Mit Lernkarten für frischen Wind im E-Learning sorgen

Lernkarten Lernkartei

© Alexey Ivanov

Warum Lernkarten Ihren Lernprozess bereichern

„Nennen Sie die drei wichtigsten Eigenschaften des Produktes XY“ – so oder so ähnlich kann die Fragestellung auf der Vorderseite einer Lern-Karteikarte aussehen. Ob es um einzelne Daten und Fakten geht oder um Prozessabläufe und Definitionen– das Prinzip des klassischen Karteikartensystems lässt sich auch digital erfolgreich umsetzen. Höchste Zeit, sich mit dieser Art der Wissensabfrage zu beschäftigen.

Bei dem Wort „Karteikarte“ mag sich der ein oder andere sicher kurz in seine Schulzeit zurückversetzt fühlen, denn diese Lernmethode kommt dort besonders häufig für das Lernen von Vokabeln zum Einsatz. Aber auch in der Erwachsenenbildung kann der Einsatz von sogenannten Lernkarten erfolgsversprechend sein und für eine nette Abwechslung sorgen – denn nicht immer ist der altbewährte Wissenstest am Ende einer Lerneinheit nötig. Mit einer Lernkartei können Sie das Wissen ihrer Mitarbeiter ebenso gut abfragen.

Das Prinzip von Lernkarten und Lernkartei

Jede Lernkarte besteht aus einer Vorder- und Rückseite, auf der vorne eine Fragestellung und hinten die passende Antwort/ Lösung steht. Alle Lernkarten können in Avendoo® zu sogenannten Lernkarteien zusammengefasst werden (so wie einzelne Wissenstestfragen beliebigen Wissenstest zugeordnet werden können). Diese digitale Lernkartei ist in einzelne Fächer unterteilt. Jede Lernkarte einer Lernkartei beginnt zunächst in Fach 1 und wandert, je nachdem ob sie richtig oder falsch beantwortet wurde, ein Fach weiter bzw. zurück. Es werden immer als erstes die Karten aus dem ersten Fach gelernt, also immer die Inhalte, die noch nicht richtig verstanden wurden. Je höher die Karte wandert, desto besser ist der Inhalt im Gedächtnis verankert. Befindet sich die Lernkarte im letzten Fach, ist der Lernprozess für sie abgeschlossen. Am besten Sie starten erst einmal mit 2- 3 Fächern und steigern dann nach und nach die Anzahl der Fächer.

Entwickelt wurde das Karteikastenprinzip von Sebastian Leitner in den 70er-Jahren. Die Idee dahinter: Inhalte, die häufiger falsch beantwortet werden, werden auch häufiger wiederholt und gelernt als die Inhalte, die sofort richtig beantwortet wurden und bereits im Gedächtnis sind. Dadurch erhält jede Lernkarte genau so viel Aufmerksamkeit, wie sie benötigt.

Vor- und Nachteile der Lernmethode „Karteikartensystem“

Ob die Verwendung des Karteikastensystems sinnvoll und zielführend ist, hängt von vielen Faktoren ab. Neben dem Inhalt selbst, kommt es z.B. auch auf die Zielgruppe der Schulung an. Generell lassen sich aber folgende Vor- und Nachteile für Lernkarten festhalten (diese Aufzählung ist natürlich nicht vollständig und darf gerne ergänzt werden):

 

VorteileNachteile

  • Eine Lernkartei sorgt für Abwechslung bei der Wissensabfrage und erzeugt daher mehr Aufmerksamkeit beim Lerner als der gewöhnliche Wissenstest

  • Damit ein Karteikasten funktionieren kann, muss der Lerner zu sich selbst ehrlich sein und seinem Wissenstand entsprechend die Lernkarten korrekt einsortieren

  • Durch die mehrfache, je nach Lernstatus passende, Wiederholung der Lerninhalte wird der Ebbinghaus Vergessenskurve entgegen gewirkt

  • Karteikästen sind ein für sich geschlossenes System, so dass ein späteres Nachschlagen einer einzelnen Lernkarte nicht mehr möglich ist

  • Dank der multimedialen Aufbereitung der Lernkarten ist möglich, dass unterschiedlichste Lerntypen (auditiv, visuell, kommunikativ motorisch) und Sinneskanäle angesprochen werden

  • Die Auswertbarkeit, also ob wirklich alle Lernkarten korrekt beantwortet wurden, ist bei einem Lernkarteikasten nicht so eindeutig, wie z.B. bei einem Wissenstest. Diese Lerntechnik beruht auf der Selbstständigkeit des Lerners

  • Lernkarten stellen eine offenere Wissensabfrage dar und regen eher zum Nachdenken an statt z.B. Multiple Choice Wissenstests

  • Das initiale Erstellen der einzelnen Lernkarten ist sehr zeitaufwändig. Zudem müssen die Karten äußert sorgfältig erstellt werden, da ansonsten die Fehler gelernt werden

  • Durch das (optische) Wandern der Karten zum Ziel wird zusätzliche Motivation beim Lerner erzeugt, da der Lernfortschritt jederzeit sichtbar ist

 

Lernkarten richtig erstellen – Tipps für den Start

Sie möchten mit Lernkarten durchstarten? Dann möchten wir Ihnen gerne vorab einige Tipps mitgeben. Achten Sie z.B. bei der Vorderseite der Lernkarte darauf, dass es sich bei der Fragestellung um keine rhetorische Frage handelt und die Fragestellung klar und deutlich formuliert ist. Zur besseren Strukturierung empfiehlt es sich, das Oberthema oder eine Kategorie auf die Lernkarte aufzunehmen. Das hilft vor allem dem Lerner, die Inhalte im Gesamtkontext einzuordnen.

Auch bei der Rückseite gibt es „Regeln“ zu beachten: Vermeiden Sie, dass die Antwort bzw. der Text für die Lösung die vollständige Lernkarte einnimmt. Stichworte genügen oft, aber bedenken Sie dabei, dass der Sinn und die Verständlichkeit weiter gegeben sind. Durch Schrift-Formatierungen (Fett, Kursiv, Unterstrichen) können Sie auch optisch dafür sorgen, dass sich der Lerner bestimmte Schlüsselbegriffe der Antwort noch besser einprägen kann.

 

Ansonsten gilt: Beginnen Sie erst einmal mit einer kleinen Kartei und wenigen Fächern und starten Sie evtl. einen Probelauf mit ausgewählten Lernern. Holen Sie anschließend Feedback ein und verbessern Sie auf Basis der Rückmeldungen Ihre Lernkarten. Alternativ könnten Sie eine Lernkartei beispielsweise auch als gemeinsames Projekt betrachten: Bitten Sie Ihre Lerner darum, sich aktiv an den Lernkarten zu beteiligen und Vorschläge für weitere Karteien vorzubringen. Dadurch kommen Sie mit Ihren Lernern ins Gespräch und sorgen gleichzeitig dafür, dass sie sich intensiv mit den Inhalten auseinandersetzen.

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan