Neue Wege im E-Learning? Kollaborationswerkzeuge für vernetztes Lernen

Lernprozesse im Wandel – Arbeiten 4.0

Kollaborationswerkzeuge im E-Learning - Vernetztes Lernen, Arbeiten 4.0

© marfis75

Lernen, so wie es heute in vielen Unternehmen in Form von Präsenztrainings stattfindet, wird mehr und mehr durch das digitale Lernen erweitert. In den Fokus von betrieblicher Weiterbildung rückt aber zusätzlich auch der Lerner selbst: Seine Lernbedürfnisse. Seine Anforderungen. Seine Lernumgebung. Lernen findet nicht mehr zu festen Uhrzeiten oder an geplanten Terminen statt. Lernen ist ein tagtäglicher Prozess geworden, den es zu fördern gilt und für den die passenden Rahmenbedingungen geschaffen werden müssen. Dass E-Learning die Aus- und Weiterbildung effizienter gestalten kann, ist bekannt. Mit neuen Formaten und Ideen kann E-Learning aber z.B. auch um Diskussions- und Austauschprozesse erweitert werden, so dass die Lerner ihren Lernprozess selber mitgestalten können und aktiv Einfluss auf Ihre Wissenserweiterung nehmen.

E-Learning mit Kollaborationswerkzeugen aufbauen

Der kanadische Bildungsexperte Stephan Downes fragte schon 2005 »What happens when online learning ceases to be like a medium, and becomes more like a platform? What happens when online learning software ceases to be a type of content-consumption tool, where learning is ›delivered‹, and becomes more like a content-authoring tool, where learning is created? The model of e-learning as being a type of content, produced by publishers, organized and structured into courses, and consumed by students, is turned on its head. Insofar as there is content, it is used rather than read – and is, in any case, more likely to be produced by students than courseware authors. And insofar as there is structure, it is more likely to resemble a language or a conversation rather than a book or a manual.«. Greift man den Gedanken von Downes auf, so stellt sich die Frage nach den geeigneten Lernkonzepten und Werkzeugen, mit denen ein solcher Lernprozess umgesetzt und gestaltet werden kann.

Learning Communities und Social Intranets

Facebook, Twitter, XING – soziale Netzwerke kommen häufig vor allem im Privatleben zum Einsatz, aber die Funktionen können auch im Unternehmenskontexte verwendet werden. Avendoo® kombiniert z.B. die Learning Community und das Social Intranet. Der Newsstream auf der Startseite zeigt den Lernern alle aktuellen Neuigkeiten: Seien es Kurzmeldungen der Kollegen oder Systemnachrichten, die über neue Lerninhalte informieren. In der Community können sich alle Lerner miteinander austauschen und sich vernetzen (Die neue Avendoo® Community). In der Kurs-Community hingegen findet Kommunikation und Erfahrungsaustausch nur unter den Lernern statt, die einen bestimmten Kurs bearbeitet haben. Weitere Variante: Community Gruppen. Fassen Sie beispielsweise die Auszubildenden aller Standorte in einer Gruppe zusammen – so wächst die Identifikation mit dem Unternehmen, Ihre Lerner blicken über den Tellerrand hinaus und lernen gleichzeitig weitere Mitarbeiter kennen.

Da die Austauschprozesse in Learning Communities aber nur selten spontan stattfinden, sollten Sie über einen „Community Manager“ nachdenken, der als Moderator und „Eisbrecher“ fungiert. Außerdem sollten Sie die Community vor dem Start bereits mit Leben füllen, denn so verringern Sie die Einstiegshürde für Ihre Lerner und nehmen Ihnen die anfängliche Skepsis.

Mit Blog-Paraden für dynamische Kommunikation sorgen

Eine andere Möglichkeit, Ihre Lerner zum gemeinsamen Lernen zu ermutigen und den Erfahrungsaustusch voran zu treiben, sind Blogs und Foren. Kennen Sie „Blog Paraden“? Dabei legt ein Blog-Betreiber ein bestimmtes Thema fest und fordert alle Leser dazu auf, einen Artikel zu dem Thema zu veröffentlichen. Nach Ablauf des vorgegebenen Zeitraums werden die eingereichten Artikel kommentiert, zusammengefasst oder prämiert.

