Multiple Choice Fragen – Fluch oder Segen?

Multiple Choice Fragen – Fluch oder Segen?

© olly (#45697888)

Machen wir uns nichts vor, nur die wenigsten Menschen haben ein positives Verhältnis zu Multiple Choice Tests. Viele verbinden damit schlechte Erfahrungen an Schule oder Uni – Faktenwissen, das en Masse auswendig gelernt werden musste, um es nach der Prüfung zu vergessen. Dabei sind Multiple Choice Tests gar nicht so schlecht wie ihr Ruf – wenn man einige Grundregeln beachtet.

Multiple Choice (MC) Tests eignen sich besonders bei großem Prüfungsvolumen: Je mehr Teilnehmer eine Prüfung absolvieren sollen, umso einfacher wird die Auswertung der Ergebnisse, wenn mit MC Tests geprüft wird. Wenn Sie also schnell einige 100 Teilnehmer bewerten müssen, sind gute Multiple Choice Tests die Hämmer, die den Nagel auf den Kopf treffen.

Ohne Lernziele geht’s nicht

Vor dem Erstellen eines Tests sollten Sie sich grundlegende Gedanken machen, welches Lernziel Sie mit dem Test erreichen wollen. Für die Formulierung können Sie sich z.B. der Bloom´schen Lernergebnis-Taxonomie Tabelle bedienen (vgl. Anderson/Krathwohl 2001).

Bloom'sche Lernergebnis-Taxonomie

Dort stehen den vier Wissensbereichen Faktenwissen, Konzeptionelles Wissen, Prozedurales Wissen und Metakognitives Wissen jeweils fünf kognitive Prozessdimensionen gegenüber inkl. des Verbes für die Formulierung. Die Entwicklung der einzelnen Prüfungsfragen wird mit zunehmender Erkenntnisstufe immer schwieriger.

Erinnern– ist die Fähigkeit sich Informationen gegenwärtig zu machen, bzw. sie zu wiederholen, ohne sie notwendigerweise zu verstehen.

Verstehen – ist die Fähigkeit gelernte Informationen zu begreifen und interpretieren zu können.

Anwenden – kann als die Fähigkeit definiert werden, erlerntes Material in neuen Situationen nutzen zu können.

Analysieren – kann als die Fähigkeit bezeichnet werden, Informationen in ihre Bestandteile zu zerlegen, z.B. um Zwischenbeziehungen und Vorstellungen herauszuarbeiten.

Bewerten – ist die Fähigkeit die Bedeutung, die Qualität und den Wert einer Sache zu beurteilen.

Wichtig: Erst nach dem Formulieren eines konkreten Lernzieles sollten die entsprechenden Fragen abgeleitet und erstellt werden.

Multiple Choice Fragen richtig erstellen

Gut gestaltete Tests und somit richtig formulierte MC Fragen sorgen dafür, dass die Lernergebnisse zuverlässig, objektiv und den Lernern gegenüber gerecht sind – egal, ob diese Faktenwissen wiedergeben oder Problemlösungsstrategien entwickeln sollen. Bei der Konstruktion des Fragebogens obliegt daher dem Prüfer die Verantwortung, Tests zu erschaffen, die durch Prüfungsergebnisse gültige und zuverlässige Schlüsse auf die gesamte Leistung ermöglichen. In dem Blog-Beitrag „Das kleine 1×1 der Fragen-Methodik“ haben wir Ihnen bereits 9 Bausteine für erfolgreiche Fragen an die Hand gegeben, die wir nun für Multiple Choice Fragen erweitert haben:

  • Die Schwierigkeit einer MultipleChoice Frage sollte sich aus dem Aufgabeninhalt ergeben und nicht aufgrund einer künstlichen Verkomplizierung der Frage
  • Schachtelsätze, doppelte Verneinungen und überflüssige Informationen, die in keinem Zusammenhang zur Frage stehen, haben nichts in der Fragestellung zu suchen
  • Fragen Sie einfach, klar und formulieren Sie immer positiv
  • Alle erforderlichen Informationen, die für die Beantwortung der Frage notwendig sind, müssen auch darin enthalten sein – Ihre Fragen sollen kein Ratespiel sein
  • Ihre Lerner sollten die Fragen im besten Fall beantworten können ohne die Antwortoptionen lesen zu müssen
  • Erstellen Sie qualitativ hochwertige Antwortmöglichkeiten, damit Ihre Lerner Ihr Wissen unter Beweis stellen können

Welche Erfahrungen haben Sie mit Multiple Choice Fragen gesammelt? Empfinden Sie sie als Fluch oder als Segen?

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Weblinks:

 

E-Learning Didaktik: Wahrnehmungspsychologie III

Tipps-für-gute-Feedbacks

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Die Schriftart macht den Unterschied

Wer hasst schwer zu lesende Schriften nicht? Erst seit einiger Zeit ist bekannt, dass diese Schriften aber einen nicht zu unterschätzenden Vorteil haben.

Lektion 3: Warum schwerer lesbare Schriften zu besseren E-Learnings führen

Kennen Sie das folgende Beispiel? Sie sehen einen Text und die Schrift, die Sie anspringt, sagt: ich bin schwer zu lesen. Je nachdem, warum Sie diesen Text vor sich hatten, haben Sie sich entweder durch das Schriftbild gequält (Schule, Uni oder Job) oder den Text einfach beiseite gelegt (Freizeitlesen).

