst. Jetzt haben wir mit unseren Mitarbeitern aus dem Vertrieb gesprochen, um Impressionen aus ihrem Alltag und dem Kontakt zu Kunden zu sammeln, die sich entschlossen haben ein LMS zu nutzen. Was wird vor und während der Einführung meistens vergessen? Welche Stolpersteine können Sie ausbremsen? Welche essenziellen Punkte werden oft als irrelevant angesehen? Und wie packt man das alles richtig an?

1) Schaffen Sie sich nicht nur ein LMS, sondern eine Lernkultur

Aufbau einer Lernkultur

Übersicht der Einflussfaktoren einer Lernkultur im Unternehmen

Vor der Einführung eines LMS empfiehlt es sich, eine Bedarfsanalyse durchzuführen. Dabei werden zum Beispiel die technischen und personellen Anforderungen an das Unternehmen sowie die gewünschten Ziele überprüft. Wichtig ist es, darüber hinaus das Lernen in der Unternehmensstrategie zu verankern und eine richtige Lernkultur zu entwickeln.

Die Lernkultur besteht aus vier Kernelementen: Dem Unternehmen, den Trainern, den angewandten Technologien und den Lernenden.

Das Unternehmen entscheidet nicht nur über die Ziele, Zielgruppen und Rahmenbedingungen der digitalen Aus- und Weiterbildungsprozesse, sondern entwickelt im besten Fall eine Bildungsstrategie, die flexibel ist und sich nach Bedarf anpassen lässt. Teil der Bildungsstrategie ist es zum Beispiel, Lernzeiten und Lernplätze einzurichten.

Lernzeiten können während oder nach der Arbeitszeit stattfinden. Während der Arbeitszeit ist es wichtig, das Ansehen eines Lernvideos oder Durchführen einer Lernübung nicht als außerbetriebliche Beschäftigung abzustempeln. Das Unternehmen muss seinen Mitarbeitern vermitteln, dass Lernen ein Bestandteil ihrer Arbeit ist und ihnen den nötigen Raum dafür geben. Nicht nur die äußeren Umstände, sondern auch die innere Einstellung muss stimmen.

Lernzeiten nach der Arbeitszeit können zum Beispiel dadurch zu Stande kommen, wenn ein Lernen am Arbeitsplatz nicht möglich ist. Beispiele dafür sind eine sehr laute Arbeitsumgebung, zum Beispiel in einer Fabrikhalle, oder das Fehlen von ausreichend PCs am Arbeitsplatz.

Jeder Mensch lernt anders

Wenn Sie sich jetzt denken – wer lernt denn freiwillig nach Feierabend? Manche Menschen können sich abends zu Hause besser konzentrieren als tagsüber am Arbeitsplatz. Wenn den Mitarbeitern das Lernen leichter fällt, machen sie es lieber und es ist effizienter. Vielleicht haben Sie schon einmal von unterschiedlichen Lerntypen gehört: Manchen Menschen fällt es leichter Gehörtes zu lernen, andere merken sich Dinge besser, die sie lesen. Genauso gibt es Unterschiede für die ideale Lernumgebung. Manche Menschen lernen besser mit Musik, andere brauchen absolute Stille. Wieder andere brauchen eine aufgeräumte Lernumgebung, während es einigen egal ist, wo sie lernen (Quelle: IFLW).

Unser Tipp

Als Gegenleistung für nach Feierabend verrichtete Lernzeiten kann ein Stundenausgleich oder ähnliches vereinbart werden. In solchen Fällen ist es sinnvoll Rücksprache mit dem Betriebsrat des Unternehmens zu halten.

Aus der Praxis wissen wir, dass es sinnvoll ist, die Vorlieben ihrer Mitarbeiter im Vorhinein abzufragen, um dadurch langfristig den Lernerfolg zu verbessern. Sicherlich ist es schwierig, auf jede Person individuell einzugehen, aber es ist nützlich, Tendenzen festzustellen oder gegebenenfalls je nach Abteilung zu entscheiden.

2) Technologie und Content

Sie kennen das von sich selbst: Was Sie gerne machen, machen Sie mit mehr Motivation.

