E-Learning der Zukunft? Trends und Herausforderungen

NMC Horizon Report 2015

© Jan Gropp

Der NMC Horizon Report 2015: Higher Education Edition

Wie wird sich Bildung in den kommenden Jahren weiterentwickeln? Welche Trends und Technologien werden zu Veränderungen führen und welche Herausforderungen gilt es in diesem Zusammenhang zu bewältigen? Der NMC Horizon Report beschäftigt sich mit genau diesen Fragestellungen. In Zusammenarbeit mit zahlreichen Experten, dem New Media Consortium (NMC) und der EDUCAUSE Learning Initiative ist auch in diesem Jahr ein detaillierter Bericht entstanden, der zwar die Hochschullehre betrachtet, aber durchaus auch für die betriebliche Aus- und Weiterbildung im Unternehmen interessant ist.

Der Report nennt Trends, Herausforderungen und Technologien für insgesamt drei Zeithorizonte: kurzfristig (1 – 2 Jahre), mittelfristig (3 – 5 Jahre) und langfristig (5 und mehr Jahre). Gerade die kurz- und mittelfristigen Trends geben dabei wichtige Impulse und Inspiration.

Trend 1: Zunehmender Einsatz von Blended Learning

Laut den Bericht findet in den kommenden 1 bis 2 Jahren eine zunehmende Kombination von Online Lernangeboten und Präsenzveranstaltungen statt, auch bekannt als Blended Learning Lernkonzept. „Im Verlauf der letzten Jahre hat sich die Wahrnehmung von Online-Lernen positiv entwickelt, da mehr und mehr Lernende und Lehrende es als praktikable Alternative zu einigen Formen des Präsenzlernens betrachten.“ Diesen Trend können wir auch für Unternehmen feststellen. Die klassische Aus- und Weiterbildung in Form von reinen Präsenzveranstaltungen wird zwar mehr und mehr um Online Lernangebote erweitert und ergänzt, trotzdem müssen die vorhandenen Ausbildungsabteilungen und Trainingsanbieter noch mit diesem Thema wachsen. Oft ist es so, dass E-Learning als separates Feld gesehen wird und nicht als Teil vom Ganzen. Dabei spricht neben der Flexibilität und der leichte Zugänglichkeit der Inhalte vor allem die Integration von Multimedia für E-Learning bzw. Blended Learning. Darüber hinaus lassen sich auf diese Weise (Personal-)Kosten einsparen und die Lerner haben die Möglichkeit, nach Ihrem eigenen Tempo zu lernen.

Als berechtigte Herausforderung wird vor allem die Qualität der Angebote genannt. „Die Aufgabe […] wird es […] sein, wie Lehrveranstaltungen besser ausgestaltet werden können, von der Konzeption bis hin zur Durchführung.“ Insbesondere das Thema Methodik/Didaktik ist an dieser Stelle erwähnenswert, da in den Unternehmen häufig nicht die nötige Kompetenz vorhanden ist.

Trend 2: Neugestaltung von Lernräumen

Einen weiteren, kurzfristigen Einfluss wird laut dem Report das Thema „Lernumgebung“ nehmen. Vor allem für Unternehmen, die gerade erst Ihre Aus- und Weiterbildung in die Hand nehmen und noch keine ausgeprägte Lernkultur besitzen, können wir diesen Trend bestätigen. Die Frage nach den passenden Rahmenbedingungen (sowohl zeitlich als auch räumlich), damit Mitarbeiter/innen effektiv lernen können, wird dabei immer wieder in den Vordergrund gerückt. Die Experten des Horizon Reports bezeichnen eine Lehr-/Lernumgebung als optimal, die projektbasierte Interaktionen zulässt und dabei gleichzeitig Mobilität, Flexibilität und die Verwendung diverser Endgeräte berücksichtigt. Als Beispiel dafür wird das Nurse Simulation Lab der George Washington University genannt, ein erfahrungsorientiertes Lernlabor, das eine Krankenhausumgebung möglichst realistisch nachbildet.

Getreu dem 70-20-10 Modell lernen Mitarbeiter durch praktische, für den Arbeitsalltag relevante Erfahrungen am besten. Eine Lernumgebung, die dies berücksichtigt, ist daher besonders zielführend. Nicht nur Präsenzveranstaltungen können durch angepasstes, dynamisches Mobiliar und entsprechende Ausstattung zu einer verbesserten Lernumgebung beitragen, gerade auch im E-Learning kann die Gestaltung der Lernoberfläche dazu beitragen, dass sich der Lernende mit den Inhalten besser identifizieren kann und sie aktiver durchlebt, was wiederum zu mehr Lernerfolg führt. Neben der Einfachheit der Lernoberfläche spielt in diesem Zusammenhang auch der Gedanke der kontext-sensitiven, adaptiven Lernumgebung eine wichtige Rolle. Das heißt, dass die Lernumgebung den aktuellen Arbeitskontext erkennt und das Lernangebot entsprechend anbietet; und das hieße wieder Effizienz.

Trend 3: Zunehmender Fokus auf der Messung von Lernprozessen

“Es besteht ein wachsendes Interesse daran, neue Datenquellen für die Personalisierung des Lernerlebnisses, das fortlaufende formative Assesment von Lernprozessen und die Leistungsmessung zu nutzen.” Dieser Trend, der auch Learning Analytics genannt wird, dient dazu, Lernprofile zu erstellen und Lernaktivitäten zu analysieren, um daraus u.A. bessere didiaktische Ansätze entwickeln zu können und um den Lernprozess zu optimieren. Die Herausforderung liegt auch unserer Meinung nach darin, aus der Masse der Daten die nützlichen herauszufiltern, die den Lernprozess voranbringen und diesen nicht behindern. Darüber hinaus spielt gerade in der heutigen Zeit das Thema Datenschutz eine enorme Rolle. Zwar müssen Daten für die Anpassung und Sicherung der Qualität erhoben werden, oft reichen aber auch anonyme Daten dafür aus. Der NMC Report sieht daher in den kommenden 3 bis 4 Jahren die größte Aufgabe darin, angemessene Richtlinien zu definieren, um den Schutz der personenbezogenen Daten zu gewährleisten.

Den vollständigen Report (deutsche Version) mit allen Trends, Herausforderungen und Entwicklungen können Sie über diesen Link downloaden: https://www.mmkh.de/fileadmin/dokumente/Publikationen/2015-nmc-horizon-report-HE-DE.pdf

 

Ein Blog-Beitrag von Jennifer Jordan


Quelle

  • Johnson, L., Adams Becker, S., Estrada, V., and Freeman, A. (2015). NMC Horizon Report: 2015 Higher Education Edition. Deutsche Ausgabe (Übersetzung: Helga Bechmann, Multimedia Kontor Hamburg). Austin, Texas: The New Media Consortium.