Unterschätzen Sie nicht die Schriftart

Hat die Schriftart also eine Auswirkung darauf, wie Sie sich an den Inhalt eines Textes erinnern oder wie Sie ihn verstehen? Anscheinend ja, denn Texte , die etwas schwerer zu lesen sind, werden subjektiv als schwerer wahrgenommen, selbst wenn der Inhalt gleich bleibt. Das spielt z.B. auch bei Aufgabenstellungen eine Rolle. So wurde in einer Versuchsreihe eine Fitnessaufgabe gestellt und die Teilnehmer bewerteten diese je nach Lesbarkeit als schwer oder leicht. Diese Bewertung spiegelte sich auf die Aufgabe selbst. Die Teilnehmer mit der schwer zu lesenden Aufgabe brauchten länger, um die Übungen der Aufgabe durchzuführen.

Ist dieses erschwerte Schriftbild denn schlecht? Ehe Sie glauben, dass schlecht zu lesende Schrift zwangsläufig negativ ist: Nicht so schnell! Sie kann auch Vorteile haben.

Ein Beispiel hierfür ist der kürzeste Intelligenztest der Welt, der Cognitive Reflection Test. Dieser besteht aus 3 Fragen, bei denen 90% der Teilnehmer mindestens einen Fehler machen – wenn die Schrift gut lesbar in schwarzem Schriftbild gedruckt wird. Wird die Schriftfarbe der Fragestellungen auf Hellgrau geändert – und somit schwer lesbar gemacht – sinkt diese Fehlerquote auf 35%.Wie bitte? Ja! Eine schwerere Schrift führt zu besseren Ergebnissen.

Was können wir daraus schließen? Schwerer lesbare Schriften erhöhen die Schwierigkeit einer Frage, ohne dass sie wirklich schwerer wird. Was bei normalen Fragen ein Nachteil für den Lerner sein kann, ist bei Fangfragen/Logikfragen definitiv ein Vorteil.

Die Magie von schwer zu lesenden Schriften

Das Schriftbild hat nicht nur einen Einfluss auf unsere Motivation zu lesen, sondern auch darauf, wie wir einen Text wahrnehmen. Oft haben wir keine Lust darauf schwer lesbare Texte zu lesen und überspringen diese einfach. Seien wir ehrlich, niemand hat Lust zehn Seiten in kaum zu entziffernder Schrift zu lesen: es ist anstrengend, ermüdend und frustrierend. Dabei ist es egal, ob wir in einer Zeitung stöbern, eine Werbung sehen oder dem wissenschaftlichen Artikel gegenüberstehen, der unsere Gesundheit retten könnte.

Nur wenn uns das Thema wirklich interessiert nehmen wir so eine Mühe auf uns und beschäftigen uns mit dem Text. Kurz gesagt: Uns fehlt bei einigen Themen die innere Motivation den Text zu lesen und so kann ein einfaches Schriftbild uns, mit einer sehr ansprechenden Überschrift, dazu motivieren diesen Text überhaupt zu lesen. Es ist also nicht verkehrt gut zu lesende Schriften zu verwenden, sondern in den meisten Fällen sogar notwendig, um eine Interaktion mit dem Text anzuregen.

Trotz allem sind etwas kompliziertere Schriften nicht schlecht. Schriften, die etwas schwerer zu lesen sind, fördern die Langzeiterinnerung und das Verständnis – allerdings  müssen dafür vier Voraussetzungen erfüllt sein:

Wir haben 1) die innere Motivation den Text zu lesen und „quälen“ uns auch durch ein ungewohntes Schriftbild bzw. 2) wir sind gezwungen einen Text zu lesen (externe Motivation) und müssen uns durch ein schweres Schriftbild „quälen“. 3) Wir haben das Durchhaltevermögen uns solch einen Text zu erarbeiten und 4) die Schrift macht den Text zwar schwerer zu lesen, aber nicht unverständlich.

Besteht keine Motivation oder hat der Leser eine sehr niedrige „Frustrationstoleranz“ steigt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Text einfach ignoriert oder übersprungen wird. Deshalb: Schwerer lesbare Schriften nicht zu häufig einsetzen. (Tipps, wann und wie Sie diese Schriften am effektivsten einsetzen, finden Sie am Ende des Artikels.)

Eine kooperative Studie der Princeton Universität und der Universität von Indiana belegt, dass schwerer lesbare Schriften das Lernen anregen können. In Studien haben Teilnehmer eine bessere Erinnerung an Texte, wenn diese in einer schwerer zu lesenden Schriftart geschrieben sind. Dies bestätigte sich bei einer Kontrollgruppe von mehr als 200 High School Studenten, nachdem es bei einer gemischten von weniger als 30 Personen beobachtet wurde.

Wie schwer darf die Schrift zu lesen sein?

Die Forscher gehen hier von einer umgedrehten U-Kurve aus, bei der leicht (z.B.: Arial) und sehr schwer zu lesende Schriften (z.B: Misirlou) jeweils auf der anderen Seite stehen. Also sollten Sie eine „etwas schwerer“ zu lesende Schrift wählen,  allerdings keine sehr schwer zu lesende Schrift, um optimale Erfolge zu erzielen.

Warum ist das so? Vermutlich weil wir uns intensiver mit einem Text befassen. Wir haben subjektiv das Gefühl der Text ist schwerer, da wir durch die kompliziertere Schrift verunsichert werden und uns mehr auf den Text konzentrieren müssen.

