Multiple Choice Fragen – Fluch oder Segen?

Multiple Choice Fragen – Fluch oder Segen?

© olly (#45697888)

Machen wir uns nichts vor, nur die wenigsten Menschen haben ein positives Verhältnis zu Multiple Choice Tests. Viele verbinden damit schlechte Erfahrungen an Schule oder Uni – Faktenwissen, das en Masse auswendig gelernt werden musste, um es nach der Prüfung zu vergessen. Dabei sind Multiple Choice Tests gar nicht so schlecht wie ihr Ruf – wenn man einige Grundregeln beachtet.

Multiple Choice (MC) Tests eignen sich besonders bei großem Prüfungsvolumen: Je mehr Teilnehmer eine Prüfung absolvieren sollen, umso einfacher wird die Auswertung der Ergebnisse, wenn mit MC Tests geprüft wird. Wenn Sie also schnell einige 100 Teilnehmer bewerten müssen, sind gute Multiple Choice Tests die Hämmer, die den Nagel auf den Kopf treffen.

Ohne Lernziele geht’s nicht

Vor dem Erstellen eines Tests sollten Sie sich grundlegende Gedanken machen, welches Lernziel Sie mit dem Test erreichen wollen. Für die Formulierung können Sie sich z.B. der Bloom´schen Lernergebnis-Taxonomie Tabelle bedienen (vgl. Anderson/Krathwohl 2001).

Bloom'sche Lernergebnis-Taxonomie

Dort stehen den vier Wissensbereichen Faktenwissen, Konzeptionelles Wissen, Prozedurales Wissen und Metakognitives Wissen jeweils fünf kognitive Prozessdimensionen gegenüber inkl. des Verbes für die Formulierung. Die Entwicklung der einzelnen Prüfungsfragen wird mit zunehmender Erkenntnisstufe immer schwieriger.

Erinnern– ist die Fähigkeit sich Informationen gegenwärtig zu machen, bzw. sie zu wiederholen, ohne sie notwendigerweise zu verstehen.

Verstehen – ist die Fähigkeit gelernte Informationen zu begreifen und interpretieren zu können.

Anwenden – kann als die Fähigkeit definiert werden, erlerntes Material in neuen Situationen nutzen zu können.

Analysieren – kann als die Fähigkeit bezeichnet werden, Informationen in ihre Bestandteile zu zerlegen, z.B. um Zwischenbeziehungen und Vorstellungen herauszuarbeiten.

Bewerten – ist die Fähigkeit die Bedeutung, die Qualität und den Wert einer Sache zu beurteilen.

Wichtig: Erst nach dem Formulieren eines konkreten Lernzieles sollten die entsprechenden Fragen abgeleitet und erstellt werden.

Multiple Choice Fragen richtig erstellen

Gut gestaltete Tests und somit richtig formulierte MC Fragen sorgen dafür, dass die Lernergebnisse zuverlässig, objektiv und den Lernern gegenüber gerecht sind – egal, ob diese Faktenwissen wiedergeben oder Problemlösungsstrategien entwickeln sollen. Bei der Konstruktion des Fragebogens obliegt daher dem Prüfer die Verantwortung, Tests zu erschaffen, die durch Prüfungsergebnisse gültige und zuverlässige Schlüsse auf die gesamte Leistung ermöglichen. In dem Blog-Beitrag „Das kleine 1×1 der Fragen-Methodik“ haben wir Ihnen bereits 9 Bausteine für erfolgreiche Fragen an die Hand gegeben, die wir nun für Multiple Choice Fragen erweitert haben:

  • Die Schwierigkeit einer MultipleChoice Frage sollte sich aus dem Aufgabeninhalt ergeben und nicht aufgrund einer künstlichen Verkomplizierung der Frage
  • Schachtelsätze, doppelte Verneinungen und überflüssige Informationen, die in keinem Zusammenhang zur Frage stehen, haben nichts in der Fragestellung zu suchen
  • Fragen Sie einfach, klar und formulieren Sie immer positiv
  • Alle erforderlichen Informationen, die für die Beantwortung der Frage notwendig sind, müssen auch darin enthalten sein – Ihre Fragen sollen kein Ratespiel sein
  • Ihre Lerner sollten die Fragen im besten Fall beantworten können ohne die Antwortoptionen lesen zu müssen
  • Erstellen Sie qualitativ hochwertige Antwortmöglichkeiten, damit Ihre Lerner Ihr Wissen unter Beweis stellen können

Welche Erfahrungen haben Sie mit Multiple Choice Fragen gesammelt? Empfinden Sie sie als Fluch oder als Segen?

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


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