Umgemünzt auf die betriebliche Aus- und Weiterbildung könnte ein Lernprozess dann z.B. sein, sich in einem festgelegten Zeitraum mit dem Thema „Datenschutz“ auseinanderzusetzen und über die verschiedensten Aspekte zu bloggen. Dabei geht es nicht darum, wer wie viele Beiträge erstellt oder wer wie gut welche Quelle findet, sondern darum, dass eine aktive Auseinandersetzung mit den Inhalten und den Gesamtzusammenhang entsteht. Dadurch, dass die Lerner die Blogs und Beiträge von den anderen Kursteilnehmern sehen können, erhalten sie wieder neuen Input für eigene Beiträge. Schließen Sie die Blogparade z.B., indem Sie die zentralen Ergebnisse aus den einzelnen Beiträgen zusammenfassen und allen Lernern zur Verfügung stellen. Und sollten Sie zusätzliche Motivation für die Teilnahme schaffen wollen, können Sie über Anreize nachdenken, die die Lerner zusätzlich aktivieren, sich an der Parade zu beteiligen. Das muss definitiv nicht immer ein monetärer Anreiz sein, auch kleine Dinge sorgen für Zufriedenheit. Senden Sie den „besten“ Lerner z.B. am folgenden Freitag einfach eine Stunde eher in das Wochenende.

Diese Art der Weiterbildung ist sehr konträr zum jetzigen Standard, denn sie ist geprägt von dynamischer Kommunikation. Daher dienen Kollaborationswerkzeuge aktuell auch noch eher als zusätzlicher Baustein zur Schulung. In Zukunft können sich daraus aber auch eigenständige, asynchrone Schulungssituationen ergeben. Da es für informelle Lernprozesse keine fassbare Qualifikation ergibt, ist diese Art der Wissensvermittlung ganz sicher nicht für alle Zielgruppen geeignet- trotzdem sorgt sie für Abwechslung im Lernprozess und zeugt von einer anderen, zeitgemäßeren Herangehensweise an das Thema „Lernen und Arbeiten im Unternehmen“ (Informelles Lernen: Hype oder Zukunft?)

Informelles Lernen braucht Vertrauen

Mitarbeiter sind das größte Potenzial eines Unternehmens und sie halten oft mehr Wissen inne als Ihnen bewusst ist. Durch Kollaborationswerkzeuge können Sie Synergien schaffen, so dass Wissensmanagement übergreifend gelingen kann. Aber: Diese Kultur muss auch gelebt werden und die daraus resultierende Veränderung muss gewollt sein, denn sonst verfehlt auch das beste Werkzeug das Ziel (Lernkultur: Lebenslanges Lernen als Chance)

Wissen zu fördern heißt auch Ängste vor Sanktionen abzubauen. Damit vernetztes Lernen anerkannt wird, sollten vor allem Führungskräfte als Vorbilder agieren und sich als Vorreiter sehen. Veränderungen, die das digitale Lernen mit sich bringt, sollten nicht „von oben herab“ eingeführt werden, sie müssen von innen heraus gelebt werden. Und: Veränderung heißt auch Risiko. Die Digitalisierung stellt alles und jeden auf den Prüfstand, Sätze wie „aber das haben wir doch immer so gemacht“ sind nicht länger gültig. Und: Zum Verändern gehört auch das Scheitern. Nicht jeder Ansatz und nicht jede Idee wird zum gewünschten Ergebnis führen – daher müssen die Prozesse und die Rahmenbedingungen für erfolgreiches Lernen immer wieder aufs Neue geprüft und ggf. korrigiert werden. Change Management und Agilität sind dabei das Zauberwort, um die fast täglich wachsende Komplexität in Unternehmensprozessen abbilden zu können. Und genau an dieser Stelle greifen kollaborative Lernprozesse.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


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