 

Wie Sie Ihre E-Learnings mit diesen Erkenntnissen rund um die Schriftart verbessern können

  • Verpacken Sie längere Texte in gut lesbare Schriften, damit Ihre Lerner nicht demotiviert, abgeschreckt und frustriert werden
  • Verwenden Sie schwerer zu lesende Schriften nicht zu häufig, sondern an den wichtigen Stellen, die sich Lerner merken sollen bzw. an Stellen, an denen oft Unsicherheit herrscht
  • Verpacken Sie wichtige Dinge in etwas schwerer zu lesende Schriften, so werden Sie wahrscheinlich besser verstanden und behalten
  • Große Schriften führen nicht dazu, dass Ihre Lerner Dinge besser behalten, auch wenn Sie damit etwas betonen
  • Achten Sie darauf, dass schwerer zu lesende Schriften die gefühlte Schwere Ihrer Fragestellung beeinflussen
  • Testen Sie selbst! Die Studien zeigen, dass schwerer zu lesende Schriften einen positiven Einfluss haben können. Machen Sie am besten einen Split-Test aus zwei Lerngruppen und schauen Sie, ob diese kleine Veränderung einen Einfluss auf die Ergebnisse Ihrer Schulungen hat

Weblinks:

 

Wahrnehmungspsychologie II: Augen auf bei der Fragestellung

Wahrnehmungspsychologie-Didaktik-Bewegungsillusion

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Herr Meier sitzt vor dem Rechner und startet seine Abschlussprüfung. Er freut sich, denn er ist gut vorbereitet und braucht sich keine Sorgen machen. Erst nachdem er das Ergebnis sieht, ist er schockiert, denn irgendwie beantwortet er zu viele Fragen falsch. Wenn Herr Meier die Fragen falsch beantwortet, obwohl er die Fragen richtig beantworten müsste (sein Wissensstand ist in diesem Fall wirklich sehr gut), läuft etwas falsch – und Herrn Meier trifft nicht die Schuld.

Lektion 2: Wie Sie die Wahrnehmung Ihrer Mitarbeiter beim E-Learning überlisten können – und warum Sie gerade das nicht tun sollten

Durch einen Wissenstest sollte eigentlich Herrn Meiers Wissen abgefragt werden, also ob er die Inhalte des E-Learnings verstanden hat und sein Wissen anwenden kann. Nicht zu prüfen war, ob er sich von seiner Wahrnehmung überlisten lässt und Fragen dadurch unbeabsichtigt falsch beantwortet. Damit es Ihren Mitarbeitern nicht wie Herrn Meier geht, sollten Sie sich vor der Gestaltung eines Wissenstests Gedanken über die Wahrnehmungspsychologie Ihrer Mitarbeiter machen.

Wenn unser Gehirn überlistet wird

… sind wir chancenlos. Vermeintliche Kleinigkeiten, wie z.B. die optische Gestaltung von Inhalten und Fragen, fordern das Verständnis heraus und treiben unschuldige Mitarbeiter wie Herrn Meier zur Verzweiflung.

Unsere Wahrnehmung ist, wie Sie an der optischen Täuschung in diesem Artikel erkennen, leicht zu überlisten. Eigentlich dreht sich hier keiner der Kreise – wenn wir aber neben das Bild schauen, drehen sich die Kreise in unserer am Rande liegenden Wahrnehmung.

Optische Täuschungen machen viel Spaß – aber vermutlich fragen Sie sich „Warum erzählen die mir davon? Ich will doch nur mein E-Learning aufpolieren!“ Das ist eine Gute Frage. Aus einem Grund: Es ist nicht geklärt, wie optische Täuschungen in unserem Gehirn funktionieren. Fakt ist aber: Unsere Wahrnehmung übersetzt uns die Realität. „Filter“ in unserem Gehirn übersetzen und interpretieren die Umwelt für uns – somit ist die Realität immer subjektiv beeinflusst: mal mehr, mal weniger. Gerade diese Subjektivität gilt es bei der Gestaltung von E-Learnings zu beachten.

Da Lerner die Fragen visuell wahrnehmen, müssen Sie als Autor darüber nachdenken, wie die Lerninhalte und das Fragendesign wirken. Warum? Damit Sie Inhalte und Fragen gestalten, die tatsächlich die Lerninhalte abfragen und nicht die Wahrnehmung überlisten.

Verknüpfungen in unserem Kopf

In unserer Wahrnehmungspsycholgie verknüpfen wir automatisch Informationen. Hierzu eine einfache Übung: Was ist das erste Bild, das Ihnen bei den folgenden Begriffen in den Sinn kommt: Taschentuch … Haus … Auto?

Bei einem Taschentuch denken Sie sehr wahrscheinlich zuerst an ein weißes Papiertuch, vielleicht aber auch an ein Stofftaschentuch. Bei einem Haus? Reihenhaus, Bauernhaus, Mehrfamilienhaus, Ihr eigenes Haus, ein gezeichnetes Haus oder gemaltes Haus – es gibt keine richtige oder falsche Antwort, genau wie beim Auto! Auch dort denken Sie an das Bild, welches Sie persönlich mit „Auto“ verknüpft haben.

Deshalb: Ihre Vorstellung, wie auch die Vorstellung Ihrer Lerner, wird immer durch die eigene Erfahrungswelt geprägt. Sie dürfen also nicht davon ausgehen, dass jeder Mensch Ihre Fragen gleich versteht, solange es einen Interpretationsspielraum gibt.

Wie wir unsere Welt interpretieren

Interpretationen entstehen dadurch, dass wir Gruppierungen und Zusammenhänge erstellen.