Daher ist es wichtig den Lernenden einen Anreiz zu geben. Ein weiterer Stolperstein hat mit dem Lerninhalt und der angewandten Technologie zu tun. Es ist wichtig, sich zu überlegen, welche Lerninhalte vermittelt werden sollen, woher das Unternehmen den Content bezieht und wie diese Inhalte umgesetzt werden.

Standard Compliance-Schulungen 1 zu 1 in ein LMS zu übertragen, bei dem sich der Anwender stumpf von Info zu Info klickt und schlussendlich eine Prüfung ablegt, wirken auf die Mitarbeiter abschreckend und langweilig. Dies führt leicht zu fehlender Motivation, Missgunst gegenüber dem Lernen und ausbleibendem Lernerfolg. Als Einstieg und um den Mitarbeitern das Thema ‚Lernen mit LMS‘ näher zu bringen, bietet es sich an, mit Hilfe der Technologie spielerisch zu erklären, wie sie funktioniert.

Darüber hinaus haben wir weitere Praxis-Tipps für den Lernerfolg Ihrer Inhalte:

  • Geben Sie den Lerninhalten Persönlichkeit: Verbinden Sie den Content zusätzlich mit Ihrem Unternehmen, indem Sie die Farben oder die Schrift Ihres CI, oder Ihr Logo verwenden. Erstellen Sie unter Umständen ganze Lernwelten, die den Arbeitsplatz, Gebäude oder Pausenräume darstellen. Durch das Kreieren von Bildern und Welten wecken Sie das Interesse der Lernenden.
  • Nutzen Sie Storytelling und Gamification-Ansätze: Entwickeln Sie Geschichten rund um den Lerninhalt und belohnen Sie die Lernenden nach abgeschlossen Lektionen oder Wissensüberprüfungen. Lassen Sie die Lernenden Beispielsweise den virtuellen Arbeitsplatz erkunden und durch die Lernwelt ‚wandern‘. Das macht Lust auf Mehr.
  • Bleiben Sie aktuell und abwechslungsreich: Passen Sie die Lernwelt aktuellen Ereignissen an, beispielsweise durch weihnachtliche oder sommerliche Motive. Nutzen Sie verschiedene Lehrmittel und Aufgabentypen und sorgen Sie regelmäßig für neuen Content, um die Lernenden nicht zu langweilen.
Bilden Sie eTrainer aus um eine effektive Nutzung des LMS zu gewährleisten

Bilden Sie eTrainer aus um eine effektive Nutzung des LMS zu gewährleisten

3) Auch Ausbilder müssen ausgebildet werden

Das beste LMS ist wirkungslos, wenn es nicht richtig bedient wird. Daher ist es wichtig, bestimmte Bereiche des Unternehmens zu digitalisieren und die Autoren, die das LMS betreuen, als qualifizierte E-Trainer auszubilden. Dadurch sichern Sie einerseits, dass alle Möglichkeiten des LMS optimal genutzt werden, und andererseits, dass die Lernenden bestmöglich unterstützt werden.

 

Zugegeben – die Möglichkeiten der Gestaltung hängen natürlich vom jeweiligen LMS ab. Um effektives Lernen zu ermöglichen sollten Sie jedoch nicht an den falschen Stellen sparen. Je mehr Mühe Sie sich bei der Gestaltung und Implementierung des LMS geben, desto größer ist der Lernerfolg und desto weniger Komplikationen gibt . Unser Praxis-Tipp ist die Implementierung einer Lernkultur in Ihrem Unternehmen, um ein ganzheitliches Konzept aufzustellen und einen effektiven Einsatz Ihrer eLearning Software zu gewährleisten.

Daher empfehlen wir Ihnen: Schaffen und pflegen Sie eine eigene Lernkultur in Ihrem Unternehmen und verfolgen Sie diese als ganzheitliches Konzept. Machen Sie Lernen zum Erlebnis.

Ein Blog-Beitrag von Laura Jung

 


Siehe dazu auch:

IFLW (Institut für integrative Lerntherapie und Weiterbildung): Wie lernt jeder Lerntyp am effektivsten?

https://www.iflw.de/blog/lernen/wie-lernt-jeder-lerntyp-am-effektivsten/

 

Bildquellen:

pexels.com CC0 License:

https://www.pexels.com/photo/action-adventure-climbing-daylight-303040/

https://www.pexels.com/photo/man-pointing-laptop-computer-2182981/