1. Je näher Dinge beieinander liegen, umso schneller gehen sie eine Verbindung ein.

Wir können dies in Texten einfach beobachten:

  • Ein Wort ist ein Bedeutungsträger:

Boot.

  • Dieser Bedeutungsträger wird zu einem Satz kombiniert:

Peter fährt im Boot.

  • Mehrere Sätze transportieren eine Idee in einem Absatz:

Peter fährt im Boot. Er wirft seine Angel aus um Fische zu fangen. Er lehnt sich zurück und wartet darauf, dass einer anbeißt.

  • Mehrere Absätze beschreiben unterschiedliche Aspekte eines Sachverhalts.

Peter fährt im Boot. Er wirft seine Angel aus um Fische zu fangen. Er lehnt sich zurück und wartet darauf, dass einer anbeißt.

Susi steht in der Küche und rührt im Topf. Als sie die Suppe probiert und das Salz auf Ihrer Zunge schmeckt, fragt sie sich,ob Peter an seine Rettungsweste gedacht hat.

  • Ein Kapitel beschäftigt sich mit einem Thema.

Peter fährt Angeln [Kapitel 1]

Peter fällt ins Wasser [Kapitel 2]

Peter rettet sich auf eine kleine Insel [Kapitel 3]

Susi sucht Peter [Kapitel 4]

Nach 5 Jahren kehrt Peter zu Susi zurück [Kapitel 5]

Merke: Zwischenüberschriften und Absätze nach Gedankensprüngen helfen Dinge besser zu erfassen. Deshalb sind durchgängige Fließtexte ohne erkennbare (Sinn-)Absätze zu vermeiden.

 

2. Kästen, einfache Striche oder farblich unterschiedliche Hintergründe können die Bedeutung des Inhalts rund um eine Aussage schnell verändern.

Es liegt also in Ihrem Ermessen, ob Lehrer oder Frauen toll sind. Ferner entscheiden Sie darüber, ob Sie es dem Lerner mit einem klar und einfach zu verstehenden Design ermöglichen, Lerninhalte zu erfassen.

Wahrnehmungspsychologie-beispiel

3. Verknüpfungen finden schon zwischen Überschrift und Subheadline statt.

Wenn Sie die Frage also in der Überschrift beginnen und in der Zwischenüberschrift fortführen, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass einige Lerner genau diesen Sprung nicht mitmachen und Ihre Frage vorschnell beantworten.

 Weniger gut:
Besser:
Was ist beim Lernen am wichtigsten

wenn Sie selbst nicht nachdenken wollen?

  1. Der Lehrer?
  2. Der Schüler?
  3. Das Lernmaterial?
Was ist beim Lernen am wichtigsten, wenn Sie selbst nicht nachdenken wollen?
  1. Der Lehrer?
  2. Der Schüler?
  3. Das Lernmaterial?

 

Fazit

In Ihren Lerninhalten sollten Sie deshalb Sinnzusammenhänge bewusst anordnen. Fassen Sie wichtige Informationen zusammen (z.B. in Kästen) und achten Sie auf genügend Abstand zwischen unterschiedlichen Informationen.

 

Das CAPSLOCK Dilemma

Capslock, also das Tippen mit Feststelltaste, erweckt den Anschein als würde geschrien und ist subjektiv sehr negativ belegt (zum Beispiel bei hitzige Diskussionen in Foren). Sie sollten es in den meisten Fällen vermeiden und auch nicht alle Ihre Überschriften so gestalten.

Wann macht es Sinn Capslock zu verwenden? Bei Warnhinweisen (ACHTUNG) oder kurzen Aufforderungen (STOP, HALT,..)
Wann nicht? Bei Fragestellungen oder Aufforderungen an den Lerner, da hier unterschwellig schnell negative Gefühle geweckt werden – bis hin zur Ablehnung.

 


Wie Sie die Erkenntnisse aus der Wahrnehmungpsychologie für Ihre E-Learnings nutzen können

  1. Verbinden Sie zusammengehörige Kontexte visuell
  2. Gruppieren Sie Inhalte in Ihren Lektionen
  3. Machen Sie keine Gedankensprünge zwischen Überschrift und Subheadline
  4. Schreien Sie Ihre Lerner nicht an (Capslock)

 

Wahrnehmungspsychologie I: Von Chunks und Kätzchen

Wahrnehmungspsychologie-Didaktik-Chunks

© Oksana Kuzmina

Sie dachten eine richtige Antwort wird nur durch den Wissensstand Ihrer Mitarbeiter beeinflusst? Nein! Es kommt nicht (nur) auf den Inhalt Ihrer Frage an, sondern darauf wie Sie ihn darstellen, wie viele Informationen Sie in der Frage platzieren und wie Sie Ihre Antworten gestalten.

In unserer kleinen Reihe rund um Wissenstests wollen wir Ihnen einige psychologische Kniffe zeigen, mit denen Sie bessere E-Learnings erstellen können.

In dieser ersten Lektion zeigen wir Ihnen die Grenzen des menschlichen Gedächtnisses und warum Ihre Mitarbeiter sich nicht mehr als 7 Dinge auf einmal merken können.

Lektion 1: Jedes Mal, wenn Sie das Arbeitsgedächtnis überlasten, stirbt ein Kätzchen!

Aber nicht nur das! Auch die Teilnehmer Ihres Wissenstests sind zum Scheitern verdammt, denn das Arbeitsgedächtnis ist begrenzt. Schon wenn wir einkaufen gehen und mehr als 7 Dinge brauchen, sind wir gut damit beraten uns eine Einkaufsliste zu schreiben.

Warum? Das Arbeitsgedächtnis, vielen besser unter dem Codenamen „Kurzzeitgedächtnis“ bekannt, kann nicht mehr als 7 Chunks speichern.

Ein Chunk ist – kurz zusammengefasst – eine Informationseinheit. Dies kann ein Buchstabe, eine Zahl oder aber auch ein Wort sein.

Doch genau hier werden die Informationen gespeichert, die noch nicht ins Langzeitgedächtnis übergegangen sind. Es gibt unterschiedliche Theorien zum Arbeitsgedächtnis – und bei keiner stirbt in Wirklichkeit ein Kätzchen!

In dieser Lektion stellen wir Ihnen die bekannteste und meist zitierte Theorie vor:  Die Millersche Zahl (1), nach der wir uns ca. 7 (+/-2) Chunks auf einmal merken können. Sobald wir mehr als 7 Chunks behalten sollen, fällt die Gedächtnisleistung massiv. Durch diese Theorie, entsprungen aus einem Artikel von George A. Miller im Jahr 1956, haben Sie einen guten Richtwert, um Ihre E-Learnings zu gestalten. Aber beachten Sie: Nach heutigen Studien sind sogar die glorreichen Sieben oft zu viel – schon mehr als 4 Chunks können wir schwer behalten (Cowan 2001).

Fazit: Ihre Lerner können sich nicht viele Dinge (Chunks) auf einmal merken, wahrscheinlich sogar weniger als 7 Stück auf einmal!

3 Dinge, für die Sie die Millersche Zahl bei Ihrer Fragengestaltung und Ihren E-Learnings anwenden können

  1. Denken Sie bei Ihrem E-Learning daran, dass sich Ihre Lerner nicht an alles erinnern können. Gerade noch nicht im Langzeitgedächtnis verankerte Sachverhalte sind nur begrenzt abrufbar. Nur Detailfragen zu stellen ist daher wenig sinnvoll. Fragen Sie stattdessen lieber nach dem Gesamtkontext, um die Zusammenhänge der Thematik zu verdeutlichen.
  2. Beschränken Sie Ihre Antworten in Multiple Choice Tests auf ca. 5-7 Antwortmöglichkeiten, da noch mehr Antwortmöglichkeiten den Lerner verunsichern können und gegen das Kurzzeitgedächtnis arbeiten. Weniger als 4 Antworten erhöhen hingegen Zufallsergebnisse, da das Raten zu leicht gemacht wird.
  3. Beschränken Sie die Länge der Fragestellung. Je mehr Chunks in einer Frage stehen, umso komplizierter wird die Frage, nicht das abgefragte Wissen. Fragen, die nur sehr schwer zu verstehen sind, frustrieren und verunsichern. Faustregel: Wenn Sie eine Frage mehr als 2-Mal lesen müssen, um sie zu verstehen, sollte die Frage in 95% der Fälle umgeschrieben werden. Ausnahme: Sie machen einen reinen Logiktest.

 


Weblinks:

  • http://www.psych.utoronto.ca/users/peterson/psy430s2001/Miller%20GA%20Magical%20Seven%20Psych%20Review%201955.pdf
  • Cowan, N. (2001). The magical number 4 in short-term memory: A reconsideration of mental storage capacity. Behavioral and Brain Sciences, 24, 87-185

Das richtige Lernkonzept macht’s

Methodik-LernkonzepteBlended Learning, Virtual Classroom oder ausschließlich Präsenzveranstaltungen vor Ort? Unternehmen, die ihre Mitarbeiter mit Hilfe von E-Learning aus- und weiterbilden, müssen sich zu Beginn einer neuen Schulungsmaßnahme mit einer Reihe von Fragen beschäftigen – unter anderem mit der Frage nach der geeigneten Schulungsmethode bzw. dem Lernkonzept. Um E-Learning erfolgreich in die vorhandene Aus- und Weiterbildungsstrategie zu integrieren, ist Basiswissen unerlässlich. Mit diesem ersten Überblick über die gängigen Lernkonzepte möchten wir Sie bei der anstehenden Erweiterung oder Umstrukturierung Ihrer Ausbildungsprozesse unterstützen.

Der Einstieg: Das Anreicherungskonzept

Das Anreicherungskonzept ist besonders für den E-Learning-Einstieg geeignet, da die Wissensvermittlung hauptsächlich in Form von Präsenzveranstaltungen stattfindet. In diesen Seminaren werden die Lerner vor Ort von einem entsprechenden Trainer geschult. E-Learning wird zur Unterstützung der Lehrveranstaltung, insbesondere der Materialbeschaffung (Unterlagen, Präsentationen, Informationen) verwendet und um die Vor-und Nachbereitung einer Schulung zu ermöglichen. So könnt zum Beispiel nach der Veranstaltung „Erste-Hilfe-Kurs“ ein Dokument zur Verfügung gestellt werden, in dem die zentralen Handlungsanweisungen noch einmal zusammengefasst sind. Eine andere Möglichkeit das Anreicherungskonzept einzusetzen sind Feedbackbögen, die vor einer Veranstaltung ausgefüllt werden, um die Erwartungen der Teilnehmer an die bevorstehende Veranstaltung zu erfahren. Zusätzlich kann der Feedbackbogen nach einer Veranstaltung zur Qualitätssicherung eingesetzt werden.

Aus zwei wird eins: Das Integrationskonzept

Das Integrationskonzept meint eine Kombination aus den Vorteilen einer Präsenzveranstaltung und den Vorteilen eines E-Learnings.  Man spricht in diesem Zusammenhang auch von Blended Learning. Dabei werden die heute verfügbaren Möglichkeiten der Vernetzung über das Internet in Verbindung mit klassischen Lernmethoden und –medien zu einem sinnvollen Lernprozess genutzt. Dadurch sind sowohl Kommunikation und Information als auch Wissensmanagement möglich – losgelöst von Ort und Zeit.

Stärken einer Blended Learning Schulung

/ Flexible Gestaltung – In Online Lernphasen werden die Inhalte einer zuvor stattgefundenen Präsenzveranstaltung aufgearbeitet und ergänzt – oder andersherum: Eine Online Lernphase bereitet die Lernenden auf eine abschließende Präsenzveranstaltung vor. Dadurch werden die Präsenzveranstaltungen optimiert und effizienter gestaltet – das führt zu einer nicht unerheblichen Kostenersparnis.
/ Wissen vernetzen – Durch die Abwechslung bei der Schulungsmethode wird die Motivation bzw. das Durchhaltevermögen der Lernenden gefördert und ihr Wissenshorizont erweitert.
/ Orts- und zeitunabhängig – Die Mitarbeiter sind, dadurch dass sie das Lernangebot nach ihrem individuellen Bedarf nutzen können, zeitlich und örtlich flexibel.
/ Persönlich – Während der Präsenzschulungen können sich Lerner austauschen und den Kontakt mit den Trainern aufnehmen, so dass eine persönliche Beziehung aufgebaut wird und der Lernende sich nicht allein gelassen fühlt
/ Evaluation – Mitarbeiter können Ihren Lernstand durch integrierte Lernstandkontrollen und Übungen besser einschätzen. Erst wenn Probleme wahrgenommen werden, besteht die Möglichkeit diese nach einer Analyse zu bekämpfen und zu antizipieren, damit Ihre Mitarbeiter individuell gefördert werden.

Volle Flexibilität: Das Virtualisierungskonzept

Beim Virtualisierungskonzept nehmen Sie bewusst Abstand von Präsenzveranstaltungen und verlagern Ihre gesamte Wissensvermittlung in einen virtuellen Raum, einen sogenannten Virtual Classroom. In diesem können die Lerner sowohl asynchron nach ihrem eigenen Tempo lernen oder synchron an Webinaren teilnehmen und aktiv Wissensmanagement betrieben. Beim E-Learning wird den Lernern daher volle Flexibilität eingeräumt: nicht nur räumlich und zeitlich – auch inhaltlich.

Herausforderungen beim E-Learning

/ Höchste Priorität beim E-Learning hat das didaktische Konzept, welches die Lernenden erfolgreich und gleichzeitig abwechslungsreich durch die Schulung führen muss.
/ E-Learning erfordert eine hohe Selbstdisziplin bzw. Motivation bei den Lernern, so dass eine entsprechend zeitintensive Betreuung notwendig werden kann.
/ Für Webinare, bei denen die Lernenden synchron miteinander arbeiten, werden Moderatoren o.Ä. benötigt, damit der Lernprozess strukturiert abläuft und für alle Teilnehmenden von Erfolg geprägt ist.

Fazit: Aus der Praxis…

… können wir Ihnen das Integrationskonzept empfehlen, denn Blended Learning gibt sich weniger den rein technischen Möglichkeiten hin, sondern setzt vor allem auf den gesteigerten Lerneffekt durch die Kombination aus Online-Lernphasen und gezielten Präsenzveranstaltungen. Aber auch Präsenzveranstaltungen und E-Learnings haben ihren berechtigten Einsatz. Dennoch gilt: Der Inhalt bestimmt die Lernform und damit das Konzept – nicht andersherum.

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan

Das kleine 1×1 der Fragen-Methodik

Fragen Mehtodik für WissenstestsErfolgreiche und weniger erfolgreiche Wissenstests unterscheiden sich vor allem durch eines: die Methodik der einzelnen Fragen – aber wie fragt man eigentlich richtig? Welche Methodiken gibt es und worauf muss man achten? Für diese Fragen haben wir Ihnen ein kleines 1×1 der Fragen-Methodik erstellt.

Unter dem Begriff „Fragen-Methodik“ verstehen wir die gezielte Verwendung von Fragetechniken, um das Wissen der Lernenden optimal abzufragen. Dabei unterscheiden wir generell zwischen geschlossenen und offenen Fragetypen. Bei geschlossenen Fragen muss der Lernende aus vorgegebenen Antwortmöglichkeiten wählen, also z.B. Ja/Nein-Fragen oder Single bzw. Multiple Choice-Fragen. Offen Fragen sind hingegen dadurch gekennzeichnet, dass der Lernende eine individuelle Beantwortung vornehmen kann, z.B. in Form von Freitextfragen.

Welche Methodik zu welcher Frage passt, hängt von Ihrem Inhalt ab und der Intention, die Sie damit bewirken möchten.

Unsere Bausteine für erfolgreiche Fragen

Dass jeder Wissenstest anders ist und einer individuellen Betrachtung bedarf, ist Ihnen sicher bekannt. Es gibt aber einige Grundregeln, die wir Ihnen aus unserer Praxiserfahrung heraus ans Herz legen möchten, damit die Fragen Ihres Wissenstests erfolgreich sind:

  1. Machen Sie sich, bevor Sie die einzelnen Fragen für einen Wissenstest erstellen, gründliche Gedanken zum Inhalt und definieren Sie ein Ziel, welches Sie durch die Abfrage erreichen möchten. Überprüfen Sie am Ende einer jeden Frage, ob diese dem Lernziel entspricht und hinterfragen Sie kritisch, ob Sie die passende Methodik gewählt haben.
  2. Verwenden Sie kurze Formulierungen und eine einfache Satzstruktur, damit Ihre Mitarbeiter auf Anhieb verstehen, worauf Sie mit dieser Frage abzielen.
  3. Stellen Sie klare Fragen, die einfach zu verstehen sind und formulieren Sie auch tatsächlich nur eine einzige Frage. Eine Kombination von mehreren Fragestellungen oder schwammige Aussagen können Ihre Lernenden überfordern und dazu führen, dass vom eigentlichen Inhalt abgelenkt wird.
  4. Formulieren Sie die einzelnen Fragen so, dass sie nicht nur die momentane Arbeit voranbringen, sondern auch dabei helfen, dass sich Ihre Mitarbeiter darüber hinaus weiterentwickeln.
  5. Fangfragen sagen Ihnen nichts über den Wissenstand Ihrer Mitarbeiter aus, sondern nur, ob er/sie den Fragentyp verstanden hat. Vermieden Sie diese also, denn so entstehen unnötig schwere Fragen.
  6. Bei der Wahl der Fragen-Methodik ist Abwechslung Trumpf. So halten Sie die Konzentration Ihrer Mitarbeiter aufrecht und motivieren sie.
  7. Bedenken Sie bei den einzelnen Fragen, dass Ihre Lernenden die Antwort auch kennen müssen bzw. fragen Sie sich „Woher können meine Lernenden das wissen?“. Das klingt womöglich etwas merkwürdig, aber nur die Inhalte, die Sie auch tatsächlich vermittelt haben, sollten Sie auch abfragen.
  8. Sobald Sie die Fragestellung einer Frage bearbeitet haben, achten Sie darauf, dass die Antwortmöglichkeiten noch zur Fragestellung passen. Falls nicht, nehmen Sie Änderungen vor.
  9. Führen Sie einen Vorab-Test Ihres Wissenstests durch. Durchlaufen Sie dabei den gesamten Wissenstest aus Sicht Ihrer Lernenden. Warum? Durch diesen anderen Blickwinkel werden Sie möglicherweise auf Probleme aufmerksam, die Ihnen beim Erstellen der Fragen nicht bewusst waren.

Was Ihnen der Einsatz der richtigen Fragen-Methodik bringt

Wenn Sie bei der Erstellung Ihrer Wissenstestfragen auf die Fragen-Methodik achten, führt das zunächst einmal generell dazu, dass Ihre E-Learnings interessanter und hochwertiger werden – und interessante E-learnings sorgen bei Ihren Mitarbeitern dafür, dass Sie die Aus- und Weiterbildung nicht als langweilig oder frustrierend ansehen, sondern einen echten Mehrwert daraus mitnehmen. Wir haben dazu eine einfache Regel aufgestellt: Bessere Fragenqualität = bessere Lernergebnisse = motiviertere Mitarbeiter = mehr Spaß an Aus- und Weiterbildung.

Sinnvoll ist in diesem Zusammenhang auch die Verwendung von Designvorlagen: Ihre Fragen werden nicht nur optisch ansprechend und einheitlich, sie enthalten auch standardmäßig alle wichtigen Elemente. Kurz: Titel, Handlungsaufforderung und Antwortbereich sind vorformatiert und müssen nur noch von Ihnen angepasst werden. So können Sie diese nicht mehr vergessen und gewährleisten im selben Zug, dass jede Frage einem gewissen Standard entspricht und, dass sich Ihre Mitarbeiter nicht bei jeder Frage neu orientieren müssen.

Ein weiterer Vorteil, der dadurch entsteht, dass Sie Fragen-Methodiken gezielt einsetzen, ist die Tatsache, dass Sie bei der Auswertung der Ergebnisse präzise und definierte Antworten erhalten, die eine höhere Aussagekraft besitzen. Der Grund dafür? Unüberlegte Fragestellungen können zu einem Interpretationsspielraum bei Ihren Mitarbeitern führen. Die Auswertung „falsch beantwortet“ kann daher z.B. darin begründet sein, dass Ihr Mitarbeiter Ihre Frage vielleicht nicht einmal verstanden hat. Im Umkehrschluss bedeutet eine richtig beantwortete Frage nicht zwingend, dass Ihr Mitarbeiter das Erlernte tatsächlich verstanden hat. Verwenden Sie daher gern auch offenen Fragen. So erhalten Sie ein viel besseres Bild, ob Ihre Mitarbeiter den Inhalt tatsächlich verstanden haben, diesen weiterführend bearbeiten können oder ob er/sie die Fakten nur auswendig gelernt hat.

Der Einsatz gezielter Fragen-Methodik hat allerdings auch eine Schwachstelle, die Sie nicht außer Acht lassen sollten – nämlich die Zeit. Diese wird unserer Meinung nach aber mit erfolgsversprechenden E-Learnings belohnt, aus denen eine erhöhte Mitarbeitermotivation resultiert – und das führt letzten Endes zu einer Optimierung Ihres Unternehmens.

 

Uns ist bewusst, dass unser 1×1 nicht vollständig ist und dass unsere Empfehlungen auf unseren persönlichen Erfahrungen beruhen, die wir im Laufe der Jahre gemacht haben. Sie kennen weitere Frage-Techniken oder haben andere Erfahrungen gesammelt? Dann erzählen Sie uns davon, in dem Sie einen Kommentar verfassen.

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan

11 Tipps für ein erfolgreiches Feedback

Tipps für gute FeedbacksDamit ein Feedback zu dem gewünschten Ergebnis führt, haben wir einige Empfehlungen erarbeitet, die unserer Meinung nach für das Erstellen eines Feedbacks bedeutsam sind. Als Beispiel soll in diesem Zusammenhang ein Feedback zur Qualitätssicherung einer Ausbildung dienen.

Das Feedback

Bevor Sie ein Feedback und die dazugehörigen Fragen erstellen, sollten Sie sich zunächst einige generelle Gedanken machen. Was genau möchten Sie mit Hilfe des Feedbacks erfahren? Sind Sie eher an der persönlichen Meinung der Teilnehmer interessiert oder geht es Ihnen primär darum eine Tendenz zu erfahren? Diese Vorüberlegungen sollen Ihnen später helfen konkrete Feedback-Fragen formulieren zu können.

Feedback-Fragen

  • Bei der Reihenfolge der Feedback-Fragen sollten Sie mit Detailfragen zur Ausbildung beginnen und erst am Ende des Feedback-Formulars eine Gesamtbewertung fordern. Das hat einen simplen Grund: Die Detailfragen sorgen dafür, dass Ihre Teilnehmer die Ausbildung noch einmal vor dem innerlichen Auge aufrufen. Aspekte, die sonst vermutlich vergessen werden würden, werden aktiviert und nehmen Einfluss auf die Gesamtbewertung.
  • Wir empfehlen maximal acht bis zwölf Fragen pro Feedback, um die Übersichtlichkeit beizubehalten. So wird darüber hinaus gewährleistet, dass der zeitliche Rahmen für das Ausfüllen des Feedbacks nicht unnötig überschritten wird.
  • Feedbackfragen können unter anderem nach dem Ja/Nein- oder Single/Multiple Choice-Prinzip beantwortet werden. Mit diesen Fragetypen sollen die Teilnehmer zu einer konkreten Entscheidung geleitet werden. Freitext-, Schieberegler- und Priorisierungs-Fragen dienen hingegen dazu eine Tendenz zu erfragen. Je nachdem, ob Sie eine Wertung oder eine bestimmte Entscheidung erfragen möchten, sollten Sie daher den entsprechenden Fragetypen auswählen.
  • Die einzelnen Fragen sollten immer komplett ausformuliert sein bzw. eine Aussage enthalten, die bewertet werden soll. Stichworte sollten nicht verwendet werden, damit keine unterschiedlichen Interpretationen bei der Beantwortung der Frage möglich sind.

Antwortmöglichkeiten

  • Handelt es sich bei Ihrer Frage um eine einfache Frage, so sollten Sie bei den Antwortmöglichkeiten einen Mittelpunkt angeben (Beispiel: Wie bewerten Sie die Dauer der Schulung? Drei Antworten: Schlecht, Mittel, Gut). Ein Mittelpunkt sollte dann angegeben werden, wenn eine konkrete Aussage ausgewählt werden soll, so dass daraus entsprechende Handlungen abzuleiten sind.
  • Wenn Ihre Feedbackfrage eine komplexe Fragestellung enthält, kann es durchaus sinnvoll sein vier bis sechs Antworten anzubieten, um eine Tendenz zu erfragen. (Beispiel: Welchen Gesamteindruck haben Sie von Ihrer Ausbildung? Nicht zufrieden, kaum zufrieden, recht zufrieden, sehr zufrieden)
  • Ordnen Sie die Antworten in einer festen Wertungs-Reihenfolge an. Wir empfehlen die Antworten entsprechend der Leserichtung anzuordnen. Negative bzw. schlechte Wertungen sollten links stehen, positive rechts. Die Bewertung entspricht dadurch ebenfalls der bekannten Zeitleiste, bei der positive Aspekte in der Zukunft liegen (rechts) und bei der negative Aspekte eher mit der Vergangenheit in Verbindung gebracht werden und somit links zu finden sind.
  • Generell sollten Sie lieber die Möglichkeit „Keine Antwort“ zur Verfügung stellen, statt der Antwortmöglichkeit „Weiß ich nicht“. Das hat einen simplen Grund: „Weiß ich nicht“ fließt mit in die Gesamtauswertung ein, „Keine Antwort“ nicht.
  • Bitte beschriften Sie alle Antwortmöglichkeiten, damit die Beantwortung übersichtlicher und schneller stattfinden kann. Außerdem werden dadurch mögliche Fehlinterpretationen vermieden.
  • Nutzen Sie die Kommentar-Funktion, wenn es für die Frage sinnvoll ist, lieber direkt unter der Frage, statt dem üblichen Texthinweis „Kommentare bitte am Ende des Fragebogens“. Gedanken, die der Auszufüllende in diesem Moment hat, könnten verloren gehen. Geben Sie demjenigen, der Ihr Feedback ausfüllt, besser am Ende des Fragebogens die Möglichkeit „Sonstige Anmerkungen“ vorzunehmen.

Wenn Sie sich diese Tipps zu Herzen nehmen und bei der Erstellung eines Feedbacks beachten, werden Sie Meinungen erhalten, die eine große Aussagekraft besitzen. Denken Sie bei jedem Feedback vor Allem an Punkt 1: Machen Sie sich generellen Gedanken dazu, was Sie mit Hilfe des Feedbacks erfahren möchten. Dann kann nichts mehr schiefgehen… und falls doch, steht Ihnen unser Support-Team jederzeit beratend zur Seite